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Edelmetalle Goldpreis erklimmt neues Jahreshoch – und nähert sich einer wichtigen Marke

Neue Konjunktursorgen lassen den Goldpreis auf mehr als 1350 Dollar pro Unze steigen. Nun könnte das Edelmetall aus einem jahrelangen Trend ausbrechen.
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Enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA haben das Edelmetall auf ein neues Jahreshoch. Quelle: AP
Goldbarren

Enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA haben das Edelmetall auf ein neues Jahreshoch.

(Foto: AP)

Frankfurt Für Edelmetall-Investoren hat der Juni glänzend begonnen: Der Goldpreis hat in der vergangenen Woche rund fünf Prozent zugelegt. Mit zwischenzeitlich 1350 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm) hat der Goldpreis am Freitag ein neues Jahreshoch markiert. Seit dem Tief im Sommer 2018 hat das Edelmetall sogar um rund 15 Prozent zugelegt.

Treiber der jüngsten Rally waren enttäuschende Arbeitsmarktzahlen aus den USA. Demnach wurden im Mai in den USA nur 75.000 neue Jobs geschaffen. Beobachter waren dem Finanzdienst Bloomberg zufolge von 175.000 Jobs ausgegangen.

Die Arbeitsmarktzahlen schüren neue Konjunktursorgen nachdem am Donnerstag auch die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter gelockert und eine Anhebung der Zinsen auf frühestens Mitte 2020 verschoben hatte. „Davon sollte Gold mittelfristig profitieren“, schrieben die Rohstoffanalysten der Commerzbank.

Der Goldpreis ist damit nur noch knapp von einer wichtigen Preismarke entfernt: In den vergangenen sechs Jahren schien das Edelmetall in einem vergleichsweise engen Preiskorridor zwischen 1050 und 1365 Dollar festzustecken.

Seit 2013 hat der Goldpreis die Marke von 1365 Dollar nur selten übersprungen. Setzt sich der Preis über dieser Marke fest, wäre das aus Sicht vieler Marktexperten ein Signal, dass der jahrelange Bärenmarkt beim Gold endgültig vorüber ist. Martin Siegel, Fondsmanager beim auf Edelmetalle spezialisierten Vermögensverwalter Stabilitas sagt: „Es bleibt zu beobachten, wie nachhaltig diese Entwicklung ist und ob Gold genug Kraft entwickelt.“

Aus Sicht von Nitesh Shah, Chefanalyst für Rohstoffe beim US-Vermögensverwalter Wisdom Tree stehen die Chancen gut, dass der Goldpreis diese Hürde nimmt. „Gold ist nach wie vor deutlich unterbewertet. Der Preis ist besonders angesichts der wachsenden Sorgen um die Stabilität der Finanzmärkte niedrig.“

Shah und sein Team haben ein statistisches Modell der wichtigsten Einflussfaktoren für den Goldpreis entwickelt. Demnach wird der Preis von vier Faktoren bestimmt: dem Dollar, der Inflationsrate in den USA, den Renditen von US-Staatsanleihen und der Stimmung an den Terminbörsen.

Nach Shahs Modell sprechen die Daten aktuell für Gold. So sind US-Staatsanleihen eine Art natürliches Substitut für Gold. Beide gelten als extrem sicher – doch Gold wirft keine Zinsen ab. Werfen US-Staatsanleihen eine hohe Rendite ab, ist das Gift für den Goldpreis.

Gefragter Inflationsschutz

Doch aktuell werfen US-Papiere 2,1 Prozent ab – so wenig wie lange nicht. Und die Rendite könnte sogar noch weiter sinken. Die Commerzbank rechnet mit einem Absinken der Rendite für US-Staatsanleihen auf 1,25 Prozent bis zum Jahresende. Und auch Shah glaubt: „Die Renditen für US-Staatsanleihen dürften zumindest nicht stark steigen, auch der Dollar hat nur geringes Aufwärtspotenzial.“ Das stützt den Goldpreis.

Gold gilt zudem als Schutz vor Inflation. Die ist zwar aktuell sowohl in den USA als auch in der Eurozone extrem niedrig. Doch das könnte sich ändern, schließlich haben die Notenbanken der niedrigen Inflation jüngst den Kampf angesagt.

So sagte der New Yorker Fed-Gouverneur, John Williams, kürzlich: „Auch wenn ich immer wachsam sein werde, was zu hohe Inflation angeht; zu niedrige Inflation ist jetzt das drängendere Problem.“ Auch EZB-Chef Mario Draghi nannte bei der Notenbanksitzung am Donnerstag die geringen Inflationserwartungen in der Eurozone als Begründung dafür, die Zinswende auf 2020 zu verschieben.

Angesichts der wachsenden Konjunktursorgen, der sinkenden Anleiherenditen und der inflationären Geldpolitik sieht Wisdom-Tree-Stratege Shah den Einstiegszeitpunkt für Gold als günstig: Derzeit biete sich Anlegern ein günstiges Zeitfenster, um ihre Portfolien mit Gold gegen Krisen abzusichern.

Dass Gold seine Funktion als sicherer Hafen in Krisenzeiten nicht verloren hat, zeige auch die anhaltend starke Goldnachfrage vieler Zentralbanken, so Shah. So kauften dem World Gold Council zufolge die Notenbanken in China, Russland, Venezuela und Kasachstan im April in größerem Umfang Gold.

2018 hatten die Institute so viel Gold wie zuletzt in den 60er Jahren gekauft. „Die starke Goldnachfrage der Zentralbanken zeigt, dass die Notenbanken Gold aus dem gleichen Grund nutzen, wie Investoren: Als Absicherung gegen Krisen an den Finanzmärkten“, sagt Shah.

Boom bei Goldminen-Aktien

Von dem jüngsten Gold-Boom profitieren auch die Aktien von Goldminen-Konzernen wie Barrick, Newmont oder AnglogoldAshanti. Große Goldminen-Indexfonds wie der iShares MSCI Global Gold Miners ETF (WKN: A1JKQJ) oder der Van Eck Vectors Gold Miners (A12CCL) haben seit Monatsbeginn rund 12 Prozent zugelegt.

Für Goldminen-Konzerne bedeutet ein steigender Preis automatisch mehr Gewinn, da der Umsatz bei gleichbleibenden Kosten ansteigt. Steigt der Goldpreis etwa von 1300 Dollar auf 1400, wächst der Kassenbestand der großen Goldkonzerne um rund 40 Prozent, hat der Fondsanbieter Van Eck berechnet.

Die Förderkosten lägen dagegen bei rund 900 pro Unze – im derzeitigen Umfeld sind Minenkonzerne also hochprofitabel. Hinzu kommt: Der zuletzt gesunkene Ölpreis senkt für die Energiekosten für die Minen. Stabilisiert sich der Goldpreis oberhalb der Marke von 1365 Dollar können Anleger nach jahrelanger Durststrecke bei Goldminen-Aktien wieder auf stabile Gewinne hoffe.

Mehr: Gold wird für Privatanleger wieder attraktiv. Doch wer es erwerben möchte, stößt auf Fallstricke. Ein Produktleitfaden für den erfolgreichen Kauf.

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