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Edelmetalle Notenbanken und Profi-Investoren kaufen Gold im großen Stil

Die Gold-Nachfrage war dem World Gold Council zufolge im ersten Halbjahr 2019 so hoch wie noch nie. Auch Promi-Investoren raten zum Edelmetallkauf.
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Finanzinvestoren setzten massiv auf einen weiteren Anstieg der Goldpreise. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Goldbarren

Finanzinvestoren setzten massiv auf einen weiteren Anstieg der Goldpreise.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Frankfurt Ray Dalio hielt Gold die Treue, als der Preis noch am Boden war. Der US-Starinvestor gilt als Fan des Edelmetalls. Seit Jahren hält er zwischen fünf und sechs Prozent der meldepflichtigen Anteile seines 230 Milliarden Dollar schweren Hedgefonds Bridgewater in Gold.

Doch mittlerweile sieht der die Zeit gekommen, noch stärker in das Edelmetall zu investieren. Angesichts der extrem lockeren Geldpolitik der Notenbanken und dem wachsenden Volumen negativer Anleiherenditen macht er einen „Paradigmenwechsel“ an den Finanzmärkten aus. „Aus diesem Grund glaube ich, dass es sowohl Risiko reduzierend als auch Rendite steigernd wäre, wenn man mehr Gold ins Portfolio nimmt“, schrieb Dalio kürzlich in einem Beitrag auf der Karriereplattform LinkedIn.

Mit dieser Meinung ist Dalio nicht allein, wie am Donnerstag veröffentlichte Zahlen des World Gold Council zeigen: Demnach stieg die Goldnachfrage im ersten Halbjahr 2019 um acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die starke Nachfrage dürfte zu der Goldpreis-Rally beigetragen haben. Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um elf Prozent gestiegen. Erstmals seit sechs Jahren notiert er stabil über der Marke von 1400 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm). In Euro gerechnet hat sich Gold sogar um mehr als 14 Prozent verteuert.

Wichtigster Treiber der Nachfrage waren die Notenbanken. Sie stockten ihre Bestände im ersten Halbjahr um 374 Tonnen auf – das ist ein Anstieg von 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Dabei war bereits 2018 das Jahr der Rekord-Käufe von Zentralbanken. Vergangenes Jahr waren es insgesamt mehr als 600 Tonnen, der höchste Wert seit der Abschaffung des Gold-Standards Ende der 1960er-Jahre.

Kein Ende des Kaufrauschs in Sicht

Bislang deutet nichts daraufhin, dass der Gold-Kaufrausch der Zentralbanken nachlässt, sagt John Mulligan, Chefanalyst des World Gold Council, der globalen Lobbyorganisation der Edelmetallbranche: „Dieser Trend hat ein erhebliches Momentum und ich rechne damit, dass er sich fortsetzt.“ Zu den stärksten Käufern gehörten zuletzt die Notenbanken Russlands und Chinas.

Ziel der Goldkäufe sei es, die eigene Währungsreserve unabhängiger vom Dollar zu machen. „Viele Zentralbanken haben in der Finanzkrise erkannt, wie anfällig ihre Währung bei globalen Krisen ist“, so Mulligan. Viele Länder, die zuvor keine großen Reserven hatten, gehörten daher seit 2010 zu den Nettokäufern des Edelmetalls.

Der WGC-Experte sieht insbesondere für China und Russland weiteres Aufholpotenzial. Das Edelmetall macht bislang drei Prozent der chinesischen Währungsreserven aus, bei Russland sind es 19 Prozent. Zum Vergleich: Der Goldbestand der Bundesbank macht dem WGC zufolge mehr als 70 Prozent der deutschen Währungsreserven aus.

Dass China, Russland und andere aktuell so massiv aufstocken hängt aus Sicht von Mulligan jedoch auch mit den wachsenden geopolitischen Risiken zusammen, etwa dem Handelskonflikt oder den Spannungen im Mittleren Osten. „Die starken Käufe sind eine Reaktion auf ein breites Spektrum von geopolitischen und ökonomischen Risiken.“

Starke Index-Zuflüsse

Diese Ansicht teilen die Notenbanker offenbar mit spekulativ orientierten Finanzinvestoren: Denn neben den Zentralbankkäufen waren physisch gedeckte Gold-Indexfonds (ETFs) die größten Abnehmer für Gold. Wenn Investoren Anteile an diesen ETFs erwerben, hinterlegen die Indexanbieter eine entsprechende Menge Gold im Tresor. Im ersten Halbjahr stieg die von Gold-ETFs verwaltete Menge um 67 auf 2548 Tonnen.

Das entspricht einem Anstieg von fast 100 Prozent. Gold-ETFs sind bei Finanzinvestoren beliebt, weil sie einen schnellen Auf- und Abbau großer Positionen im physischen Goldmarkt ermöglichen. US-Starinvestor Dalio etwa hat der US-Börsenaufsicht SEC Anteile im SPDR Gold Trust und im iShares Gold Trust im Wert von rund 650 Millionen Dollar gemeldet. Auch sein Hedgefonds-Konkurrent John Paulson hat den SEC-Daten zufolge über 500 Millionen Dollar in den SPDR Gold Trust investiert.

Im vergangenen Halbjahr waren es jedoch vor allem Investoren aus Großbritannien und Europa, die verstärkt in Gold investierten. Bei den Briten sei die Sorge vor einem ungeregelten Austritt aus der EU ausschlaggebend gewesen, sagt Mulligan. Europäische Anleger leiden unter den Negativzinsen.

Eine zehnjährige deutsche Bundesanleihe brockt Investoren real, also nach Abzug der Inflationsrate, einen Verlust von zwei Prozent pro Jahr ein. Daher ist Gold attraktiv: Es wirft zwar keine Zinsen ab, gilt jedoch langfristig als wertstabil und verteuert sich zudem, wenn es an den Finanzmärkten ungemütlich wird.

Davon haben auch die beiden großen deutschen Gold-Indexprodukte profitiert, Xetra Gold der Deutschen Börse und der Xtrackers Physical Gold ETC der DWS. Xetra Gold verwaltet dem WGC zufolge mittlerweile 194 Tonnen, ein Anstieg um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Xtrackers-Produkt konnte sogar um 13 Prozent zulegen.

Die jüngsten Ankündigungen der Notenbanken in den USA und Europa lassen zudem vermuten, dass Investments in risikolose Zinspapiere auf absehbare Zeit keine Rendite bringt. Daher erwartet auch Alexander Zumpfe, Analyst bei Edelmetallhändler Heraeus: „Die geldpolitische Lockerung der Fed und der EZB sowie die Zentralbankkäufe sollten den Goldpreis daher weiter unterstützen.“

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