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Edelmetalle Traditionalist oder Risikoliebhaber? – Welche Goldprodukte sich für welchen Anlegertyp eignen

Gold wird für Privatanleger wieder attraktiv. Doch wer es erwerben möchte, stößt auf Fallstricke. Ein Produktleitfaden für den erfolgreichen Kauf.
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Die Goldpreis-Volatilität ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Quelle: dpa
Goldreserven

Die Goldpreis-Volatilität ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren.

(Foto: dpa)

Frankfurt Handelskonflikt, Brexit-Chaos und seit Jahren negative Realzinsen im Euro-Raum: Argumente für Goldinvestments zu finden, fällt derzeit leicht. Doch Gold hat von den globalen Krisenherden bislang kaum profitiert. Mit rund 1280 Dollar pro Feinunze (rund 31,1 Gramm) liegt der Goldpreis etwa auf dem Niveau vom Jahresbeginn. Von seinem Jahreshoch im Februar ist der Preis rund fünf Prozent entfernt.

Auch über einen längeren Zeitraum sieht es kaum besser aus: Seit 2014 bewegt sich der Preis in einer relativ engen Spanne zwischen 1.100 und 1.350 Dollar pro Unze. Hans-Günter Ritter, Chef des Edelmetallhandels beim Hanauer Edelmetallspezialisten Heraeus, sagt: „Wir sehen die niedrigste Goldpreis-Volatilität seit 20 Jahren.“ Die Lethargie der Goldinvestoren angesichts wachsender geopolitischer Risiken wirft die Frage auf, ob Gold noch die klassischen Funktionen erfüllt: als sicherer Hafen in Krisenzeiten und Schutz vor Kaufkraftverlusten.

Die Notenbanken haben darauf eine eindeutige Antwort gegeben, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten des World Gold Council (WGC) hervorgeht: Die Zentralbanken haben ihre Goldreserven in den ersten drei Monaten des Jahres um rund 145 Tonnen aufgestockt.

Das entspricht einem Anstieg von 68 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2018. Damit erreichen die Notenbank-Käufe den höchsten Wert für ein erstes Quartal seit 2013. John Mulligan, Analyst des World Gold Council, rechnet damit, dass die Notenbankkäufe auch in den kommenden Jahren auf hohem Niveau bleiben werden: „Es gibt noch jede Menge Luft nach oben bei den Goldreserven.“

Insbesondere die Bestände der chinesischen Notenbank seien noch lange nicht auf dem Niveau von vor einigen Jahren. Die starke Nachfrage der Notenbanken beeinflusst den Goldmarkt fundamental, sagt Heraeus-Handelsexperte Ritter: „Die hohe Goldnachfrage der Notenbanken stützt den Goldpreis zumindest langfristig.“

Denn das Gold werde dem Markt so auf unbestimmte Zeit entzogen. Zudem haben die Käufe der Notenbanken Signalwirkung, sagt Ritter: „Sie zeigen: Gold ist nicht nur irgendein Rohstoff, sondern erfüllt auch einen Zweck als Ersatzwährung.“

Eine Funktion, die auch deutsche Anleger an dem Edelmetall schätzen: Seit 2018 haben sie dem WGC zufolge jedes Quartal zwischen 18 und 28 Tonnen Gold in Form von Münzen oder Barren gekauft (siehe Grafik). Damit fließt alle drei Monate ein hoher dreistelliger Millionenbetrag in physisches Gold. Zudem boomen börsengehandelte Index-Produkte.

Der größte deutsche Anbieter Xetra-Gold verwaltete Ende März 192 Tonnen Gold. Das entspricht einem Anstieg um zwölf Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2018. Das wichtigste Konkurrenzprodukt, der X-Trackers Physical Gold ETC der DWS, ist um über 150 Prozent gewachsen. Sebastian Schiele, Experte für passive Produkte bei der DWS, sagt: „Das ist vor allem eine Absicherung gegen die große Unsicherheit, was die Marktentwicklung, den Handelskonflikt und das Brexit-Szenario betrifft.“

 Allerdings lohnen sich Goldinvestments nicht für jeden Anleger. Das Edelmetall ist vor allem als Beimischung fürs Portfolio geeignet. Wer dagegen erst ein Vermögen aufbauen möchte, sollte auf Aktien setzen. Auch ist es angesichts der Produktvielfalt schwer, den Überblick zu behalten. Kostenfallen und versteckte Risiken sind verbreitet. Das sind die besten Goldprodukte für jeden Anlegertyp:

Für Kostenbewusste

Die günstigste und transparenteste Möglichkeit, Gold zu erwerben, sind börsengehandelte, physisch gedeckte Indexfonds. Sie bilden den Goldpreis meist ohne größere Abweichungen 1:1 nach. Das bekannteste deutsche Produkt ist Xetra-Gold (WKN: A0S9GB) Dieses Papiergold ist rechtlich eine Anleihe auf eine bestimmte Menge Gold. Der Anbieter, die Deutsche Börse Commodities, lagert für das investierte Anlegergeld eine entsprechende Menge Gold im Tresor ein.

Da das Anlegergeld komplett mit Gold hinterlegt ist, ist das Ausfallrisiko auch im Fall einer Pleite der Deutsche Börse Commodities extrem begrenzt. Anleger haben auch das Recht, sich das Gold gegen eine Gebühr ausliefern zu lassen. Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren auch die Konkurrenzprodukte der DWS, X-Trackers Physical Gold ETC (WKN: A1E0HR), und der Börse Stuttgart, Euwax Gold (WKN: EWG0LD).

Grafik

Xetra-Gold und Euwax-Gold werden in Gramm abgerechnet, der X-Trackers-ETC in einer Zehntel-Unze (rund drei Gramm). Dadurch sind auch Goldinvestments von wenigen Hundert Euro möglich. Bei Xetra-Gold fällt eine jährliche Verwahrgebühr von 0,3 Prozent des investierten Betrags zuzüglich Mehrwertsteuer an.

Bei X-Trackers wird die Gebühr direkt abgezogen: „Der verbriefte Goldanteil reduziert sich jeden Tag um einen Bruchteil, der auf das Jahr gerechnet eine Gebühr von 0,25 Prozent ergibt“, erläutert Schiele von der DWS. Beim Euwax-Gold fallen keine laufenden Kosten an. Dafür wird beim Kauf ein Ausgabeaufschlag von 0,7 Prozent fällig. Um die Indexprodukte kaufen zu können, benötigen Anleger ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Beim Kauf und Verkauf fallen zusätzlich Ordergebühren an.

Für Traditionalisten

Viele Anleger, insbesondere in Deutschland, legen weiterhin großen Wert darauf, statt einer Inhaberschuldverschreibung physisches Gold in den Händen zu halten. Für sie sind Münzen und Barren nach wie vor das Investment ihrer Wahl. Doch auch dabei gibt es einiges zu beachten. Generell gilt: Je geringer die gekaufte Menge Gold ist, desto höher ist der Aufschlag zum reinen Materialwert.

So kostet ein Krügerrand, eine der gängigsten Anlegermünzen, aktuell rund 1155 Euro. Der reine Materialwert für eine Unze Gold liegt bei 1135 Euro. Der Aufpreis ist vergleichbar mit einem Ausgabeaufschlag von 1,76 Prozent. Bei 100-Gramm-Barren oder noch größeren Mengen wird der Aufschlag auf den Materialwert verschwindend gering.

Auf Vergleichsportalen wie www.gold.de können sich Anleger jederzeit über die Preise für verschiedene Münzen und Barren und Differenzen zum Marktpreis informieren. Physisches Gold lässt sich über Banken, etwa Sparkassen und Volksbanken, oder über Goldhändler beziehen. Insbesondere beim Kauf über das Internet sollten Anleger auf die bekannten Namen der Branche setzen.

So betreiben etwa Pro Aurum aus München, Degussa Goldhandel aus Frankfurt, Heraeus aus Hanau oder ESG aus Rheinstetten bei Karlsruhe eigene Online-Shops. Vom Goldkauf über Ebay raten Verbraucherschützer dagegen ab. Gleiches gilt übrigens auch beim Verkauf: Statt das Altgold zum nächsten Hinterhof-Juwelier zu schleppen, sollten Anleger die etablierten Anbieter wählen.

Für Risikofreudige

Eine weitere Möglichkeit, von einem steigenden Goldpreis zu profitieren, sind Aktien von Goldminen. Die Kurse der Minenunternehmen hängen im Schnitt zu rund 90 Prozent vom Goldpreis ab. Der Grund: Steigt der Goldpreis, erhöht sich sofort der Umsatz, ohne dass sich an der Kostenbasis etwas ändert.

Jeder Preisanstieg schlägt voll auf den Gewinn durch. Allerdings sollten Anleger bedenken, dass Goldminen-Aktien wie ein Hebelprodukt auf den Goldpreis wirken. Ändert sich der Goldpreis um fünf Prozent, schwankt ein breit gestreutes Portfolio von Goldminen-Titeln im Schnitt zwischen zehn und 15 Prozent – aufwärts wie abwärts. Zudem hat die Historie gezeigt: Als krisensicheres Investment taugen Goldminen-Aktien nur bedingt.

Im Zuge der Flucht aus Aktien in der Finanzkrise 2008 stürzten zunächst auch die Kurse der Minenkonzerne ab. Allerdings erholten sich Goldaktien wesentlich schneller als andere Branchen und kletterten bis 2011 noch stärker als der Goldpreis. Zuletzt schwächelten Goldminen-Aktien jedoch.

Lediglich die Fusion zwischen Barrick Gold und Newmont Mining sorgte für Übernahmefantasien in der Branche: Joe Foster, Fondsmanager und Minenexperte bei VanEck, sagt: „Die Fusion von Barrick und Newmont setzt den Standard für die gesamte Industrie. Es zeichnet sich ein Trend zu Mega-Minenkonzernen ab.“

Generell befinde sich die Branche im Wandel: „Früher stand bei den Unternehmen Wachstum im Vordergrund“, sagt Foster. In Zeiten hoher Goldpreise weiteten die Unternehmen ihre Investitionen massiv aus. Die Überkapazitäten verschärften den Absturz bei sinkenden Goldpreisen. Doch die Zeit der großen Goldfunde sei vorbei, sagt Forster.

„Der Fokus vieler Unternehmen liegt daher auf Profitabilität und Schuldenreduzierung“, so Foster. Für die Aktionäre sei das eine gute Nachricht. Sie können darauf hoffen, dass zumindest die Branchenriesen weniger zyklisch und zu verlässlichen Dividendenzahlern werden. Anleger haben bei Goldaktien die Wahl zwischen günstigen Index-Fonds und teureren aktiv gemanagten Fonds.

Wer sein Geld in die größten Minenkonzerne investieren will, kann zu den ETFs greifen. Die größten Indexfonds sind der iShares Gold Producers (WKN: A1JKQJ), der Comstage NYSE Arca Gold Bugs (WKN: ETF091) und der L&G Gold Mining (WKN: A0Q8NC). Wer dagegen auf die hochspekulativen kleineren Minen oder Entwickler setzen will, sollte sein Geld einem aktiven Manager anvertrauen.

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1 Kommentar zu "Edelmetalle: Traditionalist oder Risikoliebhaber? – Welche Goldprodukte sich für welchen Anlegertyp eignen"

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  • Sehr geehrter Herr Blume,

    mich stört an der Diskussion über Goldanlagen die Detailverliebtheit. Dass stets über 1001 völlig nichtssagende Einzelheiten diskutiert wird, dass unsere sogenannten Experten immer wieder die gleichen Märchen erzählen und über die entscheidenden Fakten kaum etwas wissen.

    Ich halte es für eine Schande, dass sich die hochmögenden Herren nicht einmal die Mühe machen, die langfristige Preisentwicklung des gelben Metalles anzusehen. Dann würden sie nämlich sehen, dass der Preis weder weder mit Konjunkturen, Zinsen, Dollarkurs noch mit politischen Krisen erklärt werden kann.

    Hochgradig auffällig ist stattdessen, dass der Chart aus dem Nichts heraus zwei Mal steil nach oben zog und danach wieder steil abstürzte. Es gab somit zwei Christbäume, die aber anscheinend niemand kennt. Also macht sich auch kein Experte die Mühe, sie zu erklären. Die Herren erzählen lieber ihre uralten Märchen, die beispielsweise vom Inflationsschutz und der Krisenvorsorge handeln.

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