Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Edelmetalle Wertvoller als Gold: Gefahr einer Blase beim Palladium wächst

Der Preis ist seit Anfang August um ein Fünftel gestiegen. Ein heftiger Einbruch wird immer wahrscheinlicher. Der Palladium-Boom hängt auch mit dem Dieselskandal zusammen.
Kommentieren
Das Edelmetall ist so teuer wie nie. Quelle: Reuters
Palladium-Barren

Das Edelmetall ist so teuer wie nie.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Wenn sich Preise komplett von fundamentalen Werten abkoppeln, wächst die Gefahr einer Blase. Eine solche Entkopplung von der Realwirtschaft beobachten Edelmetallexperten derzeit bei Palladium.

Mit einem Preis von 1730 Dollar pro Unze (rund 31 Gramm) markierte das Metall kürzlich ein neues Rekordhoch. Seit Jahresbeginn hat sich das Metall um rund 38 Prozent verteuert. Allein seit Anfang August hat es knapp 20 Prozent zugelegt. „Palladium schein nichts zu stoppen“, kommentieren die Edelmetallexperten der Commerzbank.

Das Metall wird hauptsächlich in der Automobilindustrie verwendet, es ist der wichtigste Bestandteil von Katalysatoren zur Abgasreinigung in Benzinmotoren. Schon seit längerem ist Palladium knapp an den Weltmärkten. Die Nachfrage übersteigt den Fachleuten des Edelmetallspezialisten Heraeus zufolge seit längerem das Angebot.

Strengere Abgasnormen in China, den USA und Westeuropa führten dazu, dass mehr Palladium in Autos verbaut werden müsste. „Diesem Nachfragewachstum steht jedoch nur ein geringeres Wachstum des Angebots gegenüber.“ Das stütze den Palladiumpreis mittelfristig.

Doch aus Sicht der Commerzbank-Experten können fundamentale Faktoren die jüngste Preisrally nicht vollständig erklären. „Es gibt unseres Erachtens derzeit keine zwingenden Gründe, den Preis immer weiter nach oben zu treiben.“ Dafür stehe die Autobranche zu schlecht da.

Einbruch des Autoabsatzes

So sind in China, dem wichtigsten Automarkt der Welt, die Absätze im vergangenen Monat um 6,3 Prozent zurückgegangen. Es sei bereits der 15. monatliche Rückgang der chinesischen Autoverkäufe in Folge gewesen, so die Experten. „Es ist nach wie vor kein Licht am Ende des Tunnels sichtbar.“ Ihrer Meinung nach stehen vielmehr spekulative Finanzinvestoren hinter der Preisrally.

Diese Einschätzung stützt die Statistik der US-Aufsichtsbehörde für die Rohstoffterminmärkte, CFTC. Demnach haben spekulative Finanzinvestoren, beispielsweise Hedgefonds, die Zahl der Wetten auf steigende Palladiumpreise auf den höchsten Stand seit Februar 2018 ausgebaut.

Für die Anleger sollte diese Statistik ein Warnsignal sein: Denn spekulative Übertreibungen an den Terminmärkten gehen häufig einer Korrektur voraus.

Eine solche mussten Palladium-Investoren bereits zwei Mal in diesem Jahr verkraften. Im März brach der Palladiumpreis innerhalb weniger Tage von 1600 auf 1350 Dollar ein. Und zwischen Juli und August ging es von 1600 auf 1400 Dollar. Je länger die jüngste Palladium-Rally anhält, umso größer wird die Gefahr eines heftigen Rücksetzers.

Extreme Bewertungen

Wie heiß Palladium gelaufen ist, verdeutlicht auch die relative Bewertung im Vergleich zu anderen Edelmetallen. So liegt der Palladiumpreis rund 250 Dollar über dem Goldpreis. Historisch war Palladium jedoch nur selten teurer als Gold.

Zudem ist Palladium etwa 1,9 mal so teuer wie das Schwestermetall Platin. Das ist der höchste Wert in der bis 1994 zurückreichenden Zeitreihe des Finanzdatendienstes Bloomberg. Das überrascht umso mehr, weil Platin sehr ähnliche chemische Eigenschaften wie Palladium hat.

Auch Platin wurde in der Vergangenheit vorzugsweise in der Abgasreinigung von Benzinmotoren eingesetzt. Doch viele Autobauer stellte vor einigen Jahren auf Palladium um, das lange Zeit deutlich billiger war.

Kurzfristig lassen sich die Produktionsprozesse für Abgaskatalysatoren nicht umstellen. Daher dürfte die Knappheit des Metalls noch einige Zeit Bestand haben, zumal die Produktionsprozesse in der Abgasreinigung nach dem Dieselskandal als besonders heikel gelten.

Doch je länger die Diskrepanz zwischen Platin und Palladium anhält, desto größer wird der Kostendruck für die Autobauer. Von der Palladium-Rally könnte daher mittelfristig vor allem das Schwestermetall Platin profitieren.

Goldkauf: „Wer sein Portfolio absichern will, sollte die Gelegenheit jetzt nutzen“

Mehr: Die Preisunterschiede zwischen Gold und Silber waren zuletzt so groß wie nie zuvor. Für Anleger kann diese Kursentwicklung eine Chance darstellen.

Startseite

Mehr zu: Edelmetalle - Wertvoller als Gold: Gefahr einer Blase beim Palladium wächst

0 Kommentare zu "Edelmetalle: Wertvoller als Gold: Gefahr einer Blase beim Palladium wächst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.