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Edelmetallpreis auf Sechsjahreshoch Die Russen und ihr Gespür für Gold

Die Niedrigzinspolitik und globale Krisen treiben den Goldpreis. Immer mehr Spekulanten drängen auf den Markt, Staaten wir Russland profierten enorm. Analysten warnen vor Übertreibungen.
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Goldpreis aktuell: Gold befindet sich auf ungebremstem Höhenflug  Quelle: Bloomberg/Getty Images
Goldbarren

Am Montag kletterte der Goldpreis auf 1 430 Dollar pro Feinunze.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

FrankfurtRusslands Präsident Wladimir Putin dürfte sich in diesen Tagen bestätigt fühlen. Die Notenbank seines Landes stockt seit Jahren massiv ihren Goldbestand auf, getrieben von Putins Ziel, den Anteil des US-Dollars an den Devisenreserven zu reduzieren. Seit 2015 hat Russlands Zentralbank jedes Jahr mehr als 200 Tonnen Gold gekauft, wie Zahlen des World Gold Council zeigen.

Besonders aktiv waren die Notenbanker zwischen August 2018 und Februar 2019, als sie regelmäßig mehr als 30 Tonnen pro Monat in die Tresore legten. Nun wird klar: Russlands Notenbanker haben bei ihren Käufen ein beeindruckendes Timing bewiesen. Der Wert der über 2000 Tonnen umfassenden Goldreserven dürfte allein seit Jahresbeginn um einen Milliardenbetrag gestiegen sein.

Am Montag kletterte der Goldpreis auf 1.430 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm). Das ist der höchste Stand seit über sechs Jahren. Noch Ende 2018, Anfang 2019, als Russlands Notenbanker kräftig zukauften, notierte der Preis innerhalb einer engen Preisspanne zwischen 1.200 und 1.250 Dollar pro Unze. Doch seit Anfang Juni gibt es bei den Investoren kein Halten mehr: Innerhalb von drei Wochen ist der Goldpreis um mehr als elf Prozent gestiegen.

Auslöser der Goldrally waren die Ankündigungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Fed, zu einer noch lockereren Geldpolitik zurückzukehren. Die Aussicht, dass die Leitzinsen in den USA und Europa bereits im Juli sinken könnten, ließ die Anleiherenditen dies- und jenseits des Atlantiks abrutschen und schwächte zuletzt besonders den Dollar.

Schwächerer Dollar hilft

Der Höhenflug der US-Währung habe den Goldpreis lange gebremst, jetzt dürfte die Schwäche des Dollars dem Edelmetall „weiter Auftrieb verleihen“, prognostiziert Nitesh Shah, Rohstoffstratege beim US-Vermögensverwalter Wisdom Tree. Gold wird auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt.

Eine starke US-Währung verteuert Käufe in wichtigen Märkten wie China, Indien, der Türkei oder dem Iran, in denen Gold als Schmuck und Wertaufbewahrungsmittel extrem gefragt ist. Daher drückt ein starker Dollar üblicherweise auf die Goldnachfrage, was auch den Preis belastet.

Unterstützt wird das Edelmetall durch die geringe Rendite für US-Staatsanleihen. Diese sind eine Art natürliches Substitut für Gold. Beide Anlageformen gelten als extrem sicher – doch Gold wirft keine Zinsen ab. Bei einer Rendite von aktuell knapp zwei Prozent liefern jedoch auch zehnjährige US-Staatsanleihen nach Abzug der Inflationsrate kaum noch Erträge.                   

Außerdem gilt Gold als internationale Krisenwährung – was für Investoren aktuell wieder wichtiger wird angesichts des anhaltenden Handelsstreits zwischen den USA und China, des weiterhin ungelösten Haushaltsstreits der EU mit Italien und allen voran des Konflikts mit dem Iran um Öl.

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Wisdom-Tree-Stratege Shah hat angesichts dieser Faktoren sein Preisziel für die kommenden zwölf Monate auf 1480 Dollar pro Unze angehoben. Oliver Heuschuch vom Edelmetallspezialisten Degussa Goldhandel ist noch optimistischer: „Jetzt, da der Goldpreis ein Sechsjahreshoch markiert, gibt es die Möglichkeit, alte Höhen anzusteuern, die noch einmal 100 Euro über dem aktuellen Preis liegen.“

Auch die DWS als größtes Fondshaus für private Anleger am deutschen Markt setzt zur Absicherung nun stärker auf Gold. In diesem Jahr hat der Vermögensverwalter den Anteil des Edelmetalls in typischen gemischten Portfolios in etwa verdreifacht – auf aktuell etwa sechs Prozent.

Gold dient in den Augen von DWS-Manager Christian Hille als Stabilisator und ist „zuletzt deutlich attraktiver geworden“. Im Fall einer Zuspitzung geopolitischer Krisen kann sich Hille vorstellen, den Anteil von Gold in den gemischten Portfolios weiter hochzufahren auf bis zu zehn Prozent.

Mittlerweile wird die Goldrally durch taktische Investoren und Spekulanten weiter angeheizt. Physisch hinterlegte Gold-Indexfonds (ETFs), die vor allem von Profi-Investoren genutzt werden, haben zuletzt starke Mittelzuflüsse verzeichnet. Allein das Volumen des weltgrößten Gold-ETF, des SPDR Gold Trust, wuchs im Juni dem Informationsdienst Bloomberg zufolge um 850 Millionen Dollar.

Hedgefonds und andere spekulative Investoren setzen zudem mit Finanzwetten an den Rohstoff-Terminbörsen auf weiter steigende Preise. Die Zahl der von Finanzinvestoren gehaltenen Papiere, die von einem Anstieg des Goldpreises profitieren, stieg Daten der US-Aufsichtsbehörde CFTC zufolge auf den höchsten Stand seit Januar 2018.

Silber kann vom Gold-Höhenflug nicht profitieren

Aus Sicht von Daniel Briesemann, Edelmetallexperte bei der Commerzbank, steigt damit die Gefahr von spekulativen Übertreibungen. „Das mahnt zur Vorsicht vor Gewinnmitnahmen“, sagt er. Zwar spreche langfristig vieles für weiterhin leicht steigende Preise. „Aber es wird auch einmal Rücksetzer geben“, ist sich Briesemann sicher.

Zur Verwunderung vieler Experten kann Silber vom aktuellen Höhenflug des Goldes nicht profitieren. Während Gold sich seit Jahresbeginn um über elf Prozent verteuert hat, ist der Silberpreis sogar leicht zurückgegangen. Dabei orientierte sich der Silberpreis in der Vergangenheit häufig an den Goldnotierungen – das heißt, dass Silber sich im Gleichklang mit Gold bewegt hat, allerdings mit größeren Ausschlägen nach oben und unten.

Mittlerweile kostet eine Unze Gold 93-mal so viel wie eine Unze Silber. So hoch war die Preisdifferenz zwischen beiden Edelmetallen zuletzt im Jahr 1992. „Silber wird derzeit etwas von den Industriemetallen in Schach gehalten“, sagt Commerzbank-Analyst Briesemann. Es wird stärker als Gold industriell genutzt.

Die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten haben in den vergangenen Monaten die Preise für klassische Industriemetalle wie Kupfer oder Nickel gedrückt. Doch selbst diese Metalle haben sich zuletzt stabilisiert. „Das macht es noch schwieriger, die Schwäche von Silber zu erklären“, gesteht Briesemann.

Daher habe der kleine Bruder des Goldes Aufholpotenzial: „Silber sollte mit nach oben ziehen“, sagt er. Dass die Preise so stark steigen, dass das Verhältnis der beiden Edelmetalle in Richtung des langfristigen Durchschnitts von eins zu 70 zurückkehrt, glaubt aber auch Briesemann nicht. „Wir werden uns auf einen schwachen Silberpreis einstellen müssen.“

An den Finanzmärkten zählt aktuell vor allem Stabilität: Daher dürfte der Silberpreis nach dem Geschmack vieler Investoren zu anfällig für Schwankungen sein. Sie schätzen am Gold, was das Edelmetall auch für Wladimir Putin attraktiv macht: dass es im Krisenfall seinen Wert behält.

Mehr: Nicht nur beim Goldpreis geht es derzeit stetig nach oben: Auch bei Aktien und Anleihen können Anleger auf gute Renditen hoffen. Warum Aktien, Anleihen und der Goldpreis simultan steigen, lesen Sie hier.

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