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Heizkörper

Millionen Haushalte müssen sich auf höhere Kosten einstellen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Energiepreise So können Verbraucher trotz steigender Heizkosten sparen

Die Heizölpreise sind so hoch wie seit fünf Jahren nicht, auch die Gaspreise steigen. Wie Verbraucher sich darauf einstellen können.
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Frankfurt Die Schiffsrümpfe der Lastkähne auf dem Rhein sind in diesen Tagen besonders gut zu sehen. Wegen des anhaltenden Niedrigwassers können die Binnenschiffer nur noch einen Bruchteil ihres Laderaums füllen. Das lässt die Schiffe förmlich auf dem Wasser liegen. Und es treibt die Frachtpreise – mit weitreichenden Konsequenzen für Verbraucher. Denn die Rheinschiffer beliefern vom Seehafen in Rotterdam kommend die im Landesinneren liegenden Raffinerien.

Der drastische Anstieg der Transportkosten verteuert nicht nur Benzin und Diesel – sondern insbesondere Heizöl. Ausgerechnet zum Winterauftakt müssen sich Millionen Haushalte daher auf höhere Heizkosten einstellen. Klaus Bergmann, Chef des Vergleichsportals Esyoil, spricht von den „größten Versorgungsproblemen seit mehreren Jahrzehnten“.

Allein im Oktober sind die Preise für Heizöl im Durchschnitt um rund zwölf Prozent gestiegen, wie Marktdaten des Messtechnik-Unternehmens Tecson zeigen. Derzeit kostet ein Liter Heizöl bei einer haushaltsüblichen Liefermenge von 3000 Litern im Schnitt rund 88 Cent. Das ist das höchste Niveau seit fünf Jahren. Dabei sind die Rohölpreise im Oktober um mehr als elf Prozent gesunken. „Wir sehen derzeit eine atypische Entwicklung“, sagt Udo Peters, Energiereferent bei der Verbraucherzentrale NRW.

In der Regel bewegt sich der Heizölpreis deutlich stärker im Einklang mit den Rohölpreisen als etwa Benzin. Denn die Rohstoffkosten machen bei dem Brennstoff mehr als 60 Prozent des Gesamtpreises aus – Veränderungen im Einkaufspreis schlagen dementsprechend schnell durch. Doch die historisch tiefen Pegelstände auf dem Rhein setzen diese Regel außer Kraft.

Wie stark die gestiegenen Transportkosten die Preise verzerren, zeigen die regionalen Unterschiede. Verbraucher im Norden profitieren Daten von Esyoil zufolge von der Nähe zu den Seehäfen mit ihren Öl-Umschlagsplätzen. So kostet der Liter Heizöl in Hamburg derzeit rund 77 Cent. In Frankfurt sind es rund 97 Cent und in Stuttgart sogar 99 Cent.

Zudem habe der Mangel an Transportalternativen in Deutschland, der Fachkräftemangel und geringe Raffineriekapazitäten dazu geführt, dass sich der Heizölpreis seit Anfang 2016 verdoppelt hat, sagt Esyoil-Chef Bergmann. „Das Heizölgeschäft im Binnenmarkt funktioniert nicht mehr richtig. Die Suche nach einem günstigen Preis ist der Notwendigkeit, überhaupt Heizöl zu bekommen, zum Opfer gefallen.“

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In Deutschland heizt derzeit noch ein Drittel aller Haushalte mit Öl. Der jüngste Preissprung trifft besonders jene hart, die wegen der Ölpreis-Rally im Spätsommer ihre Tanks nicht gefüllt haben und nun gezwungen sind, zu Höchstpreisen einzukaufen. Sorgen wegen eines knappen Ölangebots und die bevorstehenden US-Sanktionen gegen den Iran hatten den Ölpreis zwischen Mitte August und Anfang Oktober um mehr als 20 Prozent steigen lassen.

Dennoch rät Verbraucherschützer Peters zu Gelassenheit. Wer kann, solle mit Bestellungen warten oder nur kleinere Mengen kaufen. „Es ist ja zu erwarten, dass sich die Pegelstände auf dem Rhein wieder normalisieren.“ Generell gilt: Bei der Auswahl des Heizöllieferanten bieten Vergleichsportale wie „Esyoil“ oder „Heizoel24“ Orientierung.

Doch Peters rät, den kommerziellen Vergleichsportalen nicht blind zu vertrauen. „Tun Sie sich möglichst mit Nachbarn zusammen und organisieren Sie einen Sammeleinkauf“, empfiehlt er. Wenn der Heizöl-Laster gleich die Nachbarschaft mit versorgt, fallen geringere Lieferkosten an. Daher kann es sich lohnen, telefonisch Mengenrabatte bei lokalen Anbietern zu erfragen.

Wer noch einen veralteten Heizkessel im Keller stehen hat, dem rät Peters , den Austausch seiner Heizungsanlage zumindest vorzubereiten. „Auch wenn die Anlage gut gepflegt ist, sollten Hausbesitzer eine Modernisierung planen“, sagt er. „Wenn die Heizung kaputtgeht, haben sie keine Handlungsmöglichkeit mehr. Dann wird es teuer.“ Mit modernen Anlagen lasse sich rund ein Viertel des Verbrauchs einsparen. Für eine effektivere Heizung können Hausbesitzer zudem geförderte Kredite und Zuschüsse von der KfW erhalten.

Wer plant, seine Ölheizung zu ersetzen, sollte darüber nachdenken, ob sich der Wechsel auf Erdgas lohnt. Denn mittlerweile hat Heizöl seinen Kostenvorteil gegenüber Gas eingebüßt. So fällt die Heizkostenrechnung für Haushalte mit Ölheizung 2018 um rund acht Prozent höher aus als im Vorjahr, prognostiziert der Deutsche Mieterbund.

Haushalte, die mit Gas oder Fernwärme heizen, können auf eine um drei Prozent gesunkene Rechnung hoffen. Bei einer 70 Quadratmeter großen Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus bedeutet das: Mit einer Ölheizung steigen die jährlichen Heizkosten um 60 auf 810 Euro, während sie mit Erdgas im Schnitt um 25 auf 765 Euro sinken.

Bei Einfamilienhäusern kann die Ersparnis noch deutlich höher ausfallen. „Ob es sich lohnt, von Heizöl auf Gas oder einen anderen Energieträger umzustellen, sollte man im Einzelfall von einem unabhängigen Energieberater prüfen lassen“, empfiehlt Verbraucherschützer Peters.

So heizen Sie im grünen Bereich – und sparen Geld
Neue EU-Regeln
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Schon im Herbst 2015 nahm die EU den Energieverbrauch von Heizungen und Warmwasserbereitern ins Visier. Alle Geräte, die nun auf den Markt kommen, müssen energiesparender sein und die EU-Regeln einhalten. Energiefresser werden nach einer Übergangsfrist ganz verboten. Das soll Bürgern beim Stromsparen helfen und das Klima schützen. Ähnliche Auflagen gelten bereits für Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler und Kühlschränke.

(Foto: picture-alliance)
Was änderte sich am 26. September 2015?
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Die sogenannte Ökodesign-Richtlinie schreibt der Industrie vor, Produkte umweltgerecht zu gestalten, so dass sie wenig Strom verbrauchen. Heizungsanlagen und Warmwasserbereiter müssen von nun an im Handel ein Energie-Etikett tragen. Für eine bestimmte Leistung dürfen sie nicht mehr als eine bestimmte Energiemenge verbrauchen. Die Kennzeichnungspflicht umfasst laut Industrie Heizgeräte, Heizkessel und Warmwasserbereiter bis 70 Kilowatt, Warmwasserspeicher bis 500 Liter Speichervolumen und Wärmepumpen. Auch Kombinationen dieser Produkte mit Regelungstechnik und Solarunterstützung als Verbundanlage gehören dazu. Es geht dabei nur um neue Geräte.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Was besagt das Energielabel?
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Es gibt an, wie effizient das Gerät mit Energie - etwa Gas, Strom oder Öl - umgeht. Eine Farbskala von grünem A (besonders sparsam) bis rotem G weist den Energieverbrauch aus. So werden zum Beispiel Gas- und Ölheizungen mit Brennwerttechnik in der Regel mit dem sparsamen Buchstaben A bewertet.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Wie viel Geld können Verbraucher sparen?
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Wer seinen alten Boiler gegen einen neuen austauscht, kann laut EU-Kommission bis zu 275 Euro pro Haushalt im Jahr sparen. Neue Geräte benötigten oft nur halb so viel Energie wie alte. Da Heizungen die größten Energieverbraucher im Haushalt sind, können Verbraucher auch da sparen. Private Haushalte verwenden nach Angaben der SPD-Europaabgeordneten Martina Werner im Schnitt 6,4 Prozent ihres Einkommens für den wohnbezogenen Energieverbrauch - davon entfallen ungefähr zwei Drittel auf Heizungskosten. Die EU-Kommission erwartet übrigens nicht, dass die Hersteller die Kosten für neue Geräte wesentlich anheben werden.

(Foto: dpa)
Aber hängen die Kosten nicht auch von der Energieart ab?
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Doch. Verbraucher dürften die Aussagekraft des Labels nicht überschätzen, mahnt das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO). Denn bei Heizgeräten sind die Kosten - unabhängig vom Label - ganz verschieden - je nachdem ob Strom, Gas oder Öl gebraucht wird. Im August lagen die Kosten für einen Liter Heizöl im Schnitt gut 20 Prozent unter dem Preis für die entsprechende Energiemenge Erdgas. Zudem kommt es beim Heizen nicht nur auf das einzelne Heizgerät an, sondern auch auf andere Faktoren wie das Alter des Gebäudes oder die Verglasung der Fenster. Die EU-Kommission empfiehlt erneuerbare Energien zu nutzen wie Sonnenkollektoren oder Wärmepumpen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Sind die EU-Regeln sinnvoll?
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Ja, sagt der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese: „Die Einsparung von Energie und damit CO2 sind ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Treibhausgase und ein wichtiges Signal der Europäischen Union auf dem Weg zur Klimakonferenz in Paris.“ Auch Verbraucherschützer sind zufrieden: „Das reduziert Kosten und ist gut für das Klima“, sagt Monique Goyens von der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc.

(Foto: dpa)
Und was hält die Industrie von dem Label?
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Die ist vorbereitet - zumal das Vorhaben lange angekündigt war und es auch für andere Hausgeräte bereits Energielabel gibt. Handwerker und Installateure hoffen auf neue Aufträge. Die EU-Vorgaben seien „klare Impulse, die helfen, den langersehnten Modernisierungsstau in deutschen Kellern aufzulösen“, schreibt der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK).

(Foto: dpa)

Positiver Nebeneffekt: Auch der Ausstoß des Treibhausgases CO2 lässt sich so verringern. Ölheizungen stoßen mit rund 320 Gramm pro Kilowattstunde im Vergleich das meiste CO2 aus. Bei Fernwärme sind es rund 260 Gramm, bei Erdgas lediglich 250 Gramm.

Auch wenn Heizöl seinen Kostenvorteil eingebüßt hat: Preiserhöhungen bleiben auch Erdgas-Abnehmern nicht erspart. „Von Oktober bis Januar haben bereits 40 Versorger ihre Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt“, sagt Lundquist Neubauer vom Vergleichsportal Verivox. „Bis zum Jahreswechsel werden noch ein paar weitere Anbieter an der Preisschraube drehen“, erwartet er.

Nach jahrelang sinkenden Preisen zeichne sich am Erdgasmarkt ein Trendwende ab. Daher rät Neubauer Verbrauchern, sich die noch günstigen Preise langfristig zu sichern. „Jetzt, wo die Gaspreise leicht anziehen, kann es sich lohnen, Tarife mit einer Preisbindung über zwei oder drei Jahre abzuschließen.“ Gegenüber Öl hat Gas vor allem einen Vorteil: Die Kosten sind viel weniger volatil – und leichter planbar. Das Resümee von Verbraucherschützer Peters: „Eine Ölheizung ist etwas für Spieler.“

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