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Eugen Weinberg im Interview Rohstoffexperte erklärt, wie Notenbanken den Goldpreis beeinflussen

Notenbanken haben seit der Finanzkrise einen Rollenwechsel vollzogen: Statt Gold zu verkaufen, kaufen sie das Metall. Was das für Anleger bedeutet.
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Der Rohstoff-Experte der Commerzbank erwartet, dass der Goldpreis weiter steigt. Quelle: Andy Ridder für Handelsblatt
Eugen Weinberg

Der Rohstoff-Experte der Commerzbank erwartet, dass der Goldpreis weiter steigt.

(Foto: Andy Ridder für Handelsblatt)

FrankfurtNotenbanken aus den Emerging Markets haben hohe Bestände an US-Dollar-Anlagen. Laut Eugen Weinberg kaufen Länder wie Russland auch deshalb Gold, weil sie unabhängiger von der Welt-Leitwährung sein wollen.

Herr Weinberg, Gold ist teurer geworden. Überrascht Sie das?
Meine Meinung war immer: Gold ist in der ersten Linie ein sicherer Hafen und steigt im Preis, wenn Risikoanlagen wie Aktien schwächeln. Der Preisanstieg straft jene Lügen, die Gold als sicheren Hafen schon abgeschrieben hatten.

Welche Rolle spielen die Notenbanken mittlerweile?
Sie waren bis vor etwa zehn Jahren eher Verkäufer. Seit der Finanzkrise dagegen sind sie auf der Käuferseite. Das hat jedoch weniger mit der Krise an sich zu tun, sondern eher mit dem positiven Preistrend zu diesem Zeitpunkt, denn die allermeisten Zentralbanken sehen Gold nicht als sicheren Hafen, sondern als eine Anlage für die Devisenreserven.

Welche Zentralbank ist besonders aktiv?
Auch die handelnden Institute haben im vergangenen Jahrzehnt gewechselt. Früher verkauften diejenigen mit großen Beständen, also jene aus den Industriestaaten Europas, die Gold noch aus den Zeiten der Bretton-Woods-Währungsordnung hatten. Heute kaufen eher die Notenbanken aus den Schwellenländern, weil sie ihre Reserven ausweiten und diese teilweise in Gold anlegen.

Wie stark beeinflussen die Währungshüter den Preis?
Ich will ihre Rolle nicht kleinreden. Es geht um große Anlagesummen. Aber aus den Handlungen der letzten Jahre kann man schließen, dass die meisten Notenbanken tendenziell dem Preistrend folgen. Sie kaufen, wenn die Preise steigen und sie höhere Preise erwarten. Das ist für viele in ihrer Anlagestrategie ein Investment wie Staats- oder Unternehmensanleihen. Aber damit können sie natürlich den Preistrend verstärken.

Welche Rolle spielt der Dollar?
Eine entscheidende. Notenbanken halten viele Dollar-Anlagen wie US-Staatsanleihen. Wenn der Dollar schwächelt, dann suchen sie stärker nach einer Alternativwährung. Da kommt Gold ins Spiel, denn der Euro beispielsweise erscheint vielen zu krisenanfällig, andere Währungen wie Schweizer Franken oder norwegische oder schwedische Krone als zu klein.

Der auffälligste Käufer ist seit Jahren Russland. Warum?
Auch der größte Käufer. Russland könnte damit gleich mehrere Ziele verfolgen. Zum einen macht es das Finanzsystem des Landes weniger abhängig vom Dollar. Internationaler Handel wird in Dollar abgerechnet und geht dann über die US-Notenbank. Die Währung Gold schützt, zumindest teilweise. Zum anderen haben sie damit ein gutes Händchen bewiesen, eine attraktive Anlage gemacht, und Erfahrung auf dem Gebiet. Russland ist übrigens auch ein großer Goldförderer. Die Zentralbank nimmt den Firmen das Metall ab – aus demselben Grund.

Man muss an der Stelle auch über China reden. Wie schätzen Sie die Volksrepublik ein?
Sie ist ein Buch mit sieben Siegeln. China produziert und importiert außerdem sehr viel Gold. Im Inland wird aber weiter weniger Gold verkauft, als dadurch vorhanden sein müsste. Ich vermute: Die Differenz nimmt wohl die Notenbank in ihre Bestände. Das macht aus vielerlei Gründen Sinn, ähnlich wie im Falle Russlands. Offiziell hat die Notenbank nur eineinhalb Prozent ihrer Währungsreserven in Gold. Im weltweiten Schnitt sind es zehn Prozent.

Einige osteuropäische Notenbanken kaufen erst seit kurzer Zeit zu. Die ungarische Notenbank begründet das sogar, indem sie Gold als sichere Währung ohne Kreditrisiko bezeichnet.
Ungarn präsentiert sich gerne als unabhängig. Man könnte das auch als ein politisches Statement in Richtung der EU verstehen, die Ungarn mit Sanktionen droht. Doch bitte nicht vergessen: Das Produkt der ungarischen Zentralbank, der Forint, ist auch Papiergeld; und die Goldkäufe sind überschaubar, so dass man sie nicht überbewerten sollte.

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