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Gondeln im Sturm vor Venedig

Seit der jüngsten Italien-Wahl steigt die Sorge der Anleger um die italienische Wirtschaft – und um die Stabilität der Euro-Zone insgesamt.

(Foto: IMAGO)

Euro, Anleihen, Börse Stürmische Zeiten für Europas Märkte – Angst vor „Italexit“ wächst

Renditen italienischer Anleihen steigen, Börsenkurse fallen, der Euro rutscht ab, und Anleger fragen sich: Hält die Euro-Zone einen Italexit aus?
Update: 29.05.2018 - 17:20 Uhr 4 Kommentare

DüsseldorfNach der gescheiterten Regierungsbildung spitzt sich die Situation in Italien weiter zu. Die beiden gescheiterten Koalitionäre, Lega und die Fünf-Sterne-Bewegung, fordern die Absetzung des Staatspräsidenten Sergio Mattarella – es droht eine handfeste Verfassungskrise.

Das schlägt auf die Devisenmärkte durch: Der Euro hat am Dienstag nach den deutlichen Verlusten vom Wochenstart seine Talfahrt fortgesetzt. Die Gemeinschaftswährung rutschte am Dienstag deutlich unter 1,16 US-Dollar und kostete mit 1,1513 US-Dollar so wenig wie seit Sommer 2017 nicht mehr. Investoren suchen deshalb bevorzugt sichere Anlagehäfen auf. Dazu gehört der japanische Yen, der am Dienstagmorgen zu vielen Währungen im Kurs stieg.

„Der Euro ist und bleibt ein politisches Experiment und kann politisch scheitern, wenn die erwarteten wirtschaftlichen Vorteile nicht erreicht werden“, kommentierte Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann. Letztere blieben hinter den Erwartungen zurück, nicht zuletzt wegen der Euro-Schuldenkrise.

Hinzu kommt: Auch in Spanien spitzt sich die politische Lage zu. Dort soll einem Medienbericht zufolge am Donnerstag und Freitag ein Misstrauensantrag gegen den konservativen Regierungschef Mariano Rajoy debattiert werden.

„Ich erwarte keine Krise, anhaltende Unsicherheit ist aber denkbar“, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Nicht nur an den Devisenmärkten sorgt Italien für Wirbel. Auch an den Bondmärkten zeigen sich Anleger zunehmend besorgt. So stieg die Rendite für zweijährige italienische Staatsanleihen zuletzt auf 2,358 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2012, wie Reuters-Daten zeigen. Damals tobte die Euro-Krise.

Zum Vergleich: Die Rendite für die zweijährige Bundesanleihe liegt derzeit bei minus 0,77 Prozent – wobei sie am Dienstag zwischenzeitlich noch tiefer rutschte. Das zeigt: Investoren fordern für italienische Staatsschulden derzeit einen deutlich höheren Risikoaufschlag.

Auch in Bezug auf die mittelfristigen Schulden Italiens wächst die Skepsis der Investoren: Die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen schoss am Dienstag zeitweise um mehr als 17 Prozent und lag bei über drei Prozent – der höchste Stand seit 2014. Insgesamt hat die Rendite für zehnjährige italienische Schuldenpapiere seit der Italien-Wahl am 4. März um rund ein Drittel zugelegt.

Pleitenszenario treibt die Börsen um

Insgesamt wird an den Märkten die Sorge laut, dass Italien den Euro-Raum verlassen könnte – oder dass sogar eine Pleite Italiens drohen könnte. Der Sentix-Italexit – ein Index, der die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Italiens aus der Euro-Zone misst – zeigt derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 11,3 Prozent an. Damit wird diese mehr als doppelt so hoch eingeschätzt wie noch zu Beginn des Jahres.

Die Furcht vor einer Rückkehr der Schuldenkrise treibt auch die Europäische Zentralbank um. EZB-Vizepräsident Vitor Constâncio zumindest brachte diese Möglichkeit ins Spiel: „Als 2012 Finanzmärkte das Land attackiert haben, hat das gezeigt: Sie können in ihrer Wahrnehmung sprunghaft sein und die Risikoeinschätzung für einen Schuldner abrupt und schnell ändern, manchmal mit gravierenden Folgen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Ob die EZB Italien im Notfall vor der Pleite retten würde, ließ er dagegen offen.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Italien-Pleite wird derzeit mit rund 17 Prozent bemessen. Am Markt für Credit Default Swaps (CDS) verteuerte sich die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Anleihen gegen Zahlungsausfall um 49.000 auf 225.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit mit.

Auch scheint die Krise an den italienischen Märkten andere Länder in Südeuropa „anzustecken“. So stieg die Rendite zehnjähriger spanischer Schuldtitel am Dienstagmorgen um einen Basispunkt, im Falle Portugals um elf Basispunkte.

An den Aktienmärkten sorgten die Ereignisse in Italien ebenfalls für Verunsicherung. Der Dax verlor am Dienstag zwischenzeitlich bis zu zwei Prozent. Zuletzt notierte der Index bei 12.676 Punken. Der Leitindex der Mailänder Börse fiel zeitweise auf ein Neunmonatstief von 21.390 Punkten.

Der italienische Bankenindex, FTSE Italia Banche, verlor am Dienstag 5,6 Prozent auf 9.589 Punkte. Bankaktien wie Ubi Banca, Unicredit oder Intesa Sanpaolo büßten bis zu sieben Prozent ein.

Allerdings können einige Marktteilnehmer der Situation auch Positives abgewinnen: Zwar sei das Fehlen einer offensichtlichen Lösung für die Lage in Italien „besorgniserregend“, schrieb etwa Morgan Stanleys Andrew Sheets an seine Investoren. „Aber angesichts der Sorge, die es verursacht, ist es bemerkenswert, was sich nicht bewegt hat.“

Die implizite Volatilität auf den Euro und die europäischen Aktien liege immer noch in der Nähe der niedrigsten Niveaus seit zehn Jahren, sagt die Bank. Und nachdem die Aktienindizes in der vergangenen Woche gestiegen sind, bleibt sie weit unter den Hochs der Krisenzeit.

Mit Material von Reuters, dpa und Bloomberg

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4 Kommentare zu "Euro, Anleihen, Börse: Stürmische Zeiten für Europas Märkte – Angst vor „Italexit“ wächst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nachdem Deutschland öfters pleite war als Italien, ist es wohl in Italien günstiger für die Vermögensbildung. für den Bürger. Der Deutsche ist ohnehin völlig verarmt eine Pleite
    also für die Masse wurscht, wenn man nur genügend Naturalien bei Aldi vorher kaufen kann.
    Einer weiteren Währungsreform sehe ich optimistisch entgegen und würde auch mit italienischen Verhältnissen klar kommen, einzig und allein der Euro muß weg, denn ich zahle nicht freiwillig für Andere auch wenn es eine völlig unfähige Frau Kanzler für richtig hält.

  • Wieso Angst? Die Rückkehr zur Lira ist die einzige wirkliche Lösung für Italien.
    Gestern hat hier der Mitkommentator Arjuna Shiva den fachlich besten Beitrag dazu geschrieben, den ich seit sehr langer Zeit gelesen habe:

    "Dabei ist alles ganz einfach: Italiener haben eine völlig andere Finanzkultur und fühlen sich und ihre Arbeitsplätze nur sicher, wenn sie inflationieren können. Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit ist ihnen vergleichsweise egal. Ebenso, ob ihr Treiben nachhaltig ist oder sie trotz allem Euro-Ungemach unterm Strich heute nicht viel ärmer wären, mit einer 14% verzinsten Lira.
    Die Deutschen wiederum fühlen sich und ihre Industriearbeitsplätze nur sicher, wenn sie zu global wetbewerbsfähigen Preisen produzieren können und neigen eher zur Preisstabilität bzw. zur Not im Hinblick auf Fernost auch taktischer Deflation.
    Beide Strategien funktionieren für sich mindestens teilweise bzw. psychologisch. Die italienische führt zur Währungsabwertung und damit tendenziell mehr Binnenkonsum/-produktion, da Importe wie bei einem Zoll verteuert werden. Die deutsche verhindert das Abwandern von Industriearbeitsplätzen wie sie USA und GB massiv erfahren haben.
    Das Problem ist aber, dass beide Startegien nicht gleichzeitig betrieben werden können ohne massive Enteignungs-/Umverteilungseffekte, für die es keinerlei politische Mandat gibt und die mit Demokratie deshalb überhaupt nichts zu tun haben, zu provozieren."

    Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Falls der Kommentator Volkswirt ist, musste er sich vermutlich in seinem Studium auch mit den (Irr-)Lehren von Robert Mundell beschäftigen - hat sie zum Glück aber wieder rechtzeitig in die Tonne getreten. Von seinen Anhängern als "einer der bedeutendsten Ökonomen der Gegenwart" verehrt, ist dieser "geistige Vater des Euro" tatsächlich einer der Hauptschuldigen des Währungsunion-Desasters. Rechtzeitig hat er sich nun jedoch aus der Öffentlichkeit abgeseilt.

  • Die Deutschen haben Staatsschulden je Einwohner von ca. 42.000 Euro, die Italiener 37.000 Euro.
    Warum sollten die Italiener überschuldet sein???? Ein Italexit oder eine neue Lira ist wirklich nicht nötig.
    Die Politiker des Landes sehen aber oft nicht die Bedürfnisse des Volkes. Wenn rhetorisch auf den Finanzmarkt eingeschlagen wird, steigen die Zinsen für die Bedienung der Staatsschulden. Das ist nicht besonders sinnvoll.
    Das Thema EU Regeln 60% von BIP ist genauso sinnvoll wie die 40 Mikrogramm NOx: absolut irrelevant in der Welt, vergleiche Japan oder USA! Keinen interessiert es - nur die Politiker für ihre Stimmungsmache im Wahlkampf.

  • Folker Hellmeyer: "Ohne Mario Draghi wäre Italien pleite!"

    https://aktien-boersen.blogspot.de/2018/05/folker-hellmeyer-ohne-mario-draghi-ware.html