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Euro/Dollar Die Währungsfalle – Der starke Euro alarmiert die deutschen Exporteure

Dass sich der Euro im Verhältnis zum Dollar stetig verteuert, trifft die deutsche Industrie hart. Vor allem Maschinen- und Autobauer schlagen Alarm.
21.08.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Euro-Münze steht auf einem Ein-Dollar-Schein. Quelle: dpa
Währungen

Euro-Münze steht auf einem Ein-Dollar-Schein.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Zu den Gewinnern der Coronakrise gehört auch der Euro. Umgekehrt: Der Dollar zeigt seit Ausbruch der Pandemie ungewohnte Schwächen, obwohl gerade US-Konzerne, wie zum Beispiel Amazon und Netflix, massiv von der Krise profitieren.

Ein Euro war im Verlauf der Woche kurzzeitig fast 1,20 Dollar wert. Am Donnerstag lag der Kurs bei 1,18 Dollar. Über der Grenze von 1,20 bewegte sich die Währung zuletzt Anfang 2018.

Das alarmiert vor allem die deutschen Exporteure. „Unsere Branche wird dies auch mit Blick auf die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation zu spüren bekommen“, sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Wenn der Absatz in der Krise ohnehin stockt, ist die Aufwertung der eigenen Währung eine zusätzliche Last. Der Verkauf wird zusätzlich gebremst, oder sie zwingt dazu, die Preise zu senken – beides drückt Umsatz und Gewinn. Die großen, weltweit vertretenen US-Konzerne profitieren dagegen vielfach von der Währungsverschiebung.

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    Neben den deutschen Maschinenbauern sind die Autokonzerne betroffen, die nebenbei auch noch die Umstellung auf Elektromobilität bewältigen müssen. „Im Moment haben wir wenig Hoffnung für einen kraftvollen Aufschwung durch das internationale Geschäft deutscher Firmen“, sagt auch Volker Treier, Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), und hat damit neben der Coronakrise den schwachen Dollar im Blick.

    Die deutsche Autoindustrie ist besonders abhängig vom Export und unterliegt daher auch vergleichsweise hohen Währungsrisiken. Nach China sind die USA der zweitwichtigste Markt der Branche außerhalb Europas.

    Volkswagen, Daimler und BMW verschiffen jährlich mehr als 650.000 Pkws nach Amerika, die zuvor in ihren europäischen Werken vom Band gelaufen sind. Die Produktionskosten für diese Fahrzeuge fallen überwiegend in Euro an, der Umsatz wird dagegen in Dollar generiert.

    Bleibt der Dollar auf seinem aktuell niedrigen Niveau, könnte das für die Autobauer mit einer Zeitverzögerung von sechs bis neun Monaten teuer werden, glaubt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „2021 dürften wir erkennbare Währungsbelastungen bei den deutschen Autoherstellern sehen. Wir reden hier von möglichen Fehlbeträgen von 200 bis 500 Millionen Euro bei Volkswagen, Daimler oder BMW“, erklärt Pieper.

    Grafik

    Um die Risiken aus den tagesaktuellen Währungsschwankungen zu mindern, haben sich die meisten Unternehmen bereits vor einigen Monaten mit Termingeschäften oder Optionen gewappnet. So schützen sie sich gegen unmittelbar eintretende negative Effekte beim Ergebnis.

    „Für den Dollar sind wir im aktuellen Geschäftsjahr größtenteils gesichert“, erklärte beispielsweise BMW. Im kommenden Jahr könnte das Dollar-Risiko aber zunehmen.

    Insbesondere die beiden VW-Töchter Audi und Porsche sind anfällig. Denn sie betreiben keine eigenen Werke in den USA, haben also keine Möglichkeit, sich auf dieses Weise abzusichern.

    Der Importanteil der Marke VW an den Autoverkäufen in den USA lag nach Berechnungen des CAR-Instituts im ersten Halbjahr 2020 aber nur bei elf Prozent. Die Wolfsburger betreiben im Bundesstaat Tennessee eine große Fabrik.

    Zum Vergleich: Bei Daimler lag der Importanteil am US-Absatz in den ersten sechs Monaten bei 68 Prozent, bei BMW betrug er knapp mehr als die Hälfte. Dennoch haben die beiden süddeutschen Hersteller ihr Dollar-Risiko in den vergangenen Jahren merklich reduziert, da beide im Süden der USA große SUV-Fabriken aufgebaut haben.

    Neuwagen des Autoherstellers Audi sind im niedersächsischen Emden für den Export bereit. Quelle: dpa
    In Schutzfolie

    Neuwagen des Autoherstellers Audi sind im niedersächsischen Emden für den Export bereit.

    (Foto: dpa)

    Auch die deutschen Maschinenbauer werten den starken Euro als zusätzliche Belastung in der Coronakrise. VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers fürchtet, beim Buhlen um die aktuell wenigen Aufträge könnten Wettbewerber aus dem Dollar-Raum nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland selbst einen währungsbedingten Preisvorteil ausspielen.

    Der Effekt werde sich vor allem in den Segmenten zeigen, in denen die Amerikaner starke Konkurrenten für die Deutschen sind: etwa bei Baumaschinen, Landmaschinentechnik oder Ausrüster für die Chemieindustrie.

    Gleiches gilt für einfache Komponenten, wo der globale Wettbewerb ohnehin stark ist. Weniger betroffen dürften Hersteller von Spezialmaschinen sein, die wenige Konkurrenten auf dem Weltmarkt haben und deren Produkte zudem weniger preissensibel sind.

    Große Chemiekonzerne umgehen Währungseffekte

    In der deutschen Chemieindustrie zeigt sich ebenfalls ein gemischtes Bild. Die USA sind ein wichtiger Exportmarkt für die Hersteller von Chemikalien und Kunststoffen. Betroffen von dem schwachen Dollar dürften aber vor allem Mittelständler sein, die aus dem Euro-Raum heraus exportieren.

    Die großen Chemiekonzerne haben ihre Werke dagegen schon lange in den einzelnen Weltregionen angesiedelt und umgehen so jegliche Währungseffekte. „Da wir in den Regionen für die Regionen produzieren, haben Währungseffekte im Prinzip keinen Einfluss“, heißt es beim Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro.

    Es ist sogar möglich, dass einige deutsche Chemiefirmen von der Dollar-Schwäche profitieren. So exportiert etwa BASF viele Produkte aus den amerikanischen Werken ins Ausland. Im ersten Halbjahr 2020 haben Währungseffekte den Umsatz des Konzerns in Nordamerika daher leicht positiv beeinflusst.

    In normalen Zeiten hat der Dollar-Kurs gerade in der Luftfahrtbranche eine große Bedeutung, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung. Für Airlines wie etwa Lufthansa ist ein niedriger Dollar-Kurs grundsätzlich positiv, da die Treibstoffrechnung in der US-Währung abgerechnet wird. Und das Kerosin ist bei den meisten Fluggesellschaften der größte Kostenblock.

    Dagegen wirkt sich ein schwacher Dollar beim Flugzeughersteller Airbus negativ aus, da auch beim Flugzeugverkauf in Dollar gerechnet wird, das Unternehmen in Euro umgerechnet also weniger in der Kasse hat. Deshalb hat Airbus schon vor Jahren die Fertigung global verteilt und unter anderem im amerikanischen Mobile eine eigene Produktion aufgebaut.

    Alle Augen richten sich auf die Fed

    Da aber wegen der Corona-Pandemie aktuell wenig geflogen wird, zudem die Fluggesellschaften kaum neue Jets abnehmen, sind die Effekte der Dollar-Schwäche bisher kaum spürbar. Das kann sich allerdings deutlich ändern, sollte der Dollar-Kurs dauerhaft niedrig bleiben und gleichzeitig nach Corona der Luftverkehr wieder richtig in Schwung kommen.

    Dass sich die Währungsverschiebung rasch wieder umkehrt, ist zunächst nicht unbedingt in Sicht, auch wenn zum Beispiel Robin Brooks, der Chefvolkswirt der internationalen Großbanken-Organisation IIF, den Euro für deutlich überbewertet hält.

    Die Deutsche Bank sieht zwar zurzeit eine „Konsolidierung“, nachdem der Euro-Kurs einen leichten Dämpfer erhalten hat. Die Experten dort fügen aber hinzu: „Wir sind jetzt keine Dollar-Bullen, wir sehen keine große Kehrtwende voraus.“

    Sollte die europäische Währung erneut zum Sprung ansetzen und die Hürde von 1,20 Dollar überwinden, hätte das nach Ansicht des Devisenexperten Marc Chandler von der US-Bank BBH einen starken psychologischen Effekt. Denn, wie er anmerkt: Seit Einführung des Euros war dies der durchschnittliche Kurs zum Dollar.

    Nomura glaubt an eine weitere Schwäche des Dollars bis ins nächste Jahr hinein. Die Analysten der japanischen Bank sprechen ein Thema an, das an den Märkten heiß diskutiert wird: die künftige Geldpolitik der US-Notenbank (Fed). Die Erwartung ist groß, dass sie im September offiziell eine etwas andere Strategie verkündet, nach der zwei Prozent Inflation kein direktes Ziel mehr sind, sondern nur noch den langfristigen Durchschnitt darstellen sollen.

    Europäische Zentralbank in Frankfurt: Die neue Stärke des Euros im Blick. Quelle: Caro / Bastian
    EZB

    Europäische Zentralbank in Frankfurt: Die neue Stärke des Euros im Blick.

    (Foto: Caro / Bastian)

    Damit wäre verbunden, dass die Fed noch weitaus länger als bisher angekündigt die Zinsen niedrig lassen kann, um die Wirtschaft zu unterstützen und der eigenen Regierung den Ausstieg aus der hohen Verschuldung zu erleichtern. Die Europäische Zentralbank (EZB) überprüft zwar auch ihre Strategie, aber dabei sind in diesem Jahr keine Ergebnisse zu erwarten – das Inflationsziel bleibt also bei knapp zwei Prozent.

    Zu einer Schwächung des Dollars dürfte auch beitragen, dass die Inflation in den USA erste Anzeichen einer Wiederbelebung zeigt. Im Juli stiegen die Preise unter Ausschluss der stärker schwankenden Bereiche Energie und Nahrungsmittel um 0,6 Prozent gegenüber dem Juni. Das war der größte Sprung innerhalb eines Monats seit Januar 1991.

    Es zeigt sich auch, dass die Investoren zunehmend eine höhere Inflation erwarten. Entscheidend für den Devisenkurs dürfte sein, ob die Inflation in der Euro-Zone ebenfalls anzieht.

    Zu den Nebenaspekten eines schwächeren Dollars gehört der Anstieg des Goldpreises – in Dollar gerechnet, aber auch in anderen Währungen spürbar. Die unabhängige US-Analystin Lyn Alden schreibt dazu: „In gewisser Weise wird nicht Gold wertvoller, sondern der Dollar und andere Währungen verlieren langfristig durch ihre Verwässerung an Wert. Das ist ein struktureller Trend, und er ist zu einem großen Teil beabsichtigt.“

    Mehr: IIF-Chefvolkswirt Robin Brooks im Interview: „Eine größere Euro-Aufwertung halte ich für nicht tragbar“


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    1 Kommentar zu "Euro/Dollar: Die Währungsfalle – Der starke Euro alarmiert die deutschen Exporteure"

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    • Deutschland war auch mit harter DM Exportmeister. Eine starke Währung muss man sich eben "leisten" können, wie z.B. die Schweiz. Die hat selbstverständlich auch mit beinhartem Fränkli einen Leistungsbilanzüberschuss und liegt von allen Staaten hier auf Rang 7:
      https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/238rank.html
      Dann gehen ohnehin auch ca. 60% der gesamten deutschen Exporte ins EU-Ausland - und hier haben die deutschen Exporteure durch den für die BRD viel zu schwachen Euro über Jahre schamlos profitiert und haben insbesondere die Exporteure in Südeuropa sukzessive platt gemacht. Übertrieben unausgeglichene Leistungsbilanzen führten in der Eurozone eben u.a. auch zu den nun übertrieben unausgeglichenen Target2-Salden.

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