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Euro/Dollar Euro schwankt nach Italien-Wahl deutlich

Der Ausgang der Italien-Wahl ließ den Euro-Kurs am Montag stark schwanken. Die Anfangsverluste wurden im Tagesverlauf aber ausgeglichen.
Update: 05.03.2018 - 17:27 Uhr Kommentieren
Euro Dollar, Währung, Devisen, Wechselkurs, EUR/USD Quelle: Reuters
Euro und Dollar

In den beiden Währungen wird ein Großteil des Welthandels abgewickelt.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Kurs des Euro ist am Montag nach einigen Schwankungen unverändert auf dem Niveau vom Freitag verblieben. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,2317 US-Dollar und damit genauso viel wie vor dem Wochenende. Die Kursschwankungen waren mit einer Spanne von knapp einem Cent zwischenzeitlich aber recht deutlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2307 (Freitag: 1,2312) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8126 (0,8122) Euro.

Wichtige politische Ereignisse vom Wochenende gaben am Devisenmarkt keine klaren Impulse. Dass die Anleger aber nervös sind, war an der Wechselkursentwicklung dennoch zu sehen. Sowohl in der Nacht auf Montag als auch im Vormittagshandel schwächelte der Euro zwischenzeitlich.

Unter anderem hatte die zu erwartende Hängepartie nach der Italien-Wahl Euro-Anlegern zunächst die Laune verdorben. Die Zustimmung der SPD-Mitglieder zu einer großen Koalition mit CDU und CSU konnte die europäische Gemeinschaftswährung nach Einschätzung von Experten nur wenig stützen. Ein weiterer Belastungsfaktor war der drohende Handelskrieg mit den USA. Der Euro fiel im frühen Handel um 0,4 Prozent auf 1,2267 Dollar zurück. Die Verluste konnten aber recht schnell wieder aufgeholt werden.

In Deutschland stimmten die Mitglieder der SPD nach Ergebnissen vom Sonntag mehrheitlich für eine Neuauflage einer Regierung mit der Union. In Europa wurde dies erleichtert als Zeichen der Stabilität aufgenommen. Es gab aber auch andere Stimmen: Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann sagte, es falle ihm schwer, im Referendum der SPD-Mitglieder ein positives Argument für die Gemeinschaftswährung zu sehen. „Ob die Sozialdemokraten nach der Selbstdemontage von Martin Schulz noch eine treibende Kraft im vom Markt Euro-positiv interpretierten europäischen Reformprozess werden, darf bezweifelt werden.“ Die Euphorie über die europäische Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron habe dem Euro im vergangenen Jahr geholfen. „Mehr und mehr dürfte diese Euphorie bröckeln.“

In Italien brachte die Parlamentswahl das erwartete Ergebnis: Populistische Parteien erzielten zwar deutliche Stimmengewinne, eine klare Regierungsmehrheit zeichnet sich im Parlament aber nicht ab. Es deutet sich eine schwierige Regierungsbildung an. „Für die Finanzmärkte und Europa wäre eine Koalition zwischen 5-Sterne-Bewegung und Lega das Schlimmste aller möglichen Szenarien“, sagte Volkswirt Carsten Brzeski von der Bank ING. Der Wahlausgang bedeute vor allem, dass neue Reformen für mehr Wachstum in Italien erst einmal in den Sternen stünden.

Die Aussicht auf eine langwierige Regierungsbildung macht den Anleihen des Landes auch prompt zu schaffen. Die Kurse der zehnjährigen italienischen Bonds fielen am Montag, im Gegenzug stieg die Rendite im frühen Handel um neun Basispunkte auf 2,127 Prozent. Es sei bislang nicht vorhersehbar, wie eine neue Regierung aussehen könnte, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners. „Die Themen Wachstum und Schuldenabbau rücken damit erst einmal in den Hintergrund. Das ist keine gute Nachricht für die italienische Wirtschaft.“

Konjunkturdaten konnten in diesem politisch geprägten Umfeld keine große Aufmerksamkeit erlangen. Dennoch wurde mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass sich sowohl die Einkaufsmanagerstimmung im Servicesektor der Eurozone als auch der Konjunkturindex des Sentix-Instituts eintrübten. Der Sentix-Indikator gilt aufgrund seines frühen Veröffentlichungstermins im laufenden Monat und seiner recht großen Stichprobe als guter Richtwert für die Anlegerstimmung.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,89070 (0,89320) britische Pfund, 130,02 (129,77) japanische Yen und 1,1549 (1,1512) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1320,40 (1322,30) Dollar gefixt.

So reagieren Volkswirte auf die Italien-Wahl

Dirk Steffen, Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden, Deutsche Bank:

„Zwar ist erst heute Vormittag mit einem belastbaren Ergebnis zu rechnen. Zum Regieren dürfte die Mehrheit aber nicht ausreichen. Uns stehen also langwierige Koalitionsverhandlungen bevor. Italien verliert wichtige Zeit, die es eigentlich nicht hat.“

Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank:

„Wenn die '5 Sterne' nicht positiv überraschen, dann sind die Aussichten für weitere wachstumsfördernde Reformen in Italien vorerst gering. Stattdessen könnte Italien auf eine teilweise Reformumkehr und einen Anstieg der öffentlichen Ausgaben zusteuern, was zu Konflikten mit den Partnern in der EU führen könnte. Sollten sich die '5 Sterne' mehr auf ihren Anti-Korruptions-Kurs konzentrieren als auf ihre teuren Ausgabenversprechen, dann sind die Aussichten weniger bedenklich.“

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank-Analyst:

„Es war zu befürchten. Nach den Parlamentswahlen scheint es keine klaren politischen Verhältnisse in Italien zu geben. Auch wenn die Ergebnisse noch nicht feststehen, so legen die Umfragen derzeit nahe: Das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten und das gute Abschneiden der Populisten zur Rechten wie zur Linken führt zu einem Ergebnis, das keine schnelle Regierungsbildung zu ermöglichen scheint.

Italien dürfte – egal unter welcher Regierung – in den nächsten Jahren vor allem egozentrisch auf Zugeständnisse beim Schuldenmachen pochen. Ein verlässlicher Partner in einem konstruktiven europäischen Reformprozess sieht anders aus.“

Thomas Altmann, Portfoliomanager QC Partners:

„Italien steht vor einer langen Hängepartie. Nach diesem Wahlergebnis ist nicht vorhersehbar, wie eine neue Regierung aussehen könnte. Die Themen Wachstum und Schuldenabbau rücken damit erst einmal in den Hintergrund. Das ist keine gute Nachricht für die italienische Wirtschaft.

Die Italienerinnen und Italiener sind unklare und instabile Verhältnisse zwar gewöhnt. Die Wirtschaft ist allerdings in keiner Verfassung, in der sie sich einen langen Stillstand leisten kann.“

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank:

„Eine Mehrheit gibt es derzeit für keines der verschiedenen Lager. Damit steht eine schwierige Regierungsbildung an. Das Mitte-Rechts-Bündnis wird versuchen eine Mehrheit unter Einschluss weiterer Parteien zu bekommen. Damit hat das Berlusconi-Lager wohl die größte Chance, eine regierungsfähige Mehrheit zu bekommen – leicht ist aber auch dies nicht.

An den Finanzmärkten dürfte man derweil zumindest froh sein, dass Deutschland eine neue Regierung hat. Worst-Case wäre gewesen, wenn zum Ergebnis der italienischen Parlamentswahlen auch noch ein 'Nein' der SPD gekommen wäre. Doch wenn es aus Europa nicht nur schlechte Nachrichten von politischer Seite gibt, belastet die sich verschärfende Rhetorik in den transatlantischen Handelsstreitigkeiten. Die Hoffnung ist groß, dass hier eine neue deutsch-französische Achse einen schlichtenden Weg mit Washington findet.“

Hier geht es zur Seite mit dem Euro-Dollar-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

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