Euro-Krise Euro steigt nach Griechen-Wahl

Die Griechen haben sich bei der Wahl für den Euro entschieden. Ob sie ihn tatsächlich behalten werden, wird allerdings immer ungewisser. Experten geben den Südeuropäern nur noch wenige Monate Zeit.
Update: 18.06.2012 - 17:02 Uhr 20 Kommentare
Griechische Euromünze in der Klemme. Ohne eigene Währung droht den Südeuropäern das Armenhaus. Quelle: dpa

Griechische Euromünze in der Klemme. Ohne eigene Währung droht den Südeuropäern das Armenhaus.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Griechen haben gewählt. Und sie haben sich für den Euro entschieden, indem sie mehrheitlich für Antonis Samaras und seine konservative Partei, die Nea Dimokratia stimmten. Die Investoren sind zunächst erleichtert. In Tokio steigen die Aktienkurse, in Frankfurt, London oder Paris auch. An der Börse in Athen legt der ASE-Index um beinahe fünf Prozent zu. Der Euro klettert im asiatischen Handel auf 1,2747 Dollar – und ist damit so teuer wie zuletzt vor einem Monat.

In den vergangenen zwölf Monaten hatte die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Greenback fast zwölf Prozent verloren. Auch zu anderen Währungen, dem japanischen Yen etwa oder der norwegischen Krone, wertete der Euro in dieser Zeit deutlich ab.

Die Erleichterung über die Wahlergebnisse währt allerdings nur kurz. Die Aktiengewinne bröckeln im Handelsverlauf, der Preis des Euro auch. Viele Investoren fürchten, dass sich durch die Wahl nichts geändert hat an der Misere am Mittelmeer. „Das Wahlergebnis zeigt ein klares Bekenntnis der Griechen zum Euro“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung. Um mittelfristig ein gutes Umfeld für die Finanzmärkte zu erzielen kommt es darauf an, dass die mögliche Koalition und die europäischen Partner in den anstehenden Verhandlungen in ihren Vorstellungen deutlich annähern.

Ob Griechenland tatsächlich in der Euro-Zone bleibt, ist weiterhin ungewiss. Zwar werde es die Gemeinschaftswährung in fünf Jahren noch geben, sagt Alfred Roelli, Chefanlagestratege bei Pictet. Ob Griechenland dabei ist, sei allerdings alles andere als sicher. Im Gegenteil: Das Risiko, dass Athen den Euro verlässt, bleibe hoch, meint Roelli.

Viele Finanzexperten gehen davon aus, dass die neue griechische Regierung, egal wie sie letztlich aussehen wird, sich nicht an die strengen Sparvorgaben der Europäischen Kommission in Brüssel halten wird. „Griechenland dürfte selbst gelockerte Auflagen nicht erfüllen“, prognostiziert Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. „Will sie ihre Glaubwürdigkeit nicht vollständig verlieren, wird die Staatengemeinschaft irgendwann gezwungen sein, Griechenland den Geldhahn zuzudrehen. Der griechische Staat wäre dann rasch pleite“, meint der Ökonom.

Mit dem Euro droht das Armenhaus
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20 Kommentare zu "Euro-Krise: Die Zeit für Griechenland läuft ab"

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  • "Die Gemeinschaftswährung werde überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen."
    Demnach hätte das 3. Reich ja ewig bestehen müssen, oder die DDR usw.
    Der Spruch ist so dumm wie falsch, "Ein Flugzeug kann nicht abstürzen weil ja die Insassen alle tot wären" im Kindergarten mag ja sowas durchgehen, aber sonst?

    So lange es den Oiro gibt mögen vielleicht die politischen und wirtschaftlichen Eliten überleben....aber dann, naja.

  • Die Spannung, die Spannung! ich werde langsam von den ganzen Krisen- und Rettungsgeschichten völlig ausgelaugt. Politiker, es gibt nur 2 Möglichkeiten:

    1) Auftrennen des Euros in ein Nordo & Südo (bzw. Neuro & Seuro).

    oder

    2) ESM eine Banklizenz geben, und dadurch Geld wie Heu drucken, um die Schulden weg zu inflationieren.

    Politiker, bitte wählt eine Lösung und macht.
    danke!

  • "Die Gemeinschaftswährung werde überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen."

    Bingo!
    Es geht überhaupt nicht um die Bevölkerung. Es geht um die Elite und ihren Zugang zu den Fleischtöpfen.

  • Haben sie sich wirklich für den Euro entschieden, oder nur dafür, dass ihre Ersparnisse nicht entwertet werden ?

  • Sicher, Griechenland ist ein Problem. Aber es gibt ein weiteres: Unsere Politiker!

    Sie haben Milliarden von Euros unkontrolliert nach Griechenland gepumpt. Je mehr, um so erpressbarer wurden sie.

    Auch hier bei uns brauchen wir einen Neuanfang, einen Neuanfang mit Fachleuten und nicht mit entlaufenen Seminaristen aus einem Rethorikseminar.

    Auch das Thema Diäten und Pensionen soll für die "Parlamentschwänzer" soll auf den Tisch.

  • Was mich zusätzlich ankotzt ist die Art und Weise, wie der angebliche gewinnbringende Wahlausgang in den Medien kommuniziert wird:

    Als erste oder zweite Aussage folgt nach dem obligatorischen "Die Griechen haben sich für den Euro entschieden." direkt "Der Dax stieg um blablblalla Prozent nach oben, die Märkte reagierten positiv." BITTE?! VIEL wichtiger ist doch eigentlich eine Aussage, wie: "Der Bevölkerung steht nun keine humanitäre Katastrophe ins Haus, IHNEN wird geholfen!"
    Welch offen zur Schau gestellte, falsche Schwerpunktslegung durch Medien und Politik. Offener kann es schon nicht mehr kommuniziert werden! Was interessieren mich primär die Märkte oder der DAX, wenns humanitär zu einer Katastrophe kommt?! Und die Krönung ist dann noch, dass die euphimistisch formulierte "Hilfstranche von über 170 Mrd. Euro" noch immer zur Debatte stehen, die aber dann vor allem in den Banken versickert.
    Die Wahl zeigte also nur eines: Es geht weiter mit der Bereicherung der Banken auf Kosten der EU!

  • Nichts geht geht weiter in Griechenland! Mit der
    Einrichtung des ELA ( Emergency Liquidity Assistance)
    im Rücken wird Griechenland weiter im Euro bleiben,
    keine Reformen durchführen und der BRD Steuerzahler
    zahlt weiter bis sich die BRD vom regulären Kapital-
    markt verabschieden darf. Brandbriefe an die Kanzlerin
    sind nutzlos. Die einzige Möglichkeit ist noch über
    post.pet@bundestag.de (ID-Nummer 24314)gegen das ESM-
    Ermächtigungsgesetz Einspruch zu erheben! Letzter
    Termin ist der 22. Juni! Kommen keine 50.000 Stimmen
    zusammen, so dürfte mit dem ESM die Zahlungsunfähig-
    keit der BRD eingeleitet werden, woran Griechenland
    bestimmt kein Interesse haben dürfte! Wo bliebe denn
    da sonst die europäische Solidarität?

  • Das was mit Griechenland abläuft ist doch ein Speigelbild der gesamten deutschen und europäischen Gesellschaft.
    Man muss sich doch nur die Milde unserer Gerichte bei jugendlichen Straftätern ansehen. Noch eine Chance, noch ein Resozialisierungsprogramm, wieder eine Straftat, ach das war nur ein Ausrutscher, noch eine Therapie und weitere Programme, dann kommt die 3. Straftat, aber jetzt das wird ihm eine Warnung sein, 2 Tage Arrest, usw.
    Am Ende bringt er jemanden um und keiner will Anzeichen gesehen haben, dass so etwas passieren könnte.

    Traurig, wirklich traurig.
    Wir lassen uns vor lauter Gutmenschentum umbringen.
    Ich kannte mal ein Sprichwort: "Ehrlichkeit währt am längsten". Lang ist es her...


  • Die heutige Pressekommentierung verleidet zu dem Schluss, zwischen realitätsfremden , Tatsachen ignorierenden Griechen und europ. angeblichen Krisenmanagern besteht keine geistige Gesinnungskluft. Beide, in ihrer angeknacksten Hoffnung äugend auf die nächste Drogenration, reichen sich winkend ihre Patschhändchen.

    Samaras gilt ebenso als ein ABLEGER der grossen Freunde im kriminellen Puppettheater wie die von ihnen gestützte junge Linke, der nun mit seinen Gewerkschaften ( im Auftrag der Puppenkönige ) jeglichen Reformansatz/ Stabiliserungsansatz zum Scheitern bringt.
    Soll sich die Mafia selbst reformieren ?
    Die Verantwortlichen schafften nicht ein Mal eine funktionierende Steuerverwaltung.... Warum auch.

    GR steuert mit oder ohne Euro auf das ihm zukommende soziale Kliff. Staatl. Institutionen erodieren weiter.
    GR führt uns bildhaft vor, welch Folgen verantwortungsloses politisches und wirtschaftliches Handeln, u.a durch EU-Gessetze/Massnahmen begünstigt, hervorruft.

    GR gilt deshalb vorerst als Warnung für alle Polit-Fantasten im "EU-Konzert krimineller Buchhalter" ..
    Nicht nur GR braucht eine gesellschaftlich-geistig Erneuerung, ebenso europ Länder und vor allem seine von gewissen Lobbykreisen manipulierten "rotten-up Institutionen".

  • Wenn man heir die Kommentare so liest, kann man wirklich nur traurig sein. Voller blinder Wut auf den anderen wird die eigentlich Situation verkannt. Habt ihr nichts gelernt?

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