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Experten erwarten anhaltend hohe Notierungen – Kritik an der Rolle des Ölkartells Opec wird laut Kälte treibt Ölpreise weiter nach oben

Ein Wintereinbruch in den USA und erneut wachsende Verknappungsängste haben die Rohölpreise deutlich anziehen lassen. Das für Europa maßgebliche Brentöl verteuerte sich gestern auf über 47 Dollar je Barrel (159 Liter). Zuvor war die US-Richtmarke West Texas Intermediate (WTI) auf Notierungen über 51 Dollar gestiegen. Rohöl war damit so teuer wie seit vier Monaten nicht mehr. Der WTI-Preis liegt in der Regel über dem Brentölpreis. Experten rechnen mit weiter steigenden Notierungen.
  • R. Palm, H.-J. Schürmann

DÜSSELDORF. Der Präsident der Organisation Erdöl produzierender Länder (Opec), der kuwaitische Ölminister Scheich Ahmad al-Fahd al-Sabah, versuchte vergeblich, die Märkte zu beruhigen: „Wenn die Preise weiter zulegen, wird es eine Reaktion der Opec geben, um dabei zu helfen, die Preise nach unten zu drücken“, sagte al-Sabah.

„Die Stimmung hat gedreht“, kommentiert Sandra Ebner von der Deka-Bank den Ölpreisanstieg. Bis Mitte Dezember hatten „gute Nachrichten“, wie etwa steigende US-Lagerbestände, die Preise sogar unter 40 Dollar fallen lassen. Doch inzwischen würden positive Nachrichten von den Märkten ignoriert, sagt Ebner. Grund dafür sei die anhaltend starke Ölnachfrage, die weiter die Erwartungen noch übertreffe.

„Es könnte sich wieder ein Teufelskreis wie im vergangenen Jahr entwickeln“, warnt die Deka-Expertin. Ungeachtet kurzfristiger Preisrückgänge könnten die Ölnotierungen im Jahresverlauf erneut kräftig anziehen. Dabei sei nicht auszuschließen, dass die alten Höchststände überschritten würden, zumal das Ausgangsniveau in diesem Jahr höher liege als Anfang 2004. Mitte Oktober 2004 hatte sich Brentöl bis auf gut 52 Dollar verteuert.

Ein höheres Ölpreisniveau erwartet auch die Deutsche Bank. Das Institut hob gestern seine Prognose für 2005 auf durchschnittlich 40 Dollar an. Die Energieexperten Adam Sieminski und Jay Saunders begründen ihre Erwartung einerseits mit der weltweiten Nachfrage; andererseits werde Russland weniger Öl fördern als erwartet.

Etwas optimistischer als die Deutsche Bank ist Tony Dolphin, Chefstratege von Henderson Global Investors. Seiner Meinung nach wird sich der Ölpreis „im laufenden Jahr zwischen 30 und 35 US-Dollar pro Barrel einpendeln“. Frédérique Dubrion, Fondsmanagerin bei Bearbull Securities in Genf, schätzt indes, dass 2005 die Marke von 60 Dollar fallen wird. Der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte sie: „Die überschüssigen Kapazitäten der Opec sind so niedrig wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Sollte es zu einem größeren Ausfall kommen, könnten die Preise anziehen.“ Dahinter stecken Bedenken, dass die Opec nicht in der Lage sein dürfte, die Lücke bei Lieferengpässen zu füllen. Wegen derartiger Bedenken waren schon 2004 die Preise gestiegen.

Unabhängig von möglichen Lieferproblemen gilt die Rolle der Opec sogar insgesamt als umstritten. „Die Opec-Staaten treiben ein gefährliches Spiel“, meint der Energieprofessor Dieter Schmitt. Offiziell betonten die Ölminister immer wieder, dass sie die Weltölmärkte durch eine flexible Angebotspolitik stabilisieren wollten. Gleichzeitig trieben sie aber die Preise hoch, indem sie die Weltmärkte durch das ständige Gerede über Angebotskürzungen in saisonal schwächeren Verbrauchsphasen beunruhigten. Auf diese Weise sei es nicht mehr möglich, Lagervorräte auf kommerzielle Art und Weise rechtzeitig und ausreichend aufzubauen.

Schmitt weist darauf hin, dass die Ölminister bewusst darauf verzichteten, einen neuen realistischen Preiskorridor bekannt zu geben. Stattdessen würden die Rohölnotierungen durch Zugangsbeschränkungen für ausländische Ölgesellschaften im Nahen Osten dauerhaft hochgehievt. Dies sei jedoch „ein gefährliches Spiel mit dem Feuer“; denn irgendwann werde die Weltkonjunktur dadurch ins Straucheln geraten.

Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung kommt Hans-Wilhelm Schiffer, Energieanalyst der RWE Power. Die Opec lasse den Aufbau stabilisierender Bevorratungspuffer nicht zu, deshalb sei es wahrscheinlich, „dass sich die Achterbahnfahrt bei den Ölpreisen nicht nur in diesem und im nächsten Jahr fortsetzen wird“. Schiffer geht davon aus, dass die wichtigsten Ölexporteure – auch Russland – daran interessiert seien, die Spekulationskräfte immer wieder zu provozieren und Preise zwischen 40 und 55 Dollar dauerhaft zu testen.

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