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Exxon, BP und Shell Der Ölrausch ist vorüber – Warum sich Big-Oil-Aktien trotzdem lohnen

Der Ölpreis, der die Aktien von Exxon, BP und Shell beflügelt hatte, hat seinen Höhepunkt überschritten. Doch das muss Anleger nicht schrecken.
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Sinkt das Wirtschaftswachstum, sinken die Benzinpreise. Quelle: Bloomberg
Exxon-Tankstelle in New Mexico

Sinkt das Wirtschaftswachstum, sinken die Benzinpreise.

(Foto: Bloomberg)

BudapestIn seinem tristen Budapester Bürokomplex aus kommunistischer Zeit treibt der Ausblick Zsolt Hernadi ein strahlendes Lächeln ins Gesicht. Denn der Chairman und CEO des ungarischen Ölkonzerns Mol blickt hin‧über zu den Kränen einer gewaltigen Baustelle. Dort baut der britische Stararchitekt Norman Foster gerade die neue Unternehmenszentrale. Sie wird der höchste Wolkenkratzer in Südosteuropa werden.

Die Mol kann sich den Prestigebau leisten. Denn die Geschäfte des teilstaatlichen Konzerns laufen auch dank des gestiegenen Ölpreises prächtig. Bei einem Umsatz von 19 Milliarden Dollar kommt das Unternehmen auf einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von stolzen 2,7 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal bewegte sich die Ölförderung mithilfe britischer Förderanlagen auf ein Siebenjahreshoch zu.

Mit solchen Zahlen steht die Mol nicht allein. Die fünf Großen – Exxon, BP, Shell, Total und Chevron – haben zusammen im vergangenen Jahr mehr als 80 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Im Vorjahr waren es nur 74 Milliarden Dollar. Das Schmiermittel der Branche ist der Ölpreis. Bereits im vergangenen Jahr legte der Preis für die Nordseesparte Brent um knapp ein Drittel zu.

Seit Jahresbeginn kennt der Preis vor allem eine Richtung – nach oben. Brent kletterte von 55 Dollar pro Barrel (159 Liter) Anfang Januar auf mittlerweile knapp über 70 Dollar. Parallel dazu bewegten sich die Kurse von „Big Oil“: Die Aktien von Exxon, BP und Shell legten seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent zu, Total um knapp acht Prozent. Bei der ungarischen Mol, die vor allem auf das Raffinerie- und Tankstellengeschäft spezialisiert ist, waren es nur rund fünf Prozent.

In den vergangenen Jahren standen die Aktien der großen Ölkonzerne im Schatten der rasant gestiegenen Technologiewerte. Mit den gestiegenen Preisen für Rohöl aber entdecken Anleger die Branchenschwergewichte erneut: Nur sehr wenige Analysten empfehlen derzeit einen Ausstieg aus Ölaktien. Bei einigen Konzernen wie Total, dem wertvollsten Unternehmen Frankreichs, oder der ungarischen Mol, gibt es gar keine Verkaufsempfehlung.

Die große Mehrheit der Papiere wird überwiegend zum Kaufen oder Halten empfohlen. Die Lieblinge der Analysten sind insbesondere Total, BP und Shell. Nur beim amerikanischen Schwergewicht Exxon herrscht mehr Zurückhaltung. Denn diese Aktie ist zuletzt bereits besonders gut gelaufen. Daher empfehlen weniger als ein Drittel der Analysten die Aktie des US-Branchenriesen noch zum Kauf. Überwiegend herrscht die Meinung vor, das Papier zu halten.

Seit Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, mussten die Anleger lernen, dass sogar Kurznachrichten über Twitter den Preis des Öls und damit auch der Ölaktien beeinflussen können. Zuletzt sorgten Spekulationen dafür, dass nach der Ölpreisrally in den vergangenen Wochen nun die Preise für die Nordseesorte Brent wieder Richtung 70 Dollar pro Barrel (159 Liter) laufen: Angeblich soll der US-Präsident das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien und das Ölkartell selbst überzeugt haben, den Ölhahn wieder stärker aufzudrehen, um in der Folge auch für niedrigere Benzinpreise zu sorgen. Diese Spekulationen machten sich zuletzt bei den Aktienkursen negativ bemerkbar.

Anleger brauchen starke Nerven

Wichtige Daten für Ölaktionäre sind der 25. und 26. Juni: Dann treffen sich in Wien die 14 Opec-Länder und eine Reihe von Nicht-Opec-Staaten unter Führung Russlands, um über die weitere Preisstrategie zu sprechen. Nach den verschärften Sanktionen gegen den amerikanischen Erzfeind Iran ist die Situation angespannt.

Schon kleine nervöse Reaktionen können Ölpreis- und auch Aktienpreisschwankungen auslösen. Deshalb brauchen Besitzer von Ölaktien in den kommenden Monaten starke Nerven. Sie sollten sich nicht von kurzfristigen Trends beeinflussen lassen. Denn auf lange Sicht stimmt die Richtung, meinen Marktteilnehmer und Analysten.

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„Wir glauben, dass sich langfristig die Preise zwischen 50 und 70 Dollar pro Barrel bewegen werden“, sagte Mol-Chef Zsolt Hernadi, einer der dienstältesten CEOs in der Ölbranche, dem Handelsblatt. Die Ölpreise bewegen sich in einem Preiskorridor, in dem die Konzerne, ob groß oder kleiner, gutes Geld verdienen können.

„Klar ist, dass Ölunternehmen generell von höheren Ölpreisen profitieren werden, da die Kostenbasis in der Regel weniger rasch anzieht und die Gewinne daher steigen“, sagt etwa Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank. Er erwartet bis Jahresende einen Ölpreis von 65 Dollar pro Fass, dämpft allerdings allzu hohe Anlegererwartungen: „In den USA rechnen wir in der zweiten Jahreshälfte mit deutlicheren Anzeichen einer Konjunkturabschwächung und 2020 mit einer milden Rezession.“

Ähnlich sieht es Hannes Loacker, Rohstoffanalyst der österreichischen Raiffeisen Centrobank: „Wir rechnen damit, dass sich eine abschwächende US-Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte negativ auf das Sentiment am Ölmarkt auswirken wird.“ Bereits im ersten Quartal dieses Jahres glänzten die Bilanzen großer Ölkonzerne nicht mehr ganz so golden: Ölmultis wie Exxon, BP, Shell und Total verkündeten niedrigere Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Überdurchschnittliche Dividendenrendite tröstet

Anleger trösten die überdurchschnittlichen Dividendenrenditen der Ölmultis, die gerade in der seit Langem anhaltenden Niedrigzinsphase attraktiv sind. Der niederländisch-britische Konzern Shell etwa hält trotz leicht gesunkener Gewinne an seiner bisherigen großzügigen Dividendenpolitik fest und schüttet weiterhin einen Betrag von 47 Cent an seine Aktionäre aus. Exxon liefert eine Dividendenrendite von über vier Prozent, Total von fünf Prozent, bei BP und Shell sind es fast sechs Prozent und bei der Mol über neun Prozent.

Langfristig stellt sich allerdings die Frage, welche Rolle Öl und Gas im Energiemix noch spielen werden. In unterschiedlichen Geschwindigkeiten bereiten sich die Konzerne darauf vor. Das radikalste Beispiel im Markt ist sicher die ungarische Mol, die sich zum Petrochemie- und Handelsunternehmen mit angeschlossener Plastikrecyclingabteilung wandeln will.

Auch der britisch-niederländische Konzern Shell steuert bereits um. Er investiert jährlich ein bis zwei Milliarden Euro in alternative Kraftstoffe und grüne Energien. Shell-CEO Ben van Beurden hatte erst im Februar das bayerische Solarbatterieunternehmen Sonnen übernommen. Die von van Beurden initiierte langfristige Transformation des Ölmultis gefällt fast allen Experten. Von 30 Analysten empfehlen derzeit nur drei, sich von Shell-Aktien zu trennen.

Öl bleibt weiter unkalkulierbar

Dennoch ist es ungewiss, ob es die Branchenriesen im Zeitalter des Klimawandels wirklich schaffen können, den Öldurst einer globalisierten Ökonomie zu stillen und sich gleichzeitig als Energiekonzerne neu zu erfinden. Bis 2035 wollen die Öl- und Gaskonzerne mindestens 350 Milliarden Dollar in Wind- und Solarindustrie investieren, so eine Studie der Unternehmensberatung Wood Mackenzie. Es ist der Versuch eines strategischen Spagats mit offenem Ausgang für die Aktionäre.

Denn parallel müssen die Konzerne mit der weiter unkalkulierbaren Preisentwicklung beim Öl zurechtkommen. Doch die Multis haben schon viel erlebt. „Große Schwankungen gab es immer. Ich erinnere mich noch an 1999. Damals fiel der Preis für ein Barrel Öl unter zehn Dollar“, sagt Mol-Chef Hernadi. Heute kann der CEO darüber lachen. Die Fähigkeit von „Big Oil“, mit extremen Herausforderungen umzugehen, wurde schon häufig von kurz- und mittelfristigen Anlegern unterschätzt.

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