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EZB-Bericht Der Dollar verliert an Macht – davon profitiert auch der Euro

Noch ist die US-Währung weltweit führend. Zuletzt haben viele Notenbanken aber ihre Währungsreserven umgeschichtet. Andere Währungen profitieren davon.
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Der Dollar behauptete sich 2018 zwar als Leitwährung – andere Währungen wie Yen, britisches Pfund oder Euro holten aber auf. Quelle: Photographer's Choice/Getty Images
Zerknitterte Dollarnote

Der Dollar behauptete sich 2018 zwar als Leitwährung – andere Währungen wie Yen, britisches Pfund oder Euro holten aber auf.

(Foto: Photographer's Choice/Getty Images)

FrankfurtWie schnell sie ins Visier von Donald Trump geraten können, haben die Europäer diese Woche einmal mehr erfahren. Der US-Präsident hatte auf Twitter eine Meldung verbreitet, nach der sich einige europäische Touristenziele vor Besuchern kaum retten können. Trumps Fazit: Der Euro und andere Währungen seien gegenüber dem Dollar unterbewertet. Das bringe den USA große Nachteile.

Der Tweet zeigt, dass sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China schnell auf Europa und andere Länder ausweiten kann. Die wachsende Unsicherheit sorgt dafür, dass sich viele Länder und ihre Notenbanken nach Alternativen zum Dollar umschauen. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der weltweiten Währungsreserven wider.

Der Dollar behauptete im vergangenen Jahr mit einem weltweiten Anteil von 61,7 Prozent zwar seinen Status als Leitwährung. Dies ist aber ein historischer Tiefpunkt für die US-Währung in diesem Jahrhundert. Profitieren konnten hingegen andere Währungen wie japanischer Yen, britisches Pfund, chinesischer Yuan und zuletzt auch der Euro, dessen Anteil im Laufe des Jahres 2018 von 19,5 Prozent auf 20,7 Prozent stieg.

Die Russen schichten um

Ob die europäische Gemeinschaftswährung auch langfristig stärker zulegen kann, ist die große Frage. Aus Sicht von Benoît Cœuré hängt dies vor allem davon ab, wie der Währungsraum mit den eigenen Reformen vorankommt. Aktuell ist es vor allem die Suche nach Alternativen zum Dollar, die den Euro begünstigt, wie der Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB) erklärt.

„Wir haben es mit einer Diversifikation heraus aus dem Dollar zu tun,“ sagte Cœuré bei der Präsentation des jährlichen EZB-Berichts zur internationalen Rolle des Euros. Dazu habe wahrscheinlich die Furcht vor einseitigen Sanktionen der USA beigetragen. So hat beispielsweise die russische Notenbank in der Folge weiterer US-Sanktionen etwa 100 Milliarden US-Dollar ihrer Währungsreserven verkauft und sie im zweiten Quartal 2018 hauptsächlich durch Euro und chinesische Yuan ersetzt.

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Inzwischen notieren etwa 40 Prozent der russischen Währungsreserven in Euro. China reduzierte seinen Bestand an US-Staatsanleihen im vergangenen Jahr um etwa 60 Milliarden US-Dollar. „Wir haben es möglicherweise mit einer stärkeren Fragmentierung des weltweiten Finanzsystems und des internationalen Handels zu tun“, sagte Cœuré. Der Euro sei als zweitwichtigste Reservewährung die natürliche Alternative zum Dollar.

Obwohl der chinesische Yuan an Bedeutung gewinnt, entfielen 2018 bisher nur etwa zwei Prozent der weltweiten Devisenreserven auf die chinesische Währung. Ein großes Hindernis für den Yuan ist, dass er nicht frei an den Kapitalmärkten gehandelt wird. Damit ist er als Liquiditätsreserve für Notenbanken nicht wirklich geeignet.

Die EU macht Druck

Ursprünglich hat die EZB eine neutrale Position zur internationalen Bedeutung des Euros vertreten. Der frühere EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte, das Euro-System werde die Verwendung als Reservewährung weder behindern noch fördern. Seit der Präsidentschaft von Donald Trump in den USA hat sich die Haltung in Europa jedoch verändert.

Vor allem die Kommission der Europäischen Union (EU) drängt auf eine Stärkung der gemeinsamen Währung. „Der Euro muss das Gesicht und Werkzeug der neuen europäischen Souveränität werden“, hat etwa EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker im vergangenen Jahr als Ziel ausgegeben. Hintergrund ist die Strategie der US-Regierung, die Stärke des eigenen Kapitalmarkts als Waffe einzusetzen.

Das wird besonders deutlich beim Konflikt mit dem Iran, wo Trump jedem Unternehmen und jeder Bank mit der Abkoppelung vom US-Finanzsystem droht, wenn sie gegen Sanktionen nach US-Recht verstoßen. De facto haben die USA es so geschafft, ihr eigenes Recht auch anderen Regionen aufzuzwingen. Denn kaum eine größere Bank kann es sich leisten, bei den Amerikanern in Ungnade zu fallen.

Auch die Notenbanken, etwa die Bundesbank, machen sich deswegen Sorgen. Cœuré ist, unabhängig von geopolitischen Überlegungen, der Meinung, dass die Vorteile einer internationalen Rolle des Euros größer und die Nachteile kleiner geworden sind. Ein Argument gegen eine stärkere globale Position des Euros war zum Beispiel, dass dadurch die Geldpolitik schwieriger würde, weil in Krisensituationen plötzlich sehr viel Kapital zu- und wieder abfließen könnte.

Die Bundesbank fürchtete solche Schwankungen schon zu D-Mark-Zeiten, weil ihre Geldpolitik traditionell über eine Steuerung der Geldmenge funktionierte. Heute hingegen wird stärker betont, dass durch eine größere internationale Bedeutung des Euros die Geldpolitik unabhängiger wird und mehr Wirkung hat. Außerdem gibt es einen stabilisierenden Effekt auf die Preise, weil diese weniger stark von Wechselkursschwankungen beeinflusst werden.

Cœuré betonte, dass die jetzt wieder steigende internationale Bedeutung des Euros bisher noch ein kurzfristiges Phänomen sei. Langfristig könnten vor allem zwei Dinge die Rolle des Euros stärken: die Schaffung eines sicheren Wertpapiers für den gesamten Euro-Raum und der Aufbau eines einheitlichen Kapitalmarkts. „Der Euro wird den Dollar nicht herausfordern können, solange es keine Kapitalmarktunion gibt“, betonte der Notenbanker.

Die Kapitalmarktunion ist ein Lieblingsthema der Europäer. Die Bundesbank ist dafür, die ‧Banque de France, also die französische Notenbank, ebenfalls. Kaum ein führender europäischer Politiker lässt es an Bekenntnissen zu einem gemeinsamen Kapitalmarkt fehlen.

Die Renditen für Bundesanleihen sind ins Minus gerutscht

Er soll nicht nur die Konsolidierung der Finanzbranche erleichtern, sondern auch dafür sorgen, dass die Märkte wirtschaftliche Risiken und Krisen besser auffangen können, die somit weniger von staatlichen oder überstaatlichen Institutionen abgefedert werden müssten.

Tatsächlich passiert aber nur recht wenig. Es geht bei der Kapitalmarktunion nicht nur um eine Vereinheitlichung von Bestimmungen, etwa im Insolvenzrecht. Damit Investoren langfristig und stabil im Euro-Raum investieren, müssen sie vor allem die Sicherheit haben, dass ein Euro überall im Euro-Raum gleich sicher ist.

Dazu dient vor allem die geplante gemeinsame Versicherung der Bankeinlagen, die häufig auch unter der Überschrift „Bankenunion“ abgehandelt wird. Die Pläne sind bekannt, die Verhandlungen stocken. Lange Zeit hat gerade auch Deutschland geblockt – aus Sorge, für Probleme anderer Länder zur Kasse gebeten zu werden. Zurzeit ist es vor allem die italienische Regierung, die mit ihrem europafeindlichen Auftreten Vertrauen zerstört hat und damit die Verhandlungen lähmt.

Besonders wichtig für eine Kapitalmarktunion wäre die Schaffung eines „sicheren“ Wertpapiers, wie von Cœuré angesprochen. Zurzeit spielen vor allem Bundesanleihen diese Rolle, weil die deutschen Staatsfinanzen als relativ solid gelten. Das Volumen deutscher Bonds ist mit rund einer Billion Euro aber zu gering, um wirklich die Bedürfnisse der Investoren zu befriedigen.

Das liegt bis zu einem gewissen Grad auch an der deutschen Sparpolitik: Wenn der Staat weniger Schulden macht, gibt es auch weniger Anleihen zu kaufen. Die Papiere sind daher so gefragt, dass die Renditen ins Minus gerutscht sind. US-Staatsanleihen haben dagegen ein Volumen von rund 13 Billionen Dollar und bringen wenigstens noch über zwei Prozent ein.

Sichere Wertpapiere gesucht

Es gibt verschiedene Vorschläge, im Euro-Raum künstlich ein „Safe Asset“, wie es auf Englisch heißt, zu schaffen. Philip Lane, seit Kurzem Chefökonom der EZB, hatte im vergangenen Jahr ein Konzept vorgestellt, nach dem europäische Staatsanleihen gemeinsam verbrieft und in verschiedene Risikoklassen geteilt werden sollen.

Vitor Constâncio, der ehemalige Vizechef der EZB, hat mehrfach ein System vorgeschlagen, bei dem die Staaten vorrangige Anleihen ausgeben, die sie an eine Art Fonds verkaufen sollen, der wiederum eigene Anleihen als „Safe Assets“ herausgibt. Diese Vorschläge haben bisher weder an den Märkten noch in der Politik großen Anklang gefunden. Sie gelten als zu kompliziert und damit zu wenig transparent, um als wirklich „sicher“ angesehen zu werden.

In Deutschland erwecken diese Konstruktionen immer das Misstrauen, damit solle letztlich doch nur eine Vergemeinschaftung von Risiken geschaffen werden. In Italien ist die Sorge vorherrschend, die eigene Schuldenlast in diesen Konstrukten nicht unterbringen zu können, was letztlich die Absatzchancen für italienische Staatspapiere schwächen würde.

Eine wirklich globale Rolle des Euros ist damit noch lange nicht in Sicht. Auf der anderen Seite spielt die Währung regional eine sehr große Rolle, wie auf einer Konferenz der EZB zu östlichen EU-Staaten deutlich wurde. Laurence Boone, die Chefökonomin der OECD, machte deutlich, dass die Entwicklung von Ländern wie Ungarn, Polen und Tschechien sehr eng mit der des Euro-Raums zusammenhängt, obwohl diese Staaten ihre eigenen Währungen behalten haben.

Das gilt gerade auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie etwa Norwegen und der Schweiz. Grund dafür ist unter anderem die Tatsache, dass Importe und Exporte sehr stark in Euro abgewickelt werden. Außerdem sind diese Staaten, bis hin zu kleinen Ländern wie Nordmazedonien, sehr intensiv in Wertschöpfungsketten verflochten, die letztlich in Deutschland oder anderen großen Staaten der Euro-Zone zusammenlaufen. Hinzu kommt, dass die Finanzsektkoren dieser Länder eng mit denen der Euro-Zone verwoben sind.

Mehr: Der Ex-Vizepräsident der EZB fürchtet eine Rezession, die von den USA ausgeht. Im Interview sagt er: Europa müsse ein Bollwerk dagegen errichten und den Euro stabilisieren.

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