Bitcoin

Die ungewöhnliche Aktion beschert der Freikirche in Zürich Spenden aus aller Welt.

(Foto: Reuters)

Freikirche in Zürich Ach du heiliger Bitcoin!

Eine Kirche in Zürich akzeptiert nun auch Spenden, die mit virtuellen Währungen wie dem Bitcoin bezahlt werden. Spenden kommen aus der ganzen Welt. Dabei hat die Bibel auch einen weisen Rat für Bitcoin-Investoren parat.
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Wenn’s ums Geld geht, spart die Bibel nicht mit Ratschlägen: „Der Gerechte ist barmherzig und gibt“, heißt es im Alten Testament. Und Jesus selbst soll gesagt haben, dass Geben seliger als Nehmen ist. Über die Währung, die Christen dabei benutzen sollen, hat er sich allerdings nicht geäußert. Und so gibt es in Zürich nun die erste Kirche, die digitales Neuland betritt: Die Freikirche namens „International Christian Fellowship“ (ICF) akzeptiert seit Kurzem auch Spendengelder in Bitcoin und anderen virtuellen Währungen.

Die Idee dazu sei von einigen Kirchgängern gekommen, die selbst mit virtuellen Währungen handeln, berichtet Nicolas Legler, Geschäftsführer der ICF Zürich. „Wir wollten das Thema Kryptowährungen aufgreifen, weil wir uns als Kirche am Puls der Zeit verstehen“, sagt Legler dem Handelsblatt. Wer spenden will, kann dazu neben dem Bitcoin auch die Kryptowährungen Ether, Stellar, Ripple und Bitcoin Cash benutzen. Die Macher sehen darin keinen Widerspruch zur christlichen Lehre – und haben mit der Aktion unerwarteten Erfolg.

Virtuelle Währungen haben in den vergangenen Monaten einen wahren Boom erlebt: Alleine im Jahr 2017 legte der Bitcoin um 1200 Prozent zu, andere Kryptowährungen entwickelten sich sogar noch besser. Inzwischen mischen auch Profi-Investoren mit. Viele Anleger hoffen auf das schnelle Geld – und lassen sich dabei offenbar auch von drastischen Kurseinbrüchen nicht abschrecken.

Dass die Freikirche auch Kryptowährungen akzeptiert, sei legitim, sagt ICF-Geschäftsführer Legler. „Wir spekulieren ja nicht mit den Bitcoins, die wir als Spende erhalten.“ Die Spenden würden in Fiatwährung umgewandelt – also in gewöhnliche Schweizer Franken. „Wir wollen einfach, dass die Menschen die Möglichkeit haben, uns auch mit Kryptowährungen zu unterstützen“. Die Freikirche finanziert sich nach eigenen Angaben vollständig durch Spenden. Das jährliche Budget liegt bei sechs Millionen Franken.

Bei ihren Methoden geht die Freikirche mit der Zeit: Statt langweiliger Predigten gibt es „Celebrations“ mit moderner Musik, danach kommt der „Sunday Hangout“ mit DJ. Die ICF betreibt sogar ein eigenes TV-Programm, in dem Gründer Leo Bigger regelmäßig auftritt. Trotz der zeitgemäßen Präsentation pocht die ICF auf „biblische Grundlagen“ – und damit auch um heile Familien mit klarer Rollenverteilung. In Schulungsmaterial der Freikirche heißt es etwa, homosexuelle Gefühle seien „nicht ein sexuelles Problem, sondern die Folge von ungelösten Fragen in der persönlichen Identität“. Das Konzept kommt offenbar trotzdem an: Im Schnitt werden die die Gottesdienste jedes Wochenende von rund 3200 Menschen besucht.

Mit ihren modernen Methoden sorgt die ICF bei anderen Kirchen mitunter für Kritik. Oft wird der Freikirche vorgeworfen, Mitglieder anderer Kirchen abzuwerben. „Die moderne Art und Weise, wie wir die Bibel und die heilige Botschaft weitergeben, wird manchmal als aggressives Marketing missverstanden“, sagt Nicolas Legler. „Wir wollen einfach die Sprache der heutigen Generation sprechen.“ Und diese Sprache kommt offenbar gut an: Legler berichtet von Spenden aus aller Welt, weil die Aktion international für Aufsehen gesorgt hat. Selbst die amerikanische „Newsweek“ hat über die Bitcoin-Kirche berichtet.

Ob etwas göttlicher Beistand den leidgeplagten Bitcoin-Investoren helfen wird? Über virtuelle Währungen schweigt sich die Bibel zwar aus, aber für Glücksritter, die aufs schnelle Geld aus sind, hält sie einen weisen Ratschlag parat: „Hastig errafftes Gut zerrinnt“, heißt es darin. „Wer aber ruhig sammelt, bekommt immer mehr.“

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