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Geldpolitik Wie Trump die Angst vor einem Währungskrieg schürt

US-Präsident Trump wirft Europäern und Chinesen vor, ihre Währungen zu manipulieren. Das schürt Ängste vor einem Währungskrieg – das Risiko ist beträchtlich.
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Trump spricht sich schon seit Längerem für einen schwächeren Dollar aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft auf den Exportmärkten zu verbessern. Quelle: dpa
Donald Trump

Trump spricht sich schon seit Längerem für einen schwächeren Dollar aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft auf den Exportmärkten zu verbessern.

(Foto: dpa)

Frankfurt Für US-Präsident Donald Trump ist die Sache klar. Aus seiner Sicht manipulieren Europa und China ihre Währungen. Sie „spielen das große Manipulationsspiel und pumpen Geld in ihr System, um mit den USA zu konkurrieren“, schrieb er jüngst auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Gleichzeitig schlug er vor, die USA sollten dasselbe tun, sonst seien sie „die Dummen, die sich zurücklehnen und höflich zugucken, wie andere Staaten ihre Spielchen spielen“.

Trumps Drohungen kommen zu einem sensiblen Zeitpunkt. Jüngst haben die Europäische Zentralbank (EZB) und US-Notenbank (Fed) eine Wende in der Geldpolitik angedeutet und wollen diese nun noch weiter lockern. In der Regel beeinflusst das auch den Wechselkurs der Währungen.

Trump spricht sich schon seit Längerem für einen schwächeren Dollar aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft auf den Exportmärkten zu verbessern. Seine Regierung hat Strafzölle gegen Länder vorgeschlagen, die angeblich ihre Währungen manipulieren.

Dass es der US-Präsident ernst meint, zeigt die Tatsache, dass er seit seinem Amtsantritt bereits Zölle gegen verschiedene Länder wie China verhängt. Ein schwächerer Dollar soll verhindern, dass Zölle gleich wieder durch Wechselkursverschiebungen neutralisiert werden.

„Trump ist sehr stark auf den Wechselkurs fixiert und sieht ihn als Instrument, um das US-Handelsdefizit zu reduzieren“, sagt Esther Reichelt, Devisenexpertin der Commerzbank. „Die Gefahr eines Währungskriegs ist definitiv gestiegen.“

Rein formell sind die USA an die Erklärung der G20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer von 2018 gebunden, wonach die Staaten auf Abwertungen verzichten wollen. Angesichts der schwächelnden Konjunktur dürfte jedoch die Verlockung größer werden, sich durch Abwertungen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen – und so die eigene Wirtschaft zu stimulieren.

„Es gab einen internationalen Konsens, Währungskriege zu verhindern. Dieser Konsens bröckelt jetzt“, sagt Reichelt. Dass sich Politiker zur Höhe des Wechselkurses äußern würden, sei lange Zeit ein Tabu gewesen.

Ein wichtiger Faktor dabei sind die aktuellen Handelskonflikte. Erklärtes Ziel von Präsident Trump ist es, das hohe Außenhandelsdefizit der USA zu senken. Doch Zölle allein ändern daran vermutlich nur wenig.

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Agustin Carstens, der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, glaubt, dass die Einführung eines Zolls zu einem Gegeneffekt im betroffenen Land führt. „Die Währung wertet ab.“ Deswegen seien Handelskriege so schädlich. „Letztendlich stellt sich der erhoffte Effekt im Handel gar nicht ein.“ Insofern hat Trumps Fokus auf den Wechselkurs durchaus eine gewisse Logik.

Die Frage ist jedoch, inwieweit sich dieser von politischer Seite überhaupt beeinflussen lässt. Schließlich sind der Dollar und der Euro frei handelbar, und ihr Wechselkurs bildet sich am Markt. Die US-Regierung erhöht bereits den Druck auf andere Länder. So hat das US-Handelsministerium vorgeschlagen, Anti-Dumping-Abgaben gegen Länder zu verhängen, die ihre Währung aus amerikanischer Sicht künstlich niedrig halten.

Das US-Finanzministerium wiederum hat die Liste von Ländern erweitert, deren Währungspraktiken es beobachtet. Bisher lag der Fokus auf den zwölf wichtigsten Handelspartnern der USA – künftig geht es um alle Länder, deren Handelsvolumina mit den USA die Schwelle von 40 Milliarden US-Dollar übersteigen. Neben Deutschland, China und Japan stehen jetzt beispielsweise auch Italien und Irland auf der Liste.

Für die Einstufung eines Landes als Währungsmanipulator sind drei Kriterien entscheidend: Erstens muss es einen signifikanten Handelsüberschuss gegenüber den USA aufweisen, zweitens einen beträchtlichen Leistungsbilanzüberschuss erzielen, also einen positiven Saldo im Handel von Gütern und Dienstleistungen mit dem Ausland, und drittens muss es Beweise geben, dass es am Devisenmarkt interveniert.

Druck auf die Notenbank

Viele Ökonomen halten diese Maßstäbe für sehr fragwürdig. „Die Kriterien für die Liste sind willkürlich“, sagt Salomon Fiedler, Währungsexperte am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Aus seiner Sicht sagt zum Beispiel die bilaterale Güterhandelsbilanz wegen der Kreislaufbeziehungen im Welthandel kaum etwas darüber aus, ob der Wechselkurs einer Währung zu niedrig ist.

So kommen zum Beispiel viele Einzelteile in deutschen Autos, die in die USA exportiert werden, aus Osteuropa. Auch den Leistungsbilanzsaldo hält Fiedler für problematisch: „Er hängt unter anderem von der Altersstruktur eines Landes und den damit verbundenen Sparbedürfnissen ab“, sagt er.

Bislang erfüllt kein Land alle drei Kriterien, die für die Einstufung als Währungsmanipulator nötig sind. Allerdings haben die USA zuletzt den Schwellenwert abgesenkt. So gilt neuerdings bereits ein Leistungsbilanzüberschuss von mehr als zwei Prozent der Wirtschaftsleistung als zu hoch, früher waren es drei Prozent. Nun fürchten viele, dass die Kriterien so weit gesenkt werden könnten, dass die USA tatsächlich einzelne Länder als Währungsmanipulatoren einstufen. Der nächste Report dazu erscheint im Oktober.

Auch im neuen Handelsvertrag mit Mexiko und Kanada haben die USA erstmals Regelungen zum Wechselkurs verankert. Die Länder verpflichten sich, auf Manipulationen zu verzichten. Außerdem sind Verfahren vorgesehen, um dies rechtlich durchzusetzen.

Neben dem Druck auf andere Länder könnte Trump den Dollar-Kurs direkter beeinflussen, indem er versucht, die US-Notenbank (Fed) für seine Zwecke einzuspannen. So fordert der Präsident bereits seit geraumer Zeit Fed-Chef Jerome Powell zu Zinssenkungen auf, was tendenziell den Dollar schwächen würde. Devisenexpertin Reichelt glaubt, dass Trump eventuell sogar noch weiter gehen könnte. „Zum Beispiel durch die Nominierungen für das Führungsgremium der Fed oder Drohungen, Powell zu entlassen.“

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So hat Trump für freie Positionen im Führungsgremium der Fed zuletzt mit Christopher Waller und Judy Shelton zwei sehr umstrittene Kandidaten vorgeschlagen, die beide als starke Anhänger von Zinssenkungen gelten. Auch wenn in dem Gremium nach wie vor viele fachlich anerkannte Experten sitzen, würde sich so die Machtbalance etwas im Sinne des US-Präsidenten verschieben.

Außerdem soll Trump gegenüber Vertrauten gesagt haben, dass er Powell entlassen könne. Das Gesetz ist in dieser Frage nicht eindeutig. Es heißt, dass dafür ein Grund vorliegen muss. Ob ein Streit über die Zinspolitik ausreicht, ist fraglich. Allein eine Diskussion darüber könnte aber das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Fed beschädigen und den Dollar schwächen.

Reichelt hält es sogar für möglich, dass Trump auch Interventionen am Devisenmarkt anordnen könnte. Allerdings hat das US-Finanzministerium dafür nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung. Der hierfür vorgesehene Exchange Stabilization Fund (ESF) beläuft sich auf gerade mal 90 Milliarden US-Dollar.

„Wirklich effektiv wären Interventionen wohl nur, wenn die Fed dabei mitzieht“, sagt Reichelt. Aktuell spricht angesichts des Streits zwischen Trump und Powell wenig dafür. „Um den Wechselkurs langfristig zu beeinflussen, wäre Trump auf die Hilfe der Fed angewiesen“, meint auch IfW-Ökonom Fiedler. Die Notenbank werde sich aber nicht einfach seinen Wünschen fügen.

Die beiden Analysten Chris Turner und Francesco Pesole von der niederländischen Großbank ING, bringen noch eine andere Option ins Spiel. In einem Blogbeitrag verweisen sie darauf, dass die USA nur über sehr geringe Devisenreserven verfügen. Sie machen lediglich 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Wegen des Status des Dollars als weltweite Leitwährung benötigen die USA sie eigentlich nicht. Würden sie ein ähnliches Niveau an Devisenreserven zum Bruttoinlandsprodukt wie die Euro-Zone anstreben, bräuchten sie zusätzliche Devisen im Wert von etwa 400 Milliarden Euro, schreiben Turner und Pesole.

Kritik an der EZB

Auch wenn es nicht einfach ist, den Wechselkurs zu beeinflussen, gibt es also einige Möglichkeiten dafür. Und selten war die Gefahr so groß wie jetzt, dass sie zum Einsatz kommen. Das hängt vor allem auch mit der Geldpolitik zusammen, die in den kommenden Monaten für viel Streit sorgen könnte.

Wie genau Trump die Schritte der Europäischen Zentralbank (EZB) verfolgt, hat er vor Kurzem nach der Rede von Mario Draghi im portugiesischen Sintra gezeigt. Der EZB-Chef hatte dort eine weitere Lockerung der Geldpolitik im Euro-Raum in Aussicht gestellt und darauf verwiesen, dass sowohl Zinssenkungen als auch zusätzliche Anleihekäufe möglich seien.

Kurz darauf schrieb Trump auf Twitter: „Mario Draghi kündigte gerade an, dass weitere Impulse kommen könnten, die den Euro gegenüber dem Dollar sofort fallen ließen.“ Dies mache es für Europa unfairerweise leichter, mit den USA zu konkurrieren. „Sie sind damit seit Jahren durchgekommen, zusammen mit China und anderen.“ 

Tatsächlich kann die Geldpolitik den Wechselkurs stark beeinflussen. Als EZB-Chef Draghi im August 2014 in einer Rede im amerikanischen Jackson Hole massive Anleihekäufe in Aussicht stellte, wertete der Euro in den acht Monaten danach um etwa 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab. Falls die EZB auf ihrer nächsten Sitzung Ende Juli die Zinsen senken oder im September neue Anleihekäufe beschließen sollte, bestehe die Gefahr, dass die US-Regierung reagiert, schreiben die ING-Analysten Turner und Pesole.

Das wiederum würde die EZB in eine schwierige Position bringen. Obwohl sie ähnlich wie die Fed kein Wechselkursziel verfolgt, hat das Austauschverhältnis der Währungen Einfluss darauf, ob sie ihr Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent für den Euro-Raum erreicht.

Wertet der Euro auf, dämpft dies das Wachstum und die Inflationsentwicklung im Euro-Raum. „Wenn die USA den Dollar drücken und der Euro aufwertet, müsste auch die EZB reagieren. Das könnte einen Kreislauf in Gang setzen“, warnt Devisenexpertin Reichelt.

Ob es tatsächlich so weit kommt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Gerade in Phasen, in denen die Notenbanken die Geldpolitik gelockert haben, wurde auch in der Vergangenheit oft vor der Gefahr eines Währungskriegs gewarnt – ohne dass es tatsächlich dazu gekommen ist. Zu groß war die Angst, dass bei einem Abwertungswettbewerb am Ende alle Länder verlieren. Im Unterschied dazu ist ein solcher Konsens heute vor allem durch die schwelenden Handelskonflikte noch schwerer geworden.

Mehr: Trump ist kein großer Freund von neuen Digitalwährungen wie Facebooks „Libra“. Doch auch aus anderen Ländern gibt es massive Kritik.

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