Gold unter Druck Ein Edelmetall auf dem Weg zur Risikoanlage

Das Edelmetall galt immer als sicherer Hafen. Doch nun muss Gold um seinen Ruf bangen. Für die jüngste Abneigung von Investoren gibt es gleich mehrere Gründe. Analysten bleiben dennoch vorerst entspannt.
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Sogar der Schmuckankauf erlebte durch die hohen Goldpreise einen wahren Boom - bis jetzt. Quelle: dapd

Sogar der Schmuckankauf erlebte durch die hohen Goldpreise einen wahren Boom - bis jetzt.

(Foto: dapd)

FrankfurtGold kostete schon 1 920 Dollar je Unze - Rekordhoch im letzten Herbst. Jetzt sind es 1 570 Dollar. "Im Moment bin ich Seelentröster für verunsicherte Goldanleger", sagt Ronald Stöferle, Goldanalyst bei der Ersten Bank in Wien. Dabei hieß es immer, Gold sei ein sicherer Hafen. Der Metallpreis sollte in der eskalierenden Euro-Schuldenkrise erst recht steigen. Doch gegenüber dem Top war die Unze vor wenigen Tagen um fast 400 Dollar billiger geworden, ehe sie sich leicht erholt hat.

Aus internationaler Sicht läuft der Dollar dem Gold den Rang als sicherer Hafen ab. Historisch gesehen haben beide Währungen immer konkurriert - auch das Gold sehen Investoren oft als Währung. Momentan steigt der Dollar. Das belastet daher den Goldpreis.

Auch die Wahrnehmung der Investoren scheint sich geändert zu haben. "Im Moment sehen sie Gold als Risikoanlage, wie Aktien, und deshalb fallen beide", sagt Philip Klapwijk von der Edelmetall-Analysefirma GFMS in London. Manche Verkäufe seien außerdem erzwungen: "Das ist ähnlich wie 2008 nach der Lehman-Pleite." Das sieht auch James Turk so, Gründer der Metallhandelsfirma Goldmoney: "Viele Investoren haben Liquiditätsnot und verkaufen deshalb andere Positionen - auch Gold."

Auch ein anderer Kaufgrund zieht nicht mehr. Bisher galten negative Realzinsen als großes Plus für Gold, weil Zinsanlagen als Alternative unattraktiv werden. "Aber obwohl die Menschen mit Tagesgeldkonten oder kurz laufenden Anleihen nach Einrechnung der Inflation Geld verlieren, suchen sie hier jetzt Sicherheit", sagt Robert Hartmann, Geschäftsführer des Goldhandelshauses Pro Aurum. Warum das so ist, das kann Hartmann nur vermuten: "Vielleicht haben die Leute einfach Angst vor den Preisschwankungen - deshalb kaufen sie auch keine Aktien."

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8 Kommentare zu "Gold unter Druck: Ein Edelmetall auf dem Weg zur Risikoanlage"

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  • ..was für ein Blendartikel! Liebes HB..der Euro wird wahrscheinlich auf Dollar-Parität fallen, d.h. in Euro werdenm Silber und Gold enorm aufwerten. Und wenn die Anleihenblase in der EU und den USA platzt, dann gute Nacht!

    Wer sein Vermögen sichern möchte, sollte regelmäßig physisch Edelmetalle kaufen und in kleinem Rahmen auch Aktien, weilche eine Inflation bzw. Deflation gut überstehen werden!

  • svro86,

    du hast völlig recht. Es hängt immer von den umständen ab, was top ist und was nicht. Gerade deshalb streut man breit um Risiken zu minimieren und Chancen zu optimieren - Multi-Assetstrategie.
    Auf die schnelle hab ich auf den Blog etwas zu diesen Thema: http://financial-personal-trainer.trust-wi.de/2012/04/was-ist-multi-asset-strategie/
    Mit der Streuung sieht man alles entspannter, weil man weiß, dass man in jeder Anlageklasse vertreten ist und bei der Top-Anlageklasse vertreten ist.

  • Der Dax stand Ende 1961 übrigens bei 489,79 Punkten (Quelle Wikipedia).
    Eine Unze Gold kostete damal genau 35 Dollar und die DM stand genau bei 4,00 Dollar (umgerechnet in Euro 2,045 Euro). Also kostete 1 Uz Gold 71,58 Euro.

    Heute steht der Dax bei 6330 Punkten und der Goldpreis bei 1255 Euro.

    Ergibt bei 50,407 Jahren eine Rendite für den Dax von p.a. 5,208%.

    Fürs Gold von 5,846% p.a.

    Aktiengewinne muss man verteuern, Gold ist nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei.

  • Jedesmal wenn ich mir solche Artikel zu "Risikoreichen" Anlagen durchlese fällt mir dazu nur ein, dass das Risiko ganz allein von der wirtschaftlichen Situation abhängt.

    Je nachdem wie die Wirtschaft läuft sind im Schnitt mal Aktien, mal Unternehmensanleihen, mal Staatsanleihen, mal Rohstoffe und mal Geldmarktanlagen riskant oder sicher. Selbst Zertifikate und Innovative Finanzinstrumente sind nicht sofort Riskant sondern erst mit den dahinterstehenden Sachverhalten bzw. falscher Einschätzung der aktuellen Sachverhalte.

    Gerade Anlagen wie physische Rohstoffe oder Firmenbeteiligungen (Aktien, GmbH-Gesellschafter etc) sind aufgrund des nicht-vorhanden-seins von Verfalls- bzw. Ablauffristen extrem Risikoarm wenn auch volatil was eher ein problem des Einstiegszeitpunktes mit sich bringt als ein tatsächliches Risiko.

    Wer spät auf den Zug aufspringt hat nunmal nicht viel von der Fahrt ...

  • Übrigens sind im Dax schon die Dividenden eingerechnet, sogar zu 100% ohne Steuerabzug.

    Das nennt sich dann Performenceindex.

    Der Eurostoxx, Dow Jones und S&P500 sind z.B. Kursindices, also ohne Dividendenberücksichtigung.

  • In weiten Kreisen der deutschen Bevölkerung galten Aktien genau wie Gold schon immer als Risikoanlage.

    Übrigens: Wenn man die jährlichen Dividendenausschüttungen miteinberechnet sieht auch der Dax garnicht mal so Böse aus.

  • In welcher Welt leben Sie denn? Gold eine Risikoanlage? Seit 9 Monaten kosteten 1 kg Gold um die 40000 Euro und hat sich damit in den letzten Jahren verachtfacht. Sachwerte (Immobilien, Gold, Silber...) sind derzeit die sicherste Investion die es gibt und ich empfehle jedem sein Vermögen von den Banken, die das Geld ihrer Kunden im Spielkasino verzockt abzuheben, bevor es zuspielt ist!

  • Frankfurt. Die Aktien des DAX lagen schon bei 8152 Punkten – Rekordhoch im Juli 2007. Jetzt sind es 6300. Dabei hieß es immer, Aktien würden auf lange Sicht immer steigen. Die Aktienpreise sollten in Zeiten des billigen, unendlichen Geldes erst recht steigen. Doch gegenüber dem Top war der Dax heute -22,7% im Minus.

    Sind Aktien nun auf dem Weg zur Risikoanlage?

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