Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Goldexperten im Dialog mit den Lesern Die Mythen des Goldpreises im Realitätscheck

Gold ist umwoben von Sagen und Gerüchten - umso mehr, seit es Anlegern hohe Gewinne beschert. Auch die Leser von Handelsblatt Online haben ihre Vermutungen zu den Geheimnissen der Goldanlage. Zwei Experten kommentieren.
48 Kommentare
Gold - kaum eine Geldanlage spaltet so sehr die Gemüter. Quelle: dpa

Gold - kaum eine Geldanlage spaltet so sehr die Gemüter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfZu Gold hat jeder eine Meinung. Es ist kein kompliziert gestricktes Finanzprodukt, sondern ein einfaches Stück Metall – das versteht jeder. Man kann es greifen, anders als eine Aktie oder gar eine verbriefte Kreditausfallversicherung  – das beruhigt die Nerven, die an der Börse leicht blank liegen können. Und es hat vielen Anlegern in den vergangenen Monaten traumhafte Gewinne gebracht, sodass von Börsenlaien bis Vermögensverwaltern alle eingestiegen sind.

Die Leser von Handelsblatt Online warten in ihren Kommentaren mit ganz eigenen Meinungen über das beliebte Edelmetall auf. Aber was ist Wahrheit und was ist Fantasie? Goldexperte und –Händler Martin Siegel glaubt, dass er einige dieser „Gerüchte“ über Gold selbst in die Welt gesetzt hat. Für Handelsblatt Online reagiert er auf die Kommentare unserer Leser. Andreas Beck, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau, gibt Kontra.

Halten Staaten den Deckel auf den Goldpreis?

Nutzer „Kalle“: „Ohne staatliche Drückungen läge das Gold schon bei mindestens 5000 Dollar pro Unze. Dann wäre das Ende vom Dollar gekommen, der soll aber langsamer abwerten gegen Gold!“
Nutzer „analytiker“: „Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die 'versteckte' Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte.“ –

Martin Siegel:

Bis 2005 würde ich uneingeschränkt bejahen, dass Gold staatlich gedrückt wurde. In den 90er-Jahren haben Zentralbanken massiv Gold verkauft und so mit einem größeren Angebot die Preise niedrig gehalten. Die Bank of England zum Beispiel hat öffentlich ihre Verkaufspläne verkündet, Tage später aber erst durchgeführt. Durch den Schreck für die Anleger und die eigenen massiven Verkäufe hat die britische Zentralbank den Preis damit strategisch doppelt belastet.

Mit dem „Washington Agreement on Gold” haben sich viele Zentralbanken 1999 allerdings eingeschränkt, nicht mehr als eine bestimmte Menge an Gold zu verkaufen. Zwischenzeitlich wurde diese Menge nicht mehr ausgeschöpft, jetzt gibt es sogar wieder Käufer unter den Notenbanken.

Für Zentralbanken ist es einfach nicht mehr vertretbar, in großen Mengen Gold zu verkaufen. Außerdem machen Investmentbanken immer höhere Prognosen für das Edelmetall, was bedeutet, dass sie keine großen Short-Positionen mehr haben dürften.

Andreas Beck:

Das ist eine klassische Verschwörungstheorie. Weder heute noch in der Vergangenheit haben Banken und Regierungen den Goldpreis gedrückt.

Fazit:

Egal, was in der Vergangenheit war – heute hält keiner den Deckel auf den Goldpreis.

Kann Gold überhaupt überbewertet sein?

Nutzer „berand“: „Wenn es richtig ist, dass Gold das ultimative Tauschmittel ist, dann halte ich es für undenkbar, dass es bei Gold eine Blase geben kann. Eine Blasenbildung bei einem indirekten Tauschmittel ist logisch unmöglich.“

 

Martin Siegel:

Es gab schon einmal eine Goldblase, und es hat über 20 Jahre gedauert, bis sich der Preis erholt hat. Messen lässt sich das daran, was man zu einer bestimmten Zeit mit seinem Gold anfangen kann, denn Gold steht mal in einem guten, mal in einem schlechten Tauschverhältnis zu den Waren, die wir zum Leben brauchen. Demnach kann es auch überbewertet sein.

Andreas Beck:

Es ist ein typisches Merkmal einer Blase, wenn Menschen etwas kaufen, das sie nicht brauchen, nur weil sie in der Zukunft einen Absturz vermuten. Gold hat keinen Nutzen in der Industrie. Die Förderung ist umweltschädlich und verläuft oft unter menschenverachtenden Bedingungen – und am Ende versteckt man es wieder irgendwo unter der Erde. Ich denke, wir werden auch wieder einen Goldpreis von 200 Dollar sehen, wenn die Anleger merken, wie wenig sie mit ihrem Gold anfangen können.

Fazit:

Auch wenn die Leitwährungen unseres Finanzsystems noch so schwach sind – relevant ist, wie sie im Verhältnis zum Gold stehen. Und wie jedes andere variable Tauschverhältnis kann auch dieses gelegentlich in die eine oder andere Richtung übertrieben sein.

Ist Gold die einzig wahre Währung?

Nutzer „CharlyW.“: „Gold ist das Urgeld, deshalb sind wir auch entwöhnt worden. Allmählich wachen nun einige Schafe auf und stellen fest, Papier wird zu Papier, nur Gold bleibt Geld.“
Nutzer „Michellandbewohner“: „Ans Verkaufen [von Gold] kann man erst in einer neuen, wie auch immer stabilen oder wertgedeckten Währung denken.“
Nutzer „Kalle“: „Erst wenn Gold und Silber Zahlungsmittel geworden sind, kann gegen Realwerte getauscht werden, aber erst dann. Der Wert wird an der Kaufkraft gemessen und nicht an irgendeinem Papierschnipsel.“

 

Martin Siegel:

Auch wenn Wahres dran ist – die Anleger haben von der Definition nichts, dass Gold die einzig beständige Währung ist. Gold wird immer im Verhältnis zu anderen Währungen gemessen, und Währungen werden jeden Tag gebraucht. Selbst wenn es zu einer goldgedeckten Währung kommen sollte, können Anleger nicht unbedingt den Zeitraum überbrücken, bis wir dort ankommen.

Andreas Beck:

Es ist ein grundsätzliches Missverständnis, dass Gold eine dauerhafte Währung sei – überhaupt gibt es kein einziges Volk, das Gold als Zahlungsmittel verwendet. Wer sich gegen kranke Währungen schützen will, fährt am besten mit Staatsanleihen in stabilen Währungsräumen wie Norwegen. Das Risiko, dass der Goldpreis verfällt, ist exorbitant höher, als das, dass eine norwegische Anleihe ausfällt.

Fazit:

Noch gibt es weder Bäcker noch Tankstellen, die ihre Waren an der Kasse gegen Gold hergeben. Wer also heute überraschend Bares braucht, muss zum aktuellen Goldpreis sein Edelmetall gegen Scheine und Münzen tauschen, egal, was die „wahre Währung“ ist.

Wenn auch Gold verfällt, sind wir dann wieder beim Bauernstaat angekommen?

Nutzer „DerDude“: Was nutzt Euch euer Gold, wenn’s wirklich hart auf hart kommt? Da es in der Zukunft ja kein Papiergeld mehr gibt, ist wohl Tauschhandel das Zauberwort.“
Nutzer „donolli“: In solch einer Situation sollte man eigene landwirtschaftliche Fläche haben. Denn wir brauchen alle Brot und Wasser, und das für seine Familie zu sichern ist das Gebot der Stunde!“

 

Martin Siegel:

Die Ängste gehen einfach zu weit. Selbst wenn einige Währungen zusammenbrechen, verschwindet deshalb nicht unsere Industrie samt unserem Fortschritt.

Andreas Beck:

Es ist Etikettenschwindel, dass Gold eine Sicherheit ist. Wenn unser System zusammenbricht, wen interessiert es dann, dass man auf seinen Barren Besitzansprüche erhebt? Wer sich außerdem für den schlimmsten Fall noch ein Stück Ackerland kauft, hat auch in „Papier“ investiert, denn wie beim Gold existiert dieser Besitz nur auf einem Vertrag.

Privateigentum ist ein Vertrag, und den schützt ein funktionierender Rechtsstaat. Die Kraft dieses Rechtsstaats wird stark unterschätzt – stattdessen scheint es vielen Spaß zu machen, an den Weltuntergang zu glauben.

Fazit:

Der Einbruch des Goldpreises kommt nicht wie die apokalyptischen Reiter daher und läutet das Ende unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsform ein.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Goldexperten im Dialog mit den Lesern - Die Mythen des Goldpreises im Realitätscheck

48 Kommentare zu "Goldexperten im Dialog mit den Lesern: Die Mythen des Goldpreises im Realitätscheck"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Qualitätsaktien ? Welche Firma ist heute noch das wert, was auf dem Papier steht ? Wieviele haben ebenso viel Schulden wie Marktwert ? Wieviele Firmen haben alles Firmeneigentum verkauft und zurückgeleast/gemietet ?

    Unternehmen können in Inflationszeiten zwar Rendite abwerfen, aber in Deflationszeiten (heute!) bankrott gehen oder Rezessionen durchlaufen.

  • Hmm, der Beck scheint mir komplett enthirnt. Und sowas darf im Handelsblatt herumschwurbeln?? Kein gutes Bild, Mainstream eben, durchhalteparolen bis zum bitteren Ende. Woran erinnert mich das bloß....?

  • Ich finde es lustig: Alle sehen beim Gold eine Blase. Bei Staatsanleihen, Derivaten, Zertifikaten, überkauften Aktien, kreditgetriebenen Immobilien usw. keine.

    Keine Frage, Gold wird die Liebe zu seinen Verehrern noch testen wollen, bevor es weiter steigt. ;-)

    ALLE die jetzt Gold verschmähen und verspotten, werden sich, wenn die zyklisch, mathematisch unvermeidbare grosse Umverteilung zuschlägt, in den Allerwertesten reinbeissen und vor Neid erblassen, wenn andere mit Gold einen Teil ihrerer Ersparnisse retten konnten.

    Würde der Goldpreis nur durch Angebot/Nachfrage nach physischer Ware gebildet werden, wäre er längst bei jenseits der 10000 US$ Marke. Der Preis wird verwässert durch Papiergold. Über 90% des Goldes wird in Papier gehandelt, nicht einmal 10% dieser 90% sind aber tatsächlich physisch lieferbar.

    Interessiert es heute kurzfristig orientierten Zocker-Spekulaten noch in was sie eigentlich investieren? Ist doch Wurst, solange die Rendite stimmt. Ich schätze bis 1700US$/oz waren noch nicht viele Zocker im Goldmarkt. Jetzt drängen Sie langsram vermehrt rein...

    Den Goldpreis in US$ oder € zu messen ist ohnehin eine Farce. Das ist so als ob man versucht die Höhe einer Mauer mit einem flexiblen Gummimaßband, das immer mehr auslaiert, abzumessen...

  • Die Welt entwickelt sich nicht weiter, sie dreht sich weiter. Klartext: Es verläuft alles in Zyklen, am Anfang/Ende steht immer wieder das Gold. Noten- bzw. Zentralbanken wissen das, deshalb halten sie Goldreserven. Wir müssen lernen hier sehr viel langfristiger zu denken, über Generationen, Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg.

  • Ganz einfach: Es sind keine Schulden auf dem Gold, es hat immer einen Materialwert. Beim Papier kann der Schuldner zahlungsunfähig und -unwillig werden, beim Gold gibt es keinen Schuldner auf der Gegenseite. Da Gold viel seltener ist als Papier, kompakter, unzerstörbarer etc., hat es logischerweise auch einen höheren inneren Wert als Papier.

  • Die Unsicherheit geht ? Wie denn ohne Schuldenschnitt, Währungsreform, Hyperinfla/deflation etc. ? Es darf gelacht werden... hier glaubt noch einer an den Weihnachtsmann. Zuviel Spiegel gelesen und TV-Debatten verfolgt und dadurch den Verstand vernebeln lassen ?

  • In den Kommentaren der Goldfreunde ist neben der Borniertheit eine Menge Aggressivität. Diese lässt sich nur durch Angst erklären. Und die ist auch berechtigt in der Goldblase. Einfache Begründung: Mehr als 50% der geförderten Goldes sind wirtschaftlich sinnlos! Oder sollte hier nochmal der Unterschied zwischen Value- und Growth Investments diskutiert werden. Das ist doch eigentlich durch seit dem Platzen der NEMAX Blase.

  • Ich habe mich entschlossen, ein Buch zu schreiben. Titel:
    Die Expertise des Narren !!

  • Der Experte Herr Dr.Beck hat sich schon einmal 2007 in der Prognose von Zertifikaten versucht:
    Anlagezertifikate im Härtetest
    http://www.institut-va.de/iva838/data/19/93.pdf
    Das war auch nichts. Peinlich - peinlich!

  • Ach Leute, was regt Ihr euch über diese Papierexperten auf. Das sind wunderbare Kontraindikatoren. Der innere Wert von Gold liegt bei ca. 1.000 Dollar. Der ergibt sich aus den Produktionskosten. Maschinen, Arbeit, Extrahierung etc. Wenn ein sogenannter Goldexperte meint, der Goldpreis wird auf 200 Dollar fallen. Hahaha, dann würden alle Minen aufhören zu produzieren und die Ware verknappen. Wie hoch es letztendlich geht, hängt von der Masse des gedruckten Geldes ab, was die Zentralbanken für ihre Bailouts drucken werden. In der Waimerer Republik waren es am Schluss 4 Trillionen für eine Unze. Was freue ich mich, wenn diese Papieraffen auf dem Acker landen. Bald ist es soweit.

Alle Kommentare lesen