Goldpreis sinkt weiter Goodbye, Gold!

„Gold is over“: Während der Finanzkrise galt Gold als sichere Anlage, der Kurs brach einen Rekord nach dem anderen. Doch nach dem Absturz am Montag haben Experten den Glauben an die glänzenden Zeiten verloren.
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Experten: Finger weg vom Gold!

Berlin„Die letzte Bastion, umlagert“: Mit diesen Worten beschreiben die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley die Entwicklung des Goldkurses in den vergangenen Tagen. In einem Bericht an ihre Rohstoffanleger sprechen die Experten nun das aus, was sich spätestens seit Montag andeutete: Die Goldrally ist vorbei. Als Grund dafür sehen sie nicht nur die stockende Nachfrage aus China. Was war passiert?

Zurück zum Wochenanfang. Früh am Montagmorgen schockte ein Massenverkauf die Märkte: Binnen 60 Sekunden hatten Investoren im frühen asiatischen Handel Goldkontrakte mit einem Wert von mehr als 500 Millionen Dollar veräußert. Der Preis für den glänzenden Rohstoff fiel dramatisch um 20 Dollar auf 1.100 Dollar pro Unze. Selbst erfahrene Analysten hatten sich erstaunt über den schnellen Fall gezeigt. Hinzu meldete die Chinesische Volksbank, dass sie weit weniger Goldreserven hält als bisher angenommen. Auch das setzte dem Kurs zu.

Die Analysten von Morgan Stanley sehen trotzdem nicht das Reich der Mitte als Ursache für den Kurssturz. Die Ankündigung der People's Bank of China sei nur die letzte in einer Reihe von „Bären-Entwicklungen“ gewesen. Zunächst seien da die griechischen Schulden, die nun langsam neutralisiert würden. Damit spielen die Analysten auf das dritte Hilfspaket an, über das nun bald verhandelt werden soll – aber auch auf einen möglichen weiteren Schuldenschnitt.

Doch nicht nur die Streitigkeiten in Europa wirken sich negativ auf den Goldpreis aus. Die robuste US-Wirtschaft und die „drohende Zinserhöhung“, die sie bändigen soll, sorgten für einen starken Dollar. Und genau diese Kombination wiederum lässt den Goldpreis ebenfalls fallen. Hinzu kommt als dritter Punkt, dass die Minen radikal Betriebskosten minimieren, was der fallende Ölpreis begünstigt.

So schmieren die Aktien der Goldminen-Betreiber ab

SIBANYE GOLD LTD. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
ZAE000173951
Börse
L&S

+0,01 +2,45%
+0,52€
Chart von SIBANYE GOLD LTD. REGISTERED SHARES O.N.
Platz 10
1 von 10

Platz 10: Sibanye Gold

Sibanye Gold ist ein südafrikanischer Gold-Produzent und der zehngrößte der Welt. Im vergangen Jahr betrug der Output 49,4 Tonnen. Im Vergleich zu 2013 ist das eine Steigerung um 4,9 Tonnen. Allerdings geht der Goldpreis-Verfall auch an Sibanye nicht spurlos vorbei. In den vergangenen drei Monaten sackten die Aktien um über 38 Prozent ab. Zusätzlich belasten Sibanye Lohnverhandlungen und drohende Streiks der Minenarbeiter. Einziger Lichtblick ist der schwache Rand, der die Kosten südafrikanischer Gold-Produzenten 2014 um vier Prozent gesenkt hat.

Output: 49,4 Tonnen
Marktkapitalisierung: 1,51 Milliarden US-Dollar
Kursentwicklung (seit dem 1. Januar 2015): - 22,4 Prozent

Polyus Gold International Ltd

WKN
ISIN
JE00B5WLXH36
Börse
n. a.

Chart von Polyus Gold International Ltd
Platz 9: Polyus Gold
2 von 10

Russlands größter Gold-Produzent hat 2014 rund 52,8 Tonnen Gold gefördert. Die Steigerung zu 2013 hält sich aber mit 1,5 Tonnen in Grenzen. 2015 laufen die Geschäfte ebenfalls alles andere als rund. Die Einnahmen aus den Goldverkäufen sanken im zweiten Quartal des laufenden Jahres um acht Prozent auf 485 Millionen Dollar. Dementsprechend schwach laufen die an der Londoner Börse verzeichneten Aktien von Polyus Gold. In den vergangenen drei Monaten verloren die Papiere 11,5 Prozent.

Output: 52,8 Tonnen
Marktkapitalisierung: 8,23 Milliarden US-Dollar
Kursentwicklung: - 4,8 Prozent

GOLD FIELDS LTD. REGISTERED SHARES RC -,50

WKN
ISIN
ZAE000018123
Börse
L&S

+0,02 +0,87%
+2,09€
Chart von GOLD FIELDS LTD. REGISTERED SHARES RC -,50
Platz 8: Gold Fields
3 von 10

Der südafrikanische Gold-Produzent besitzt acht Minen in Australien, Ghana, Peru und Südafrika. Der Output der Minen betrug im vergangenen Jahr 63,6 Tonnen. Damit belegt Gold Fields hinsichtlich des Fördermenge den achten Platz im Ranking der größten Gold-Produzenten und setzt sich damit vor Polyus Gold, dass bezüglich der Marktkapitalisierung mehr als drei Mal so groß ist. An den Aktienmärkten sieht es allerdings weniger rosig aus. Seit Jahresanfang beträgt das Minus knapp 30 Prozent.

Output: 63,6 Tonnen
Marktkapitalisierung: 2,38 Milliarden US-Dollar
Kursentwicklung: - 27,1 Prozent

Platz 7: Navoi MMC

WKN
ISIN
Börse

Chart von Platz 7: Navoi MMC
Platz 7: Navoi MMC
4 von 10

(kein Chart, weil nicht an Aktienmärkten notiert)

Das 1958 gegründete usbekische Staatsunternehmen hat Schätzungen zufolge im vergangenen Jahr 73 Tonnen Gold hervorgebracht. Im Vergleich zu 2013 konnte der Output um 2,5 Tonnen gesteigert werden. Insgesamt beschäftigt Navoi MMC 67.000 Mitarbeiter. 2011 lag Umsatz bei 3,5 Milliarden Dollar.

Output: 73,0 Tonnen

NEWCREST MINING LTD. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
AU000000NCM7
Börse
L&S

+0,04 +0,30%
+12,18€
Chart von NEWCREST MINING LTD. REGISTERED SHARES O.N.
Platz 6: Newcrest Mining
5 von 10

Der asiatische und westafrikanische Raum gehört zu den Operationsgebieten von Newcrest Mining. Neben Minen im australischen Heimatmarkt betreibt der Gold-Produzent unter anderem Minen in Papua New Guinea, Indonesien und der Elfenbeinküste. Der Fördermenge betrug im Vorjahr 72,4 Tonnen. 2013 lag sie noch bei 73,5 Tonnen. Ungünstige Währungsverhältnisse senken die Anreize bei Newcrest Mining mehr Gold zu fördern. „Der Goldpreis in australische Dollar fällt sehr viel schneller als der australische Dollar. Das ist es, was die Gold-Produzenten belastet“, erklärt der australische Rohstoffexperte David Lennox. Die Aktien von Newcrest Mining halten sich vor diesem Hintergrund erstaunlich robust. Seit Jahresanfang gehören die Papiere des Konzerns zu den wenigen Gold-Produzenten, deren Wert zugelegt hat.

Output: 72,4 Tonnen
Marktkapitalisierung: 7,12 Milliarden US-Dollar
Kursentwicklung: + 9,0 Prozent

KINROSS GOLD CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
CA4969024047
Börse
L&S

+0,03 +1,12%
+2,54€
Chart von KINROSS GOLD CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Platz 5: Kinross Gold
6 von 10

Der kanadische Gold-Produzent fördert das Edelmetall in Kanada, den USA, Russland, Brasilien, Chile, Ghana und Mauretanien. Im Vergleich zu 2013 stieg der Output 2014 von 77,7 auf 82,2 Tonnen. An den Aktienmärkten vollzieht sich dennoch ein wahrer Ausverkauf der Papiere von Kinross Gold. Seit Jahresanfang haben die Aktien über ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Forciert werden die Verkäufe von negativen Analystenbewertungen. Die National Bank Financial hat zuletzt ihr Rating von „outperform“ auf „perform“ und das Kursziel um 50 kanadische Cent auf 4 kanadische Dollar gesenkt. Die Experten von Dundee Capital gingen noch weiter. Sie haben ihre Bewertung von „buy“ auf „neutral“ nach unten korrigiert und das Kursziel von 3,50 auf 2,75 kanadische Dollar gesenkt.

Output: 82,2 Tonnen
Marktkapitalisierung: 2,34 Milliarden US-Dollar
Kursentwicklung: - 34,0 Prozent

GOLDCORP INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
CA3809564097
Börse
L&S

-0,03 -0,32%
+9,13€
Chart von GOLDCORP INC. REGISTERED SHARES O.N.
Platz 4: Goldcorp
7 von 10

Das 1954 gegründete kanadische Goldunternehmen konnte seinen Output im vergangenen Jahr um mehr als sechs Tonnen erhöhen. Die höhere Fördermenge loht sich trotz fallender Goldpreise für Goldcorp, da der sinkende Kurs des kanadischen Dollars die Produktionskosten senkt. Allerding spiegeln sich die gesunkenen Kosten nicht im Aktienkurs wider. In den vergangenen drei Monaten fiel der Kurs der Papiere um über 21 Prozent.

Output: 89,3 Tonnen
Marktkapitalisierung: 13,26 Milliarden US-Dollar
Kursentwicklung: - 11,6 Prozent

„Die Kulisse verfällt“, schreibt das Team um den Analysten Tom Price. Besonders frustrierend für Rohstoffanleger sei, dass Edelmetalle bislang die „letzte Bastion“ auf dem stagnierenden Rohstoffmarkt gewesen seien. Doch die vielen Ereignisse zusammen hätten dafür gesorgt, dass die Preise für Gold in den vergangenen acht bis zehn Wochen so massiv gefallen seien.

Die Analysten prognostizieren, dass es für das Edelmetall sogar noch weiter herabgehen könnte – auf bis zu 800 Dollar pro Unze. Zwar sei es wahrscheinlicher, dass der Goldpreis eher bei 1050 Dollar verweile. Doch wenn die Zinsen in den USA wieder steigen, China eine weitere Korrektur erfährt und die Zentralbanken noch weitere Reserven veräußern, könnte für das Edelmetall eben doch das Worst-Case-Szenario eintreten und der Kurs unter die 1000-Dollar-Grenze fallen.

Verursachten die US-Anleger den Kursverfall?
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  • Ich habe doch gar kein Gold

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