Griechenland und Euro Euro verkaufen – komme, was da wolle

Gestern Pimco, heute Barclays: Analysten zahlreicher Finanzinstitute erwarten mittelfristig eine Euro-Dollar-Parität. Mit Griechenland hat das wenig zu tun. Experten raten daher zum Verkauf – egal, was in Athen passiert.
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Egal, was mit Griechenland passiert: Als größten Treiber für den Kursverfall beim Euro sehen die Analysten das Anleihekaufprogramm OMT der EZB – und raten daher zum Verkauf. Quelle: AFP
Eindeutiges Urteil

Egal, was mit Griechenland passiert: Als größten Treiber für den Kursverfall beim Euro sehen die Analysten das Anleihekaufprogramm OMT der EZB – und raten daher zum Verkauf.

(Foto: AFP)

TokioDer Rat der Devisenexperten von Barclays, über Pimco bis hin zur Bank of Tokyo ist eindeutig. Sollte Griechenland in den Staatsbankrott gezwungen werden: Euro verkaufen. Kommt die Einigung mit den Gläubigern doch noch: Euro ebenfalls verkaufen. Denn was für den Kurs der Gemeinschaftswährung wirklich zählt, ist nicht etwa das finanzielle Schicksal des kleinen Mittelmeerlandes, sondern das Anleihekaufprogramm der EZB.

Die Eurozonen-Notenbank wird nach eigenen Angaben ihr QE-Programm im Volumen von 1,1 Billionen Euro mindestens bis September 2016 durchführen und damit die Renditen von Anleihen drücken, was Aktien prinzipiell attraktiver macht. Den Euro wird es mittelfristig schwächen; schon jetzt ist die Devise vor dem Neuseeland-Dollar in diesem Jahr mit ihrem Verlust von 4,3 Prozent die schwächste unter den zehn wichtigsten Währungen aus entwickelten Industrieländern, wie aus Daten von Bloomberg hervor geht.

„Derzeit sieht es so aus, dass die EZB der bedeutendste Faktor für den Eurokurs sein wird“, sagte Stratege Mitul Kotecha von Barclays in Singapur. Die aggressive Vorgehensweise der EZB bis September werde den Euro weiter schwächen. Unterschiede in der Geldpolitik und Zinsunterschiede mit den USA, sowie ein unterschiedliches Wachstumstempo deuteten ebenfalls auf fallende Eurokurse. Im dritten Quartal ist nach Ansicht von Kotecha entsprechend mit der Parität zum Dollar zu rechnen.

Seit einem Tief am 16. März bis zum jüngsten Hoch am 15. Mai hatte der Euro zum Dollar 9,6 Prozent zugelegt. Zugleich hatten höhere Wachstumsaussichten Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der QE-Programms der EZB geschürt. Seitdem hat die Währung 2,4 Prozent verloren und wurde zuletzt bei etwa 1,12 Dollar gehandelt. Laut Erwartung des Analysten Yasuaki Amatatsu von der Bank of Tokyo-Mitsubishi wird der Euro schon im Juli den Bereich von 1,05 bis 1,06 Dollar testen.

Warum wir vom fallenden Euro profitieren
125 Jahre "Made in Germany"
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Bei den Ausfuhren bringt der schwache Euro Vorteile. Denn ein Produkt mit festem Euro-Preis kostet nun beispielsweise in den USA weniger Dollar. Dies könnte die Nachfrage nach „Made in Germany“ steigern. Der deutschen Wirtschaft dürfte das insgesamt helfen, denn sie ist stark auf den Export ausgerichtet.

Ten year anniversary tsunami
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USA-Reisende haben das Nachsehen: Der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten wird durch den Fall der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar teurer. Denn die Produkte vor Ort behalten unabhängig von den Wechselkursen ihren Preis, nur ist ein Euro jetzt eben weniger wert. Bei größeren Ausgaben, etwa für ein Tablet oder Smartphone, müssen Verbraucher nachrechnen, ob sich die Anschaffung in den USA lohnt.

A maitre chocolatier of Swiss chocolatier Lindt & Spruengli poses behind a pot of chocolate before the company's annual news conference in Kilchberg
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Ein Schweizer Chocolatier: Schon eine Tafel Schokolade kann durch den „schwachen Euro“ einige Cent teurer werden. Teurer als vor einem Jahr ist es beispielsweise auch in der Schweiz, da der Euro gegenüber dem Franken an Wert verloren hat. Gleiches gilt etwa für Lateinamerika oder Asien, wo der Dollar inoffizielle Leitwährung ist.

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Die Shoppingtour durch die deutschen Innenstädte könnte durch den sinkenden Euro-Kurs bald teurer werden. Die Entwicklung macht den Import einiger Waren teurer, sie könnten im Kaufhaus also mehr kosten. Teurer werden möglicherweise Computer und andere Hightech-Geräte aus Asien, denn sie werden meist in Dollar gehandelt.

Lidl und Aldi
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Der Preiskampf in der Handelsbranche ist zwischen den Discountern besonders stark – steigende Preise durch die Wechselkursänderung geben sie daher unter Umständen nicht an die Verbraucher weiter.

Heizkosten
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Früher bedeutete ein schwacher Euro in der Regel höhere Ölpreise, denn der Rohstoff zum Heizen wird an den Weltmärkten in Dollar gehandelt. Doch aktuell fällt dies nicht ins Gewicht, da der Ölpreis seit dem Sommer kräftig gesunken ist.

In Wasserbillig ist auch Benzin billig
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2014 war laut ADAC das günstigste Jahr zum Tanken seit Langem. Auch dieser Trend lässt sich aber eher auf den sinkenden Ölpreis als auf den Währungsverfall zurückführen.

Im Mittel erwarten von Bloomberg befragte Strategen bis zum Jahresende einen gegenüber dem aktuellen Stand etwa sechs Prozent niedrigeren Euro von 1,05 Dollar.

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2 Kommentare zu "Griechenland und Euro: Euro verkaufen – komme, was da wolle"

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  • Die Schlauen sind längst raus aus dem Euro, der Rest ist Grundversorger.

  • ich verkauf meine euros auch regelmäßig
    z.B gegen Lebensmittel - Baumaterial - Zigaretten - Benzin ...

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