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Großbritannien Boris Johnson treibt britisches Pfund in den Keller

Die Anleger fürchten, dass Johnson neuer Premierminister wird. Das Pfund Sterling rauscht von Tief zu Tief. Die Brexit-Unsicherheit dürfte die britische Währung noch Monate belasten.
4 Kommentare
Boris Johnson treibt britisches Pfund in den Keller Quelle: Reuters
Boris Johnson

Johnson könnte am kommenden Mittwoch zum neuen Parteichef und Premierminister gekürt werden.

(Foto: Reuters)

London Die Aussicht auf Brexit-Hardliner Boris Johnson in der Downing Street versetzt Anleger in leichte Panik. Das Pfund Sterling fiel am Dienstag um 0,8 Prozent auf 1,24 US-Dollar – den tiefsten Stand seit 27 Monaten. Gegenüber dem Euro fiel die britische Währung auf ein Sechs-Monats-Tief von 1,10 Euro.

Auslöser war die verschärfte Brexit-Rhetorik der beiden Kandidaten für den Parteivorsitz der britischen Konservativen. Am Montagabend hatten Johnson und sein Konkurrent Jeremy Hunt in einer Radiodebatte gefordert, den umstrittenen Backstop für Nordirland aus dem EU-Ausstiegsvertrag komplett zu streichen. Eine Befristung oder eine einseitige Kündigungsklausel reichten nicht aus, bekräftigten sie. Einer der beiden wird am kommenden Mittwoch zum neuen Parteichef und Premierminister gekürt – alle Wetten stehen auf Johnson.

Damit steigt die Gefahr eines ungeordneten Brexits am 31. Oktober. Denn die Europäer haben klargemacht, dass sie auf den Backstop unter keinen Umständen verzichten werden. EU-Chefunterhändler Michel Barnier hatte dies vergangene Woche bei einem Treffen mit Brexit-Minister Stephen Barclay noch einmal wiederholt. Am Dienstag bekräftigte der irische Finanzminister Paschal Donohue, dass man auf dem Backstop bestehe. Dieser sichert auch nach dem Brexit die offene Grenze zwischen Irland und Nordirland.

Wenn Briten und Europäer sich nicht einigen, scheidet Großbritannien am 31. Oktober ohne Vertrag und Übergangsperiode aus der EU aus. Eine weitere Verschiebung des Brexit-Datums schließt Johnson kategorisch aus. Großbritannien werde am 31. Oktober austreten, ob mit oder ohne Vertrag, betont er.

Die wirtschaftlichen Folgen eines ungeordneten Brexits wären erheblich. Ökonomen rechnen damit, dass Großbritannien dann in die Rezession fallen würde. Die jüngsten Konjunkturdaten sind bereits deutlich schwächer ausgefallen als noch im ersten Quartal. Im zweiten Quartal rechnen Ökonomen im besten Fall mit Nullwachstum. Kein Wunder also, dass die Anleger nervös werden.

Die Brexit-Unsicherheit ist längst zum wichtigsten Treiber des Pfund-Kurses geworden. Stehen die Zeichen auf Einigung, steigt der Sterling. Sieht es hingegen nach einem ungeordneten Brexit aus, fällt der Kurs. Im Juli ist das Pfund gegenüber dem Dollar bereits mehr als zwei Prozent gefallen – eine Folge der Wahlkampfrhetorik bei den Tories.

Der Abwärtstrend am Dienstag verschärfte sich noch, nachdem der TV-Sender Sky News gemeldet hatte, Johnson erwäge eine Suspendierung des britischen Parlaments, um den Brexit am 31. Oktober sicherzustellen. Mehrere Abgeordnete hatten angekündigt, einen ungeordneten Brexit stoppen zu wollen – notfalls mit einem Misstrauensvotum in die neue Regierung. Dieser Plan würde vereitelt, wenn das Parlament keine Sitzungen abhalten könnte.

Eine Suspendierung des Parlaments wäre ein extremes Mittel. Der neue Premierminister müsste auch die Queen involvieren. Aus Johnsons Umfeld wurde ein solcher Plan daher umgehend dementiert. Doch er hatte es im Wahlkampf als Ultima Ratio nicht ausgeschlossen.

Die Brexit-Unsicherheit dürfte das Pfund noch monatelang belasten. Dass der neue Premierminister auch große Steuersenkungen angekündigt hat, um die Konjunktur anzukurbeln, geht daneben völlig unter. Die Anleger zweifeln, dass für Steuersenkungen überhaupt Geld da wäre, wenn die britische Konjunktur in die Rezession fällt.

Mehr: In einem Interview ließ Johnson durchblicken, nicht alle Fakten zum geplanten Brexit zu kennen. Auch ansonsten hinterließ er keinen guten Eindruck.

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4 Kommentare zu "Großbritannien: Boris Johnson treibt britisches Pfund in den Keller"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Pfund geht in den Keller ? Komischerweise war das Pfund bereits 2009 und 2010 bei ca. 0,9 zum Euro. Nur 1 Jahr vor dem Brexit, also in 2015 war das Pfund bei 0,7 zum Euro. Während des Brexits war es schon bei 0,85 wie vor ca. 1 Monat auch.

    Ist das also die richtige Schlußfolgerung ? Ideologie frißt Verstand, leider auch beim HB.

  • Boris Johnson treibt das Pfund in den Keller??
    Ein Vergleich zum US-Dollar beider Währungen von 2008 zu 2019 gemittelte Jahres-Schlußkurse.

    Pfund fällt von 1,463 auf 1.241 zum US Dollar also minus 15,17%
    Euro fällt von 1,40 auf 1.12 zum US Dollar also um minus 20%

    Das bedeutet also, hätten wir einen Boris Johnson, wäre der Euro um ca. 5%-Punkte weniger gefallen.
    Wer treibt also den EURO so dramatisch in den Keller??? Hier sind an erster Stelle sicherlich die EU und EZB mit ihrer katastrophalen Zins-, Geld-, und Wirtschaftspolitik zu nennen.
    Es wäre besser, erst vor der eigenen Haustüre zu kehren, bevor man bei den Britten das Staubkorn sucht.

  • Soll er doch, wenn er Premier ist, aus dem Pfund wieder ein richtiges Pfund STERLING machen.
    Muss er halt mal in den Keller der BoE gehen und nachschauen, ob dort noch etwas Silber rumliegt.
    So sehr ich den Boris auch mag, aber das wird er natürlich nicht tun... ;-)

  • "Das Pfund Sterling rauscht von Tief zu Tief." Ach! Tatsächlich?
    Die Kurse: Dezember 2008 1,07€; Oktober 2016 1,11€; September 2017 1,09€; September 2018 1,12€; Aktuell, 17. Juli 2019 1,11€.

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