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Japan Warum der Yen die beste Währung für den Abschwung ist

Der Yen hat in den vergangenen zwölf Monaten deutlich aufgewertet. Devisenexperten sehen weiteres Aufwertungspotenzial im Falle eines weltweiten Abschwungs.
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Die japanische Währung gilt als sicherer Hafen. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Tokyo

Die japanische Währung gilt als sicherer Hafen.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

Frankfurt Der japanische Yen gehört aktuell zu den Lieblingswährungen vieler Investoren. In den vergangenen zwölf Monaten hat er um etwa sieben Prozent gegenüber dem Euro aufgewertet und um über drei Prozent im Vergleich zum US-Dollar. Der Höhenflug hat vor allem einen Grund: Die weltweite Unsicherheit.

Der eskalierende Handelskrieg und die Unklarheit um den nahenden Brexit schüren die Angst vor einem weltweiten Abschwung. In diesem Umfeld suchen Anleger Zuflucht in so genannten sicheren Häfen.

Aktuell fällt ihre Wahl dabei vor allem auf den Yen. Devisenexperten sehen vor allem im Falle eines stärkeren weltweiten Abschwungs weiteres Aufwertungspotenzial für die japanische Währung. „Der Yen ist am Devisenmarkt die beste Absicherung gegen eine weltweite Rezession,“ sagt Manuel Andersch, Devisenexperte der Bayern LB.

Er geht davon aus, dass sich der Yen nach der deutlichen Aufwertung in diesem Jahr weiter stabil zum Euro entwickelt. „Wenn es weltweit zu einem stärkeren wirtschaftlichen Abschwung kommt, gibt es weiteres Aufwertungspotenzial.“

Dann seien Marken von 110 oder 100 Yen zum Euro möglich. Aktuell kostet ein Euro etwa 120 Yen. „Ein schwächerer Yen ist eigentlich nur zu erwarten, wenn sich die Weltkonjunktur besser entwickelt als prognostiziert, zum Beispiel durch eine Einigung im Handelskonflikt oder im Brexit-Streit.“

Als sichere Häfen gelten Währungen die in Phasen hoher Unsicherheit besonders gefragt sind, wenn Investoren jegliche Risiken meiden. Neben dem Yen zählen dazu auch der Schweizer Franken und der US-Dollar. Welche Kriterien diese Länder auszeichnen, ist umstritten.

Euroraum gilt als politisch zu unsicher

Andersch verweist darauf, dass Japan einen Überschuss in der Leistungsbilanz hat, also im Handel mit Gütern und Dienstleistungen mit dem Ausland. Außerdem werden die japanischen Staatsanleihen fast ausschließlich von Inländern gehalten und es gibt in Japan eine politische Grundstabilität.

Die Schweiz erfüllt diese Kriterien ebenfalls. Dort sind die Zinsen aber stärker im negativen Bereich. In der Schweiz liegt der Leitzins aktuell bei minus 0,75 Prozent – in Japan dagegen bei minus 0,1 Prozent. Für Investoren heißt das, wenn sie in den Schweizer Franken fliehen, müssen sie für die gewonnene Sicherheit erheblich draufzahlen.

In Japan dagegen sind die Minuszinsen niedriger. Das macht den Yen im direkten Vergleich attraktiver. Der Euroraum ist vielen Investoren politisch zu unsicher.

Die USA dagegen weisen hohe Leistungsbilanzdefizite auf. Unter dem Strich importieren sie deutlich mehr Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland als sie dorthin verkaufen. Im Prinzip ist das kein Problem, weil der Dollar weltweite Leitwährung ist.

Die USA können die Defizite durch Kapitalzuflüsse aus dem Ausland finanzieren. Weil US-Präsident Trump den Dollar jedoch vermehrt auch als politische Waffe nutzt, schichten einige Länder derzeit ihre Devisenreserven um

Zum Beispiel hat die russische Notenbank zuletzt einen größeren Teil ihrer Dollar-Reserven verkauft. Auch die chinesische Notenbank hält hohe Dollar-Bestände, die sie zumindest teilweise verkaufen kann.

Zudem sorgt der erratische Kurs von US-Präsident Donald Trump für stärkere politische Unsicherheit. Ein Tweet von ihm kann zu größeren Kursreaktionen führen. Florian Hense, Volkswirt bei Berenberg, verweist außerdem darauf, dass die jüngsten Wirtschaftsdaten für die USA vergleichsweise schlecht ausgefallen sind.

Dies deutet darauf hin, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen noch weiter senken wird. Dadurch würden sich die Renditeaussichten amerikanischer Vermögenswerte verringern und Vermögenswerte aus anderen Wirtschaftsräumen, wie etwa japanischen Anleihen, relativ besehen attraktiver.

Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann sieht den Yen noch aus einem anderen Grund als prädestinierten sicheren Hafen: In keinem anderen großen Industrieland hat die Notenbank die geldpolitischen Mittel soweit ausgeschöpft wie in Japan.

Das Land gilt international als Labor der Geldpolitik. Seit 1995 liegen dort die Leitzinsen nahe der Nullgrenze. Bereits im Jahr 2001 begann die japanische Notenbank mit dem Ankauf von Staatsanleihen – lange vor der US-Notenbank Fed und der EZB. Inzwischen ist sie als erste große Notenbank der Welt dazu übergegangen, die Renditekurve durch ihre Geldpolitik direkt zu kontrollieren.

Aus Sicht von Leuchtmann heißt die Vorreiter-Rolle im Umkehrschluss aber auch: Sie kann nicht mehr viel machen. „An den Märkten glaubt man, dass Japan die geldpolitischen Grenzen erreicht hat. Dagegen trauen die Märkte der EZB eine noch weitere Lockerung der Geldpolitik zu.“

Zuletzt hat die japanische Notenbank zwar signalisiert, dass auch sie zu einer weiteren Zinssenkung bereit ist. Auch die exportorientierte japanische Wirtschaft leidet unter der langsameren Weltkonjunktur und dem Handelsstreit zwischen China und den USA. Die japanische Notenbank berät nächste Woche über ihren weiteren Kurs.

Geringer Spielraum, stabiler Kurs

Allerdings liegt das Ziel für den kurzfristigen Zins mit minus 0,1 Prozent bereits sehr niedrig. Auch wenn die kurzfristigen Zinsen im Euroraum und in der Schweiz noch darunter sind, ist die japanische Notenbank bislang bewusst nicht stärker unter die Nullgrenze gegangen. Sie fürchtet negative Folgen für den Bankensektor.

Wie gering der Spielraum der Japaner ist, zeigt ein Vergleich mit den USA: Dort hat die Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal gesenkt. Er liegt aber immer noch in der Spanne von 1,75 bis zwei Prozent.

Die Fed kann also die Zinsen noch deutlich stärker senken. Viele Experten erwarten allein in diesem Jahr noch ein bis zwei weitere Schritte in diese Richtung. „Wenn es zu einer globalen Rezession kommt und weltweit die Zinsen gesenkt werden, hat die japanische Notenbank weniger Spielraum, mitzuziehen,“ sagt Leuchtmann. „In diesem Fall würde die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen sinken – was tendenziell den Yen-Kurs stützt.“

Für den Yen spricht aber nicht nur der Status als sicherer Hafen. Einige Experten glauben, dass die Währung künftig auch von der demografischen Entwicklung des Landes profitiert. Japans Bevölkerung altert wegen der steigenden Lebenserwartung und der geringen Geburtenrate so schnell wie kaum eine andere.

Das wirkt sich auf die internationalen Kapitalströme aus. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Japaner erhebliche Vermögensanteile im Ausland erworben. Dieser Trend kehrt sich nun um. „Wegen der Alterung der Gesellschaft holen Pensionskassen zum Teil Vermögen aus dem Ausland zurück in die Heimat. Das stützt den Kurs des Yens etwas,“ sagt Leuchtmann.

Der Devisenchef der US-Bank Morgan Stanley, Hans Redeker, glaubt, dass sich dieser Faktor noch stärker bemerkbar machen wird, wenn es größere Verluste an den US-Aktienmärkten gibt, wie er vor kurzem im Interview mit dem Handelsblatt erklärte.

Der Yen habe im vergangenen Jahr aufgewertet, obwohl sich der amerikanische Aktienmarkt gut entwickelt habe. Die Schwankungen am US-Kapitalmarkt seien gering gewesen, daher habe es für Investoren eigentlich noch keinen Grund gegeben, Kapital aus den USA abzuziehen.

„Wenn die Schwankungen am US-Aktienmarkt zunehmen, könnte der Yen noch sehr viel stärker aufwerten,“ sagte Redeker. Auch das spricht dafür, dass der Yen eine gute Absicherung gegen eine schwache Weltwirtschaft und politische Risiken ist.

Mehr: Experten sehen Potential im japanischen Markt. Das Land profitiert vom innerasiatischen Wachstum, niedrigen Aktienbewertungen und einem Wandel in der Unternehmenskultur.

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