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Krypto-Kolumne

Coin & Co: Die Krypto-Kolumne Bitcoin ist eine Ideologie

Der Hype um Bitcoins ist zu einer Ideologie geworden. Das lässt sich an mehreren Punkten festmachen.
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Virtuelle Börsengänge – Boom und Betrug

Wohin steuert der Bitcoin – und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer Krypto-Kolumne „Coin & Co“. Heute Teil 40: Das Bitcoin-Weltbild.

Von Anfang an war der Bitcoin von Enthusiasmus getragen. Auch von bestimmten Einstellungen - etwa dem Misstrauen gegenüber Banken und Zentralbanken, der Ablehnung von Autorität. Untergründig spielte eine Art von Software-Anarchismus eine Rolle - die Vorstellung, auf technischem Weg Herrschaft abschaffen zu können.

Dagegen spricht ja auch nichts. Aber oft genug zeigt sich, dass der Hype um Bitcoins zur Ideologie geworden ist. Das heißt: Die Argumente, um das Projekte zu verteidigen, werden immer absurder. Neulich fand ich zur Verteidigung des Systems den Hinweis auf eine Studie, nach der die Banken dreimal so viel Energie verbrauchen wie Bitcoins.

Absurd angesichts der Tatsache, dass die Bitcoins nur einen winzigen Bruchteil des Zahlungsverkehrs abwickeln, und dass Banken außer Zahlungsverkehr noch eine Menge mehr tun. Umgekehrt würde ein Argument daraus: Bitcoin braucht schon ein Drittel so viel Energie wie die Banken, obwohl ohne Banken keine Volkswirtschaft überlebt und ein Verschwinden des Bitcoins von heute auf morgen die meisten Leute völlig unberührt lassen würde.

Das Weltbild ist weitgehend geschlossen gegen Kritik. Immer wieder neue Projekte sollen als Heilmittel gegen die Probleme des Systems, vor allem den immensen Energieverbrauch, dienen. Meist wird das Lightning genannt, das aber letztlich nur eine Krücke ist. Es ähnelt den Drittewelt-Hawala-Systemen, bei denen - ganz ohne spezielle Infrastruktur - Zahlungen gegen einander verrechnet statt tatsächlich ausgeführt werden.

Typisch für Ideologien ist auch, dass sie Feindbilder aufbauen, die man zugleich kritisiert und verachtet. Da ist die Rede von „Legacy-Bankern“, die angeblich aus Eigeninteresse an der alten Welt festhalten und die neue gar nicht verstehen. Ein weiteres Merkmal ist, dass einzelne Parteien sich befehden, und dass widersprüchliche Argumente mit Vehemenz vorgebracht werden. So ist für die einen Bitcoin-Gründer Satoshi eine Art Jesus. Andere erklären, er sei gar nicht wichtig, weil niemand in einem dezentralen System wichtig ist.

Interessant ist auch, dass Bitcoins inzwischen auch von einigen erklärten Anhänger nicht mehr als Zahlungsmittel eingestuft werden, obwohl sie ursprünglich dazu gedacht waren. Sie gelten dann als „Wertaufbewahrungsmittel“, was eigentlich nur besagt, dass Leute dazu bereit sind, etwas dafür zu bezahlen, obwohl es kaum einen Grund dafür gibt, außer, dass andere es auch tun.

Dem halten wiederum Verteidiger entgegen, dass „Fiat-Währungen“ (also Dollar, Euro etc.) auch keine Substanz hätten. Dabei übersehen sie, dass eine Währung, die vom Staat für Steuerzahlungen akzeptiert wird, mit dem der Staat seine eigenen Rechnungen und die Gehälter seiner Angestellten zahlt und das per Gesetz zur Begleichung von Forderungen akzeptiert werden muss, eine Menge Substanz hat.

Ideologien können sich sehr hartnäckig halten, und werden manchmal um so hartnäckiger, desto mehr sie unter Druck geraten. Aber irgendwann, wenn auch vielleicht nach langer Zeit, scheitern sie an der Realität. Letztlich wird im Kryptoreich nur das überleben, was sich praktisch bewährt. Und dazu braucht es eine Flexibilität, die dem Bitcoin fehlt - auch deswegen, weil die Ideologie der Dezentralität Veränderungen enorm erschwert.

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