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Krypto-Kolumne

Coin & Co: Die Krypto-Kolumne Der Bitcoin-Preis ist zu 70 Prozent Spekulation – wie Anleger dennoch profitiert haben

Die Schweizer Großbank UBS hat den Kursverlauf des Bitcoins dechiffriert. Eine Studie erklärt die heftigen Preisbewegungen – und zeigt Chancen auf.
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Würde die Kryptowährung das zirkulierende Dollar-Bargeld ersetzen, müsste der Kurs bei rund 212.000 Dollar liegen. Quelle: Reuters
Bitcoin und Bargeld

Würde die Kryptowährung das zirkulierende Dollar-Bargeld ersetzen, müsste der Kurs bei rund 212.000 Dollar liegen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfWohin steuert der Bitcoin – und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer Krypto-Kolumne „Coin & Co.“. Heute Teil 27: Wie sich die Kursbewegungen des Bitcoins erklären lassen.

Der Bitcoin-Preis: Auch nach Jahren ist sein stetes Auf und Ab ein großes Mysterium. Erst am Sonntagmorgen ist der Kurs wieder unter die Marke von 7.000 Dollar gerutscht, wie Zahlen des Analysehauses Coinmarketcap zeigen. Und das, obwohl der am Freitag verkündete Markteinstieg der New Yorker Börse unter Beteiligung von Microsoft und Starbucks viele Beobachter elektrisiert hatte. Noch Anfang der abgelaufenen Woche hatte der Bitcoin über der 8.000-Dollar-Schwelle notiert.

Lassen sich die starken, unvermittelten Preisbewegungen der weltweit wichtigsten Kryptowährung rational erklären? Oder kann man aus dem vergangenen Kursverlauf einen Trend ableiten? Genau diesen Fragen geht die Schweizer UBS in einem nun veröffentlichten Report nach. Im Vergleich zu früheren Beißreflexen der Großbanken erstaunt die Nüchternheit, mit der die UBS-Analysten den Bitcoin unter die Lupe nehmen. Ihre Ergebnisse bringen Licht in den immer noch weitgehend anarchischen Kryptomarkt.

Die Analysten stellen zunächst die Frage, ob man den Bitcoin als neue Form des Geldes klassifizieren kann. Hierzu machen sie eine theoretische Rechnung auf: Würde der Bitcoin die Funktion der Geldmenge „M1“ des US-Dollars übernehmen, also vor allem das zirkulierende Dollar-Bargeld ersetzen, müsste der Kurs für einen Bitcoin angesichts seiner beschränkten Menge bei rund 212.000 Dollar liegen. Sollte das Bitcoin-Netzwerk das tägliche 30-Milliarden-Dollar-Volumen des Visa-Zahlungssystems abwickeln, läge der theoretische Kurs bei rund 187.000 Dollar.

Sind solche Szenarien realistisch? Die klare Antwort der Analysten lautet: nein. Der Report verweist auf die bestehenden Beschränkungen des Bitcoin-Netzwerks, die eine Nutzung als „digitales Weltgeld“ verhindern. Insbesondere die geringe Größe der Datenblöcke, in denen neue Transaktionen gespeichert werden, verlangsame das Netzwerk. Im erwähnten Visa-Gedankenmodell müsste die Blockgröße zum Beispiel von 1,0 auf 18,8 Megabyte erhöht werden. Die Blockchain-Datenbank würde damit den 18-fachen Speicherplatz benötigen; der Strombedarf, der schon heute dem Jahresverbrauch Argentiniens entspricht, wüchse weiter.

Vorwerfen kann man dem UBS-Report zwar, dass er auf aktuelle Reformansätze nicht eingeht. So bleibt das in der Bitcoin-Gemeinschaft heiß diskutierte „Lightning“-Netzwerk, das Zahlungen extern speichern und so beschleunigen soll, unerwähnt. Dennoch spricht schon allein die geringe Verbreitung des Bitcoins gegen eine baldige Nutzung als digitales Geld: 2017 hatten nur 1,3 Prozent aller Internetkäufer ein Bitcoin-Konto, aber schon 14 Prozent einen Paypal-Account.

Spannender ist die Frage, ob sich der Bitcoin zu einer Art Asset-Klasse, einer neuen Anlage auf dem Finanzmarkt, entwickeln könnte – neben Aktien, Anleihen, Rohstoffen und anderen etablierten Produkten. Folgt man der Studie, stehen die Chancen hierfür deutlich besser, auch wenn es noch dauern könnte, bis der Bitcoin im Anlage-Mainstream angekommen ist.

Die Analysten sehen aktuell vor allem eine Herausforderung: die extreme Volatilität des Bitcoin-Kurses. Zwar haben die plötzlichen Kursbewegungen im Vergleich zur Anfangszeit der Währung bereits abgenommen, dennoch dürften sie auch in Zukunft viele Anleger abschrecken.

Gibt es zumindest Leitplanken, an denen sich potenzielle Investoren orientieren können? Die UBS-Analysten haben die bisherige Preiskurve untersucht und sind tatsächlich auf einen zentralen Zusammenhang gestoßen. Ihnen zufolge lassen sich die Bitcoin-Kursbewegungen im Grundsatz auf nur zwei Faktoren zurückführen:

  • die Anzahl der Transaktionen
  • die Anzahl der Wallets (digitale Portemonnaies)

Der Zusammenhang ist einfach: Nutzen Teilnehmer den Bitcoin häufiger, weisen sie also mehr Transaktionen an, steigt seine Beliebtheit. Eröffnen mehr Menschen ein neues Bitcoin-Konto, gibt es wiederum mehr Teilnehmer im Netzwerk. In der Folge werden mehr Coins nachgefragt. Da das Angebot im Algorithmus fixiert ist (derzeit kommen täglich 1.800 Coins hinzu), steigt der Preis.

Allerdings: Dieser auf der fundamentalen Nachfrage beruhende Mechanismus erklärt laut der Studie nur 30 Prozent des Kurstrends. „Unsere Analyse legt nahe, dass das Spekulationsinteresse den größten Teil der Bitcoin-Preisbewegungen erklärt“, schreiben die Autoren. Mehr als 70 Prozent der Auf und Abs lassen sich also nicht rational erklären, sondern hängen am Herdentrieb der Spekulanten und an den Entscheidungen der sogenannten „Wale“ (Branchenjargon für einflussreiche Großinvestoren, die Milliardenwerte an virtuellen Münzen bewegen).

Können vorsichtige Kleinanleger unter diesen Umständen überhaupt Geld am Kryptomarkt gewinnen? Die UBS-Analysten machen eine einfache Rechnung auf: Wer Lust hat, mit Bitcoin zu spekulieren, sollte demnach eine Anlegergrundregel beherzigen – und nur einen kleinen Teil seines Vermögens investieren. Dann sind erstaunliche Gewinne möglich. Wer im Jahr 2013 einem Standard-Welt-Aktienportfolio einen fünfprozentigen Bitcoin-Anteil beigemischt hat, konnte laut der Studie 15 Prozent Rendite pro Jahr einstreichen – ohne Bitcoin-Beimischung lag diese bei fünf Prozent. Bei einem Depot, das ausschließlich in US-Aktien investiert hat, lag der jährliche Durchschnittsgewinn sogar bei 19 statt neun Prozent.

Und noch einen weiteren Punkt sehen die UBS-Analysten: Der Bitcoin korreliert ihrer Untersuchung zufolge praktisch überhaupt nicht mit anderen Analyseklassen, etwa dem Dollar-Index, dem S&P 500, der zehnjährigen US-Staatsanleihe oder dem Goldpreis. Daher könne er in begrenztem Umfang zur Diversifikation eines Portfolios verwendet werden.

Lässt sich die bisherige Entwicklung also einfach in die Zukunft projizieren? Die Studie spricht hier eine deutliche Warnung aus. Demnach ist es gut möglich, dass der Bitcoin-Preis seine größten Steigerungen bereits hinter sich hat. Sollte die Marktkapitalisierung von rund 130 Milliarden Dollar noch einmal so stark zulegen wie seit 2013, läge sie 2021 bei 7,8 Billionen Dollar, rechnen die UBS-Analysten vor. Zum Vergleich: Die wertvollste Firma der Welt, Apple, ist aktuell rund eine Billion Dollar wert.

Die klassische Anlegerwarnung, dass vergangene Wertsteigerungen keine Garantie für künftige Gewinne darstellen, gilt beim Bitcoin damit umso mehr – ein weiteres Argument für ein lediglich eng begrenztes Investment am Kryptomarkt.

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