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Krypto-Kolumne

Coin und Co: Die Krypto-Kolumne „Die Zeit ist noch nicht reif“

Die schwedische SEB-Bank arbeitet mit Ripple zusammen, einem der renommiertesten Anbieter von Blockchain-Lösungen. Aber noch zögert sie, Kryptowährungen einzusetzen.
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Virtuelle Börsengänge – Boom und Betrug

FrankfurtWohin steuert der Bitcoin – und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer Krypto-Kolumne „Coin & Co“. Heute Teil 34: Die schwedische Art des Krypto-Bankings.

Skandinavien gilt als besonders moderner und effizienter Standort im Bankgeschäft. Auch Paula da Silva, in Portugal geboren und in Schweden aufgewachsen, ist ganz der Typ der coolen Bankerin aus dem Norden. Sie schwärmt von der lockeren Unternehmenskultur und zieht Vergleiche zu Amerika, wo sie auch zeitweise gelebt hat.

„Versuchen Sie mal in den USA, mit dem Boss von ihrem Boss zu reden, das passiert ihnen nur einmal“, sagt sie. In Schweden sei es dagegen ganz normal, dass jeder mit jedem spricht. „Wir haben flache Hierarchien“, erzählt sie bei einem Besuch in Frankfurt.

„Wir achten darauf, dass alle, die beteiligt sind, übereinstimmen, das finden die Deutschen manchmal ein bisschen anstrengend.“ Ein Problem der deutschen Banken ist aus ihrer Sicht, dass sie oft zu sehr auf die Optimierung von Prozessen fixiert sind, statt völlig neue Wege zu gehen.

Ein Erfolgsrezept der Schweden ist die Technisierung. „Wir haben nur wenig Leute in unserem Land“, sagt da Silva, „deswegen lassen wir vieles gerne von Maschinen erledigen. Außerdem, so merkwürdig das klingt, Schweden kommunizieren manchmal lieber mit einem technischen Gerät als mit anderen Menschen, jedenfalls wenn es um Routine-Aufgaben geht.“

Stolz führt die Bankerin das System „Swish“ vor, das vor rund vier Jahren für alle schwedischen Banken eingeführt wurde und heute von 65 Prozent der zehn Millionen Schweden genutzt wird. „Schauen Sie, ich schicke meinem Sohn jetzt eine Krone aufs Konto, der wird sich wundern, was das soll.“

Ein paar Klicks, und zwei Sekunden später kommt das Geld an. So lässt sich auch im Geschäft bezahlen – ein Grund dafür, dass in Schweden kaum noch mit Bargeld bezahlt wird. Die Chinesen sind ähnlich weit, unter anderem mit der Bezahlfunktion der Messenger-App We-Chat, räumt sie ein. Aber erklärt auch den Unterschied: „Swish beruht nicht auf dem Kreditkartensystem, sondern das Geld wird tatsächlich direkt von einem Konto zum anderen geschickt.“

Beim Thema Bitcoins zeigt die Bankerin aber deutliche Skepsis. „Die Zeit ist noch nicht reif“, sagt sie mit Blick auf den gesamten Bereich der Kryptowährungen. Die Frage ist aus ihrer Sicht, wozu man virtuelle Münzen überhaupt braucht, wenn man sowieso schon in Sekundenschnelle bezahlen kann.

Auch die in Stockholm zeitweilig diskutierte Idee, dass die Reichsbank virtuelle schwedische Kronen ausgeben solle, sieht sie eher kritisch. „Wie soll die Notenbank dann noch Kontrolle über den Geldumlauf behalten?“, fragt sie. Aus ihrer Sicht würde das zu ganz neuen Konzepten führen. Und zu neuen Fragen wie: "Würde die E-Krone ähnlich wie Bargeld funktionieren?" Die Reichsbank prüft zurzeit die Einführung von virtuellem Bargeld, hat aber noch keine Entscheidung getroffen.

Da Silva arbeitet allerdings seit zwei Jahren mit Ripple zusammen, einem renommierten Krypto-Anbieter, der sich auf Blockchain-Lösungen im Zahlungsverkehr spezialisiert hat und dabei die Banken nicht ausstechen will, sondern sie ausdrücklich als Kunden umwirbt. Sie nutzt das System, um mitunter sekundenschnell zwischen der Zentrale in Stockholm und dem Ableger in New York große Dollar-Summen hin und her zu schicken, oft im Zusammenhang mit Unternehmenstransaktionen.

Bisher hat sie so schon rund zwei Milliarden Dollar bewegt, aber den Schritt noch nicht gewagt, Ripple auch für Zahlungen außerhalb des Konzerns einzusetzen.

Außerdem bietet Ripple grundsätzlich zwei Arten von Service an. Einmal geht es um die schnelle Abwicklung einer Zahlung durch entsprechenden Informationsfluss. Dabei werden noch keine virtuellen Münzen verwendet. Das zweite Angebot verwendet die Ripple-eigene Kryptowährung XRP.

Damit funktioniert es simpel, von einer gängigen Währung in eine andere zu wechseln: XRP übernimmt nur für Sekunden die Brückenfunktion. Außerdem verspricht Ripple, dass Banken mit dem Einsatz von XRP Liquidität sparen können, die sonst auf Verrechnungskonten vorgehalten werden muss.

Aber die Schwedin und ihre Bank SEB verzichten vorerst auf XRP. „Wir sind noch nicht so weit, dass wir in den Bereich der virtuellen Währungen einsteigen wollen“, sagt sie. Was ein Beleg dafür ist, dass auch die modernen Schweden sich der Kryptowelt nur mit Bedacht nähern.

Die Blockchain, die Technik, auf der die virtuellen Währungen beruhen, ist aus ihrer Sicht vor allem in der Handelsfinanzierung interessant. Anschaulich beschreibt da Silva, wie heute Mitarbeiter Akkreditive, also verbriefte Handelskredite, zum Teil immer noch mühsam Zeile für Zeile prüfen, weil selbst kleinste Abweichungen der Dokumente dazu führen können, dass jemand die Zahlung verweigert.

Zusammen mit zehn anderen Banken und dem New Yorker Unternehmen R3 arbeitet SEB an einem Pilotprojekt, um diese Vorgänge über die Blockchain abzuwickeln, von der jeder garantiert und unverfälschbar dieselben Informationen abrufen kann.

Mit der US-Börse Nasdaq arbeitet die SEB außerdem an technischen Konzepten auf Blockchain-Basis im Wertpapierbereich.

Zum Abschied des Gesprächs zeigt das Silva eine elektronische Message, die ihr Sohn ihr aufs Handy geschickt hat, nachdem er die Krone aufs Konto bekam. Sie besteht aus vier Fragezeichen.

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