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Krypto-Kolumne

Coin & Co: Die Krypto-Kolumne McKinsey fällt vernichtendes Urteil über Blockchain-Technologie

Berater von McKinsey werfen die Frage auf, ob man die Blockchain-Technologie wirklich braucht. Sie sei zu kompliziert und in vielen Fällen schlicht unnötig. Doch liegen sie damit richtig?
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New York Wohin steuert der Bitcoin – und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer Krypto-Kolumne „Coin & Co“. Heute Teil 44: Blockchain-Bashing von McKinsey.

Nein, 2018 war kein gutes Jahr für Krypotwährungen. Bitcoin, Ether und Co. Haben in den vergangenen zwölf Monaten einen großen Teil ihres Wertes verloren. Marktführer Bitcoin etwa beendete das Jahr mit einem Verlust von über siebzig Prozent. Bei Ether der Nummer zwei lag das Minus sogar über achtzig Prozent.

Immerhin, so das Mantra des vergangenen Jahres: Die Blockchain-Technologie, auf der die Kryptowährungen basieren, sei vielversprechend für eine ganze Reihe von Industrien. Im Jahr 2019 jedoch trifft auch das nicht mehr zu, das sagen zumindest drei Partner der Unternehmensberatung McKinsey.

In einem aktuellen Report schreiben sie, es seien Zweifel an dem Potenzial der Technologie entstanden. Vor allem monieren die Berater, das „wenig Substantielles bislang erreicht worden ist, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Geld und Zeit bereits darauf verwendet wurde.“

McKinsey zufolge investiere die Finanzindustrie, die sich als eine der ersten für die Blockchain-Technologie interessierte, jährlich 1,7 Milliarden Dollar in das Feld, um unter anderen Transaktionen schneller und günstiger zu machen. „Doch unterm Strich muss man feststellen, dass trotz der investierten Milliarden der Beweis für eine praktische und skalierbare Anwendung der Blockchain“ noch nicht wirklich vorhanden sei.

Damit legen die Berater von McKinsey den Finger in die Wunde. Die Skalierbarkeit von Blockchains ist in manchen Fällen tatsächlich ein Problem. Allerdings arbeiten viele Anbieter längst daran. Und private Blockhains, die nur von bestimmten Unternehmen genutzt werden, haben meist gar kein Problem mit der Skalierbarkeit, da die Zahl der Nutzer besser gesteuert werden kann.

McKinsey verweist auf die vier Phasen eines Produktlebenszyklus: Einführung, Wachstum, Sättigung und Rückgang. Die Blockchain stecke in Phase eins fest. Statt in die Phase zwei überzugehen, in der die Produkte verbessert und Standards eingeführt werden, werde sie immer noch eingeführt, monieren die Berater.

Die Frage ist allerdings, ob das der richtige Zyklus ist. Mohamed El-Erian, der wirtschaftliche Chefberater der Allianz, betrachtet lieber Innovationszyklen. „Der erste ist Überkonsum und Überproduktion“, erklärte er Ende November auf einer Krypto-Konferenz in New York. Nun sei man in der Phase des Ausspülens, in der eine Reihe von Projekten scheitert. „Erst danach kommt man zu rationaleren Märkten.“

Auch Blockchain-Gründerin Amber Baldet, die bis vor wenigen Monaten die Blockchain-Initiative von JP Morgan Chase leitete, plädiert für mehr Geduld und für Mut zum Scheitern. Gerade wenn es um Innovationen für große Konzerne gehe, „muss man verstehen, dass neun von zehn Projekten nicht funktionieren werden“, so Baldet, die nun das Blockchain-Startup Clovyr führt.

Die Berater von McKinsey werfen auch die Frage auf, ob man die Blockchain-Technologie wirklich braucht. Schließlich gebe es auch andere Technologien, die etwa internationale Transaktionen schneller und günstiger machen. Gemäß „Ockhams Rasiermesser“-Theorie (nach dem mittelalterlichen Philosophen William von Ockham) sei die einfachste Lösung oft die beste.

Der Einwand ist berechtigt. Es ist gar keine Frage, dass die dezentrale Datenbank-Technologie nicht immer die richtige Lösung ist und oft Dinge auch unnötig verkomplizieren kann. Doch deshalb jetzt schon ganz aufgeben, noch bevor die Technologie aus den Kinderschuhen gekommen und Aufsichtsbehörden klare Regeln geschaffen haben?

Was den Sinneswandel bei McKinsey herbeigeführt hat, ist aus dem Report nicht ganz zu schließen. Die Beratung hat noch im Sommer 2018 in einer Studie erörtert, dass es durchaus eine Reihe von Anwendungen für die Blockchain gebe und die Technologie noch drei bis fünf Jahre brauche um auf großer Ebene realisierbar zu werden.

Daran hat sich eigentlich nichts geändert. „Es ist nicht alles verloren“, räumen die Autoren auch in der aktuellen Studie ein. Sie verweisen auf vielversprechende Experimente etwa in der Logistik, die in ein paar Jahren Standard werden könnten. Vielleicht braucht es einfach noch etwas mehr Geduld? Nachdem der Boom bei den Kryptowährungen vorbei ist, gibt es ohnehin nur noch Geld für die vielversprechenden Blockchain-Projekte. Damit wäre dann wahrscheinlich auch William von Ockham einverstanden.

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