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Krypto-Kolumne

Coin und Co: Die Krypto-Kolumne Profitieren vom Bitcoin-Crash: Neue Finanzprodukte werben um Krypto-Anleger

Kommt der erste Bitcoin-ETF? Mitten im Crash werben neue, regulierte Finanzprodukte um Krypto-Anleger. Sie haben jedoch einen entscheidenden Haken.
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Der Schweizer Börsenbetreiber profiliert sich am Kryptomarkt. Quelle: KEYSTONE
SIX (Swiss Exchange)

Der Schweizer Börsenbetreiber profiliert sich am Kryptomarkt.

(Foto: KEYSTONE)

DüsseldorfWohin steuert der Bitcoin – und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer Krypto-Kolumne „Coin & Co“. Heute Teil 38: Krypto-Branche in den Kinderschuhen.

Ist die Talsohle des Bärenmarkts erreicht? Der Bitcoin-Kurs notierte am Freitagmorgen laut Daten des Analysehauses Coinmarketcap bei 4.195 Dollar und damit auf dem niedrigsten Stand seit Jahresbeginn. Doch nicht nur bei der größten Kryptowährung ging es abwärts, auch die anderen virtuellen Münzen verloren am Freitag weiter an Wert.

Die Gesamt-Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen ist auf weniger als 140 Milliarden Dollar gefallen – Anfang Januar hatte sie noch bei knapp 840 Milliarden Dollar gelegen. Auf Jahressicht ergibt sich damit ein Verlust von 700 Milliarden Dollar, wobei Betrugsvorwürfe und neue Ermittlungen der Aufsicht als Brandbeschleuniger wirken.

Angesichts des rapiden Kursverfalls fragen sich die ersten Anleger, ob es nicht bereits Zeit ist, nachzukaufen. Das wäre freilich eine äußerst riskante Strategie, schließlich sehen Analysten den Boden noch nicht als erreicht an. Manche halten einen Absturz auf 2.500 Dollar bis zum Jahresende für möglich. Gleichzeitig prognostizieren selbst skeptische Beobachter: Ganz verschwinden wird die Kryptowelt nicht. Zu dezentral ist das Bitcoin-Netzwerk organisiert, um unter staatlichem Druck einzugehen, zu verführerisch ist die Ursprungsvision einer Welt ohne Banken, als dass sich nicht immer wieder neue begeisterte Anhänger fänden.

Mitten in dieser paradoxen Situation erscheinen nun neue Finanzprodukte, die versprechen, das Hauptproblem der Kryptowelt zu lösen: die fehlende Regulierung. Bisher ist es vielen institutionellen wie privaten Anlegern kaum möglich, am Markt zu investieren. Als zu kompliziert erscheint der Kauf der virtuellen Münzen, als zu unsicher das regulatorische Umfeld.

Lange ruhten die Hoffnungen der Anleger darauf, dass es endlich zur Zulassung von Krypto-EFTs kommt, also von klassischen börsengehandelten Indexfonds, die statt in Aktien und Anleihen in Bitcoin und Ethereum investieren. Doch erst im November hat die mächtige US-Aufsicht SEC eine Entscheidung über vorliegende Anträge erneut vertagt.

In Europa aufgelegte alternative Investmentfonds (sogenannte Spezial-AIF) richten sich unterdessen nur an wenige vermögende Anleger. Und die ersten Krypto-Aktienfonds investieren größtenteils in die bekannten Technologieriesen des Silicon Valley, statt in virtuelle Coins und Tokens.

Geht es nach dem größten Schweizer Börsenbetreiber Swiss Exchange (SIX), dann soll nun jedoch ein neues Zeitalter anbrechen. Am Donnerstag ist an der Börse ein neues Produkt an den Markt gegangen, der sogenannte Amun Crypto ETP. Dieser soll es Anlegern ermöglichen, an der Kursentwicklung der vier größten Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, Ripple und Litecoin teilzuhaben.

ETP („Exchange-Traded Product“) klingt zwar stark nach ETF, ist jedoch nur der Überbegriff für börsengehandelte Wertpapiere der drei Arten ETF, ETC sowie ETN (börsengehandelte Fonds, Rohstoffe sowie Inhaberschuldverschreibungen).

Konkret ist das Amun-Produkt ein sogenanntes derivatives Wertpapier. Diese Derivate bilden einen bestimmten Basiswert nach, im Fall des Amun-ETP den von einem Schweizer Start-up entwickelten „Amun Crypto Basket Index“. Dieser ist nichts anderes als ein Korb der genannten vier Kryptowährungen. Die vier Coins kauft der Amun-ETP nicht direkt an, sondern zeichnet ihren Kursverlauf nach. Wie immer bei derivativen Produkten besteht also ein Emittentenrisiko: Geht der Anbieter pleite, verfällt der ETP wertlos. Anlegern droht Totalverlust.

Ganz anders liegt der Fall bei klassischen ETFs. Diese investieren direkt in physische Aktien oder Anleihen. Geht der Emittent bankrott, ist das für die Anleger nicht weiter tragisch: Die gehaltenen Aktien und Anleihen gehen als Sondervermögen auf sie über.

Nimmt man es ganz genau, handelt es sich beim Amun-ETP um eine sogenannte ETN („Exchange-Traded Note“), also um eine börsengehandelte Inhaberschuldverschreibung. So wird das Produkt auch von der Schweizer Börse geführt. Warum nennt Amun es dann nicht ETN? Zwei Gründe dürften ausschlaggebend sein.

  • Zum einen ähneln ETN stark einem anderen derivativen Wertpapier, den Zertifikaten. Und diese sind in der Finanzkrise zu traurigem Ruhm gekommen, als die Lehman-Brothers-Zertifikate nach der Pleite der US-Investmentbank wertlos verfielen.
  • Zum anderen müsste Amun dann eingestehen, dass das Produkt doch nicht das erste seiner Art ist. Der schwedische Anbieter XBT Provider emittiert bereits einen Bitcoin-ETN; die Schweizer Vontobel-Bank hat schon vor längerem Bitcoin-Zertifikate aufgelegt.

Neu am Amun-Produkt ist, dass es den Kursverlauf von gleich vier Kryptowährungen abbildet. Aufgrund der riskanten rechtlichen Ausgestaltung sollten Privatanleger dennoch besser die Finger davon lassen. So lange es keinen echten Krypto-ETF gibt, gilt für mutige Investoren, die selbst im Bärenmarkt einsteigen wollen: Sicherer fahren sie durch den direkten Kauf von Bitcoin, Ethereum und Co.

Und günstiger ist dieser ohnehin: Amun verlangt für sein äußerst simpel gestricktes Finanzprodukt erstaunliche 2,5 Prozent an Gebühren – pro Jahr.

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