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Krypto-Kolumne

Coin & Co: Die Krypto-Kolumne Was der US-Bundesstaat Ohio mit dem Krypto-Kursabsturz zu tun hat

Erlaubt Ohio Steuerzahlungen in Bitcoin? Die Ankündigung entpuppt sich als Marketing-Gag. Und steht stellvertretend für viele enttäuschte Krypto-Hoffnungen.
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DüsseldorfWohin steuert der Bitcoin – und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer Krypto-Kolumne „Coin & Co“. Heute Teil 42: Eine Nachricht aus Ohio zeigt, was schief läuft am Krypto-Markt.

Es war eine politisch kleine Nachricht, mehr eine Randnotiz, aber in der Krypto-Welt machte sie Furore. „Als erster US-Bundesstaat erlaubt Ohio die Begleichung von Steuerzahlungen mit Bitcoin“, meldeten zahlreiche Branchenseiten, aber auch das renommierte „Wall Street Journal“ Ende November.

Auf der neu eingerichteten Seite www.ohiocrypto.com sollten sich Unternehmen, bald aber auch Privatleute, registrieren können, um ihre staatliche Steuerforderung in der wichtigsten virtuellen Währung zu begleichen, so die Meldung weiter.

Ohio liegt im Herzen des „Rust Belt“, des „Rostgürtels“ im Nordosten der USA. Dieser ist seit den 1970er-Jahren vom Niedergang der Schwerindustrie geprägt, verliert an Bevölkerung und Zukunftschancen. Prominentes Sinnbild für den Abstieg der ältesten Industrieregion Nordamerikas ist die Autostadt Detroit in Michigan, aber auch das ehemalige Stahlzentrum Cleveland in Ohio.

Da kam die Nachricht einer staatlichen Förderung des Bitcoins und der unterliegenden Zukunftstechnologie Blockchain gerade recht. „Ich sehe Bitcoin als legitime Form einer Währung an“, erklärte der republikanische Finanzminister Ohios, Josh Mandel. Das neue Programm sei eine Chance, Ohio „mit einer Flagge“ auf der Krypto-Landkarte zu verankern. Ähnliche Schritte hatten die US-Bundesstaaten Arizona, Georgia und Illinois geprüft, die Gesetzesentwürfe scheiterten aber in den Parlamenten.

Die Krypto-Szene reagierte erwartungsgemäß erfreut. Der Schritt aus Ohio sende die Botschaft, „dass die Bitcoin-Technik von jedem genutzt werden kann“, auch von der Regierung, erklärte etwa Jerry Brito, Chef der Analysefirma Coin Center, im „Wall Street Journal“. Im Netz feierten Krypto-Fans den Bundesstaat.

Kommen Bitcoin und Co. mit dem Schritt aus Ohio also endlich im Mainstream an, lösen sie schon bald Dollar und Euro als Zahlungsmittel ab? Die Anleger zumindest scheinen nicht damit zu rechnen: In der Nacht zu Freitag fiel der Bitcoin auf ein neues Jahrestief. Tatsächlich zeigt der Fall aus Ohio wie unter dem Brennglas, was schief läuft in der Krypto-Welt. Bei genauer Untersuchung entpuppt sich die schöne Ankündigung vor allem als eines: geschicktes Marketing.

So verleiht Ohio dem Bitcoin keinen legalen Status. Stattdessen arbeitet das Finanzministerium mit der Firma BitPay aus Atlanta, Georgia, zusammen, dem Marktführer für Bitcoin-Zahlungen, der mit zahlreichen Onlinehändlern zusammenarbeitet. An BitPay werden die Zahlungen übermittelt, die Firma wandelt sie dann für die Staatskasse gegen eine Gebühr zum jeweiligen Tageskurs in Dollar um.

Im Klartext erlaubt Ohio also lediglich den Umtausch von Bitcoin, um Steuern zu bezahlen. Die absolute Steuerforderung wird weiter in Dollar ausgestellt. Das ist mehr als ein feiner Unterschied: Hat etwa ein Unternehmen zu Jahresbeginn ein Bitcoin-Vermögen auf dem Konto, könnte es bei einer Bitcoin-Steuerforderung jeden Monat einen fixen Betrag zurücklegen, um diese zu begleichen. Fordert das Finanzamt am Jahresende aber einen Dollar-Betrag ein, ist die Planungssicherheit passé. Da der Bitcoin-Kurs stark schwankt, kann der geforderte Betrag in schwindelerregende Höhen steigen.

Die Schweizer Großbank UBS sieht den Plan in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse denn auch kritisch. „Es ist nicht möglich, Steuern in Bitcoin zu begleichen“, schreiben die Analysten. Im Vergleich zur bisherigen rechtlichen Situation sei das Umtausch-Angebot kein Fortschritt. „So könnten Steuerzahler auch Euros verkaufen, (...) Schmuck oder Pferdemist, um dafür Dollar zu erhalten und damit ihre Steuerschuld zu begleichen“, so die UBS.

Zu diesem ernüchternden Fazit passt, dass die neue Homepage, www.ohiocrypto.com, am Freitag nicht erreichbar war. Die Hoffnung des alten Industriestaats auf einen veritablen Image-Gewinn dürfte sich so kaum erfüllen.

Vielmehr reiht sich der Fall in die lange Liste an überbordenden Ankündigungen ein, die sich bestenfalls als Marketing-Gag, schlimmstenfalls als Betrugsmasche entpuppten. Zu oft machten Nachrichten über einen Bitcoin-Einsatz durch Unternehmen (wie Amazon) oder Staaten (wie Ohio) die Runde, die sich am Ende als Luftnummer herausstellten, als dass ihre x-te Auflage das virtuelle Universum heute noch beflügelt.

Am Ende eines bewegten Jahres bleibt die wichtigste Kryptowährung vor allem ein Spekulationsobjekt. Das ist schade, aber folgerichtig.

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