Krypto-Skandal Envions neuer Großaktionär van Aubel hat einschlägige Erfahrungen

Thomas van Aubel ist kein Neuling auf dem Markt für erneuerbare Energien. Der Berliner Anwalt verdiente mit Solon und Q-Cells Millionen, bevor die Unternehmen zusammenbrachen.
Update: 10.09.2018 - 17:40 Uhr Kommentieren
Das Start-up wollte in mobilen Rechencontainern virtuelle Münzen produzieren – am Rand von Solarfeldern und Windparks. Quelle: Envion
Envion AG

Das Start-up wollte in mobilen Rechencontainern virtuelle Münzen produzieren – am Rand von Solarfeldern und Windparks.

(Foto: Envion)

DüsseldorfThomas van Aubel war einmal Anwalt des gefallenen deutschen Wirtschaftswunderkindes Lars Windhorst, als Investor ist er selbst seit 20 Jahren aktiv. Sein erster großer Coup: die Solon AG.

Der Solarmodulhersteller aus Berlin, massiv gefördert mit öffentlichen Steuergeldern, war 1998 das erste börsennotierte Unternehmen für Solartechnik in Deutschland. Van Aubel verdiente Millionen. Er kam auf den Geschmack.

Um die Jahrtausendwende galt Solartechnik aus Deutschland als zukunftsweisend. Überall floss Fördergeld. In Sachsen-Anhalt wurde eigens eine staatliche Beteiligungsgesellschaft gegründet: die IBG. Van Aubel war gut bekannt mit dem Mann, der diese Gesellschaft führte: Dinnies Johannes von der Osten.

Die Freunde einigten sich auf ein gemeinsames Geschäft: Von der Osten zeichnete 1999 Anteile an Q-Cells – verdeckt über einen Treuhänder: Thomas van Aubel. Auch der Berliner Anwalt und seine Frau investierten.

Danach flossen die Fördermillionen. Als Q-Cells 2005 an die Börse ging, war das Unternehmen 1,5 Milliarden Euro wert; van Aubel und seiner Frau gehörten jeweils rund drei Prozent.

Dann stieg der Kurs. Wenige Monate später verkauften die beiden einen großen Teil ihrer Aktien an einen US-Investor. In den folgenden Jahren geriet die deutsche Solarzellenbranche aufgrund chinesischer Billigexporte unter Druck. 2012 meldete Q-Cells Insolvenz an.

Als das Handelsblatt die Beziehung zwischen von der Osten und van Aubel im Juli 2013 aufdeckte, wurde der Fall zur Staatsaffäre. Der Landtag in Sachsen-Anhalt setzte einen Untersuchungsausschuss ein, von der Osten verlor seinen Job.

Aber nicht seine Millionen. Sein Vertrag habe ihm nicht verboten, von ihm verwaltete Fördergelder in eigene Firmen zu investieren, erklärte von der Osten. Auch van Aubel blieb unbehelligt.

Anfang 2018 allerdings meldete sich die Wettbewerbsbehörde aus Brüssel bei der Landesregierung in Magdeburg. Auch aus Töpfen der Europäischen Union waren hohe Summen nach Sachsen-Anhalt geflossen. Sechs Jahre wurde ermittelt. Nun drohen wegen unsachgemäßer Verwendung der EU-Gelder hohe Rückforderungen.

Thomas van Aubel muss das keine Sorgen bereiten. Seine Millionen sind in Sicherheit, er kann sich 2018 um ein neues Investment kümmern: Envion. Mit seiner Berliner Sycamore GmbH hält van Aubel 61 Prozent an dem Krypto-Start-up. An Sycamore ist heute nicht nur seine Frau beteiligt, sondern auch Dinnies Johannes von der Osten.

Klargestellt: Sofern es in einer frühen Erstfassung, die nur wenige Stunden online abrufbar war, hieß, dass Envion-Investor van Aubel hohe Rückforderungen der EU drohten, stellen wir klar, dass dies falsch ist. Herrn van Aubel selbst drohen keine Rückforderungen. Ebenso ist ein möglicher Eindruck, dass Herr van Aubel persönlich Fördergelder kassiert habe, unzutreffend.

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