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Krypto-Tagung „Der Bitcoin-Preis drückt natürlich auf die Stimmung“

In Frankfurt sind Vertreter der Krypto-Welt zu einem Branchentreffen zusammengekommen. Das Jahr 2018 wirkt nach. Es ist leiser geworden – und nachdenklicher.
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Krypto-Tagung: Warum die Bitcoin-Schwäche heilsam wirkt Quelle: Bloomberg
Bitbond-Gründer Radoslav Albrecht

Gefragter Gesprächspartner mit gutem Draht zur Aufsicht.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Ein Jahr ist eine lange Zeit. Für die Kryptowährungsbranche bedeuten die vergangenen zwölf Monate nicht weniger als ein Epochenwechsel. Der Zauber des Anfangs ist verflogen, die anarchische Stimmung passé. Nirgendwo zeigt sich das besser als auf dem Klassentreffen der Branche, der „Crypto Assets Conference“, die am Dienstag zu Ende geht.

Es ist leerer geworden in der Frankfurt School of Finance and Management, die die Konferenz ausrichtet, – und deutscher. „Die Stimmung ist wesentlich substanzieller“, sagt Organisator Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center der Hochschule. „Es gibt keine windigen ICO-Projekte mehr“, erklärt er in Anspielung auf die in Verruf geratenen virtuellen Finanzierungsrunden. „Aber der Bitcoin-Preis drückt natürlich auf die Stimmung. Der Hype ist vorbei.“

Im Februar 2018 – der Bitcoin hatte wenige Wochen zuvor die 20.000-Dollar-Markte geknackt – trat die Branche in Frankfurt breitschultrig auf. An vielen Ständen präsentierten sich Start-ups, Vertreter von Großbanken und Aufsichtsbehörden erkundeten das neue Universum, und Teilnehmer bezeichneten die alte Finanzwelt als todgeweihte Dinosaurier. Über Regulierung wurde viel gesprochen, aber vor allem über die Frage, wie sie verhindert werden kann.

2019 hat sich die Stimmung komplett gedreht. Die Marktkapitalisierung der 2.000 Kryptowährungen ist von 800 Milliarden auf 130 Milliarden Dollar eingebrochen, die ICO-Blase geplatzt, viele Betrugsfälle sind aufgeflogen.

„Regulierung ist das Thema der Stunde“, sagt Christoph Iwaniez, Chef der Berliner Bitcoin-Bank Bitwala. „Zu viele unseriöse Projekte haben den Ruf der Branche beschädigt.“ Paradoxerweise wirke die Kursschwäche nun sogar heilsam: Sie habe schwarzen Schafen das Geschäftsmodell entzogen, erklärt Iwaniez. Für Projekte wie Bitwala, die von Anfang an mit der Aufsicht zusammenarbeiten, entstünden so neue Chancen. „Wir sind durchreguliert. Sogar unser Geschäftskonto läuft bei der Berliner Volksbank.“

Auch Philipp Sandner betont: „Viele Leute haben nach dem Staat gerufen. Und der Staat hat geliefert.“ Zahlreiche Behörden hätten Know-how aufgebaut, die Finanzaufsicht reguliere den Markt strenger, und die Bundesregierung arbeite an einer deutschen Blockchain-Strategie. „Manche Politiker wissen schon mehr über die Blockchain als viele Konzernlenker“, so seine Diagnose.

War im vergangenen Jahr noch oft beklagt worden, dass die Kryptobranche in Brüssel auf taube Ohren stößt, ist das Thema nun ganz oben angekommen, wie Rechtsanwältin Nina Siedler vom Blockchain-Bundesverband lobt. So soll das neu gegründete „EU Blockchain Observatory and Forum“ die EU-Kommission bei der europaweit einheitlichen Regulierung der Branche beraten.

Die neuen Stars der „Crypto Assets Conference“ sind denn auch die Teams, die einen Weg gefunden haben, mit der Aufsicht zusammenzuarbeiten. Gefragter Gesprächspartner ist etwa Radoslav Albrecht, Chef des Start-ups Bitbond, das weltweit Kredite an Selbstständige vermittelt.

Albrecht und sein Anwalt Eric Romba müssen immer wieder erklären, wie sie es geschafft haben, eine klassische Namensschuldverschreibung auf die Blockchain zu bringen. Als erste erhielten sie dafür die Erlaubnis der Finanzaufsicht Bafin.

Doch nicht alle Teilnehmer freuen sich über den wachsenden Einfluss des Staates. Austin Alexander von der US-Plattform Kraken etwa, der eine Fahne mit Bitcoin-Logo über den Schultern trägt. sieht die libertäre Krypto-Vision in Gefahr. „Die Zentralbanken und Aufseher arbeiten daran, das Dezentralisierungs-Projekt zu stoppen. Vergesst nicht: Sie sind die Typen mit den Knarren“, warnt Alexander. Für die vielen „Shitcoins“, wie er die 2.000 konkurrierenden Kryptowährungen nennt, sieht er keine Zukunft. Sicher überleben werde nur das Original - der Bitcoin.

Auch bei anderen Teilnehmern ist die Stimmung gedämpft. „Es ist viel weniger los als im letzten Jahr“, erklärt ein Unternehmer. „Und was mich wundert: Wo sind die Studenten, wo sind die großen Unternehmen? Die Branche bleibt unter sich.“

Zwar präsentieren sich vielversprechende Teams wie Azhos, das unter anderem für den Chemieriesen Bayer ein Mess- und Abrechnungssystem auf Blockchain-Basis aufbaut. Doch klar ist: Start-ups mit Industriebezug und Vertreter von Großkonzernen sind in Frankfurt selten. Organisator Sandner sieht ein Dilemma: „Viele Blockchain-Projekte entwachsen gerade der Testphase. Sie werden ernsthafter und damit auch teurer.“ Unternehmen müssten Geld in die Hand nehmen, um die Potenziale zu heben. „Dafür mangelt es oft an technischem Verständnis auf Vorstandsebene“, sagt Sandner.

Am weitesten sind die Banken - doch auch hier vor allem die ausländischen. So spart die Londoner HSBC auf ihrer Zertifikateplattform durch Blockchain-Technik bereits ein Viertel an Kosten ein, JP Morgan aus New York entwickelt einen „JPM Coin“. Und in Frankfurt? Ist nur die Commerzbank mit mehreren Vertretern vor Ort. Die Fusionsgerüchte mit der Deutschen Bank bänden derzeit alle Aufmerksamkeit, kritisiert ein Teilnehmer.

Beim Bier nach Abschluss von Tag eins keimt dann doch wieder Zuversicht auf. Internationale Teilnehmer, etwa Gregory Klumov vom maltesischen Start-up Stasis, sprechen ihren deutschen Kollegen Mut zu. „Wir alle haben uns obsessiv mit Regulierung befasst“, sagt Klumov. Und wer die Regulierer überzeuge, gewinne auch das Vertrauen der Investoren. „Es ist Zeit für einen neuen Bullenmarkt.“

Dazu passt, dass der Bitcoin-Kurs pünktlich zum Klassentreffen auf rund 4.000 Dollar klettert - ein neues Jahreshoch.

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