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Kryptowährung Bitcoin nimmt Kurs auf Rekordhoch

Institutionelle Anleger befeuern die Bitcoin-Rally, Krypto-Fans sind enthusiastisch. Andere Experten warnen vor einer möglichen Kurskorrektur.
18.11.2020 Update: 18.11.2020 - 18:01 Uhr Kommentieren
Als starker Preistreiber für die Kryptowährung gelten unter anderem Pläne des Bezahldienst Paypal, den Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Quelle: Reuters
Symbolische Bitcoins

Als starker Preistreiber für die Kryptowährung gelten unter anderem Pläne des Bezahldienst Paypal, den Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Nicht nur bei Krypto-Fans weckt die Entwicklung alte Erinnerungen: Am Mittwoch stieg der Bitcoin-Kurs zeitweise um fast fünf Prozent auf 18.491 Dollar. Damit hat sich der Kurs binnen sechs Wochen fast verdoppelt – und liegt nunmehr nur noch knapp 1500 Dollar unter seinem bisherigen Rekordhoch. Das hatte der Bitcoin Ende 2017 mit knapp 20.000 Dollar erreicht. Seit Beginn des laufenden Jahres hat der Preis um fast 150 Prozent zugelegt.

Seit Anfang Oktober beschleunigte sich der Kursanstieg der Digitalwährung stark. Als einer der wichtigsten Preistreiber galt zuletzt die hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten im Zuge der Präsidentschaftswahlen in den USA, die für eine starke Nachfrage nach alternativen Anlageklassen sorgte. Neben dem Bitcoin profitierten auch andere Kryptowährungen wie Ether.

Bereits in den Monaten zuvor hatte zudem die Corona-Pandemie laut Marktanalysten an den weltweiten Kapitalmärkten für ein kontinuierliches Klima der Unsicherheit gesorgt. Laut Timo Emden, Marktanalyst und Leiter des Analysehauses Emden Research, flüchten sich Anleger unter diesen Bedingungen in Bitcoin – in der Annahme, die Kryptowährung sei ähnlich wie Gold eine vergleichsweise sichere Möglichkeit, Kapital anzulegen: „Die Coronavirus-Pandemie trägt verstärkt dazu bei, dass die Anleger sich gegen Inflationsrisiken absichern.“

Befürworter des Bitcoins argumentieren seit Langem, dass die Digitalwährung geeignet sei, sich gegen mögliche Folgen einer expansiven Geldpolitik – darunter auch die Gefahr von Inflation – abzusichern.

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    Auffällig ist, dass auch institutionelle Anleger wie Versicherer und Pensionskassen inzwischen häufiger als in der Vergangenheit Bitcoin-Kapitalanlagen eingehen. In diesem Jahr erklärten eine Reihe von Großanlegern, in Bitcoin zu investieren. Laut einer Umfrage des Vermögensverwalters Fidelity Investments halten mittlerweile ein Drittel aller institutionellen Investoren Kryptowährungen im Portfolio. 45 Prozent der befragten Anleger in Europa sagten, sie besäßen Kryptowährungen oder -derivate, in den USA waren es 27 Prozent. Unter den befragten Investoren waren vor allem Pensionsfonds, Family Offices, Anlageberater und Hedgefonds.

    Als einer der stärksten Preistreiber der letzten Wochen erwiesen sich die Pläne des US-Bezahldienstes Paypal, den Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Ab 2021 sollen Kunden für ihre Online-Einkäufe mit Bitcoin zahlen können. Nach der Ankündigung machte der Bitcoin-Kurs einen Sprung um 4,9 auf den bis dato vorerst höchsten Wert seit Juli.

    Experten halten Kurskorrektur für möglich

    Analysten beobachten zudem, dass immer mehr Notenbanken mit dem Gedanken spielen, eigene digitale Währungen auszugeben. Im Oktober veröffentlichten sieben große Zentralbanken einen Bericht, in dem sie gemeinsame Bedingungen für die Ausgabe von eigenen digitalen Währungen umreißen. Zu der Gruppe gehören neben der Europäischen Zentralbank (EZB) auch die US-Notenbank Fed und die Schweizer Notenbank. Solche Pläne könnten das Vertrauen von Verbrauchern und Anlegern in digitale Währungen steigern.

    Grafik

    Unter Experten herrschen derweil geteilte Meinungen darüber, ob der Bitcoin in Kürze ein neues Allzeithoch erreichen wird. Philipp Sandner, Professor für Wirtschaftswissenschaften am Blockchain-Zentrum der Frankfurt School of Finance and Management, ist sich sicher: „Ich denke, dass wir das Allzeithoch in den kommenden Wochen erreichen werden und der Bitcoin darüber hinaus noch weiter ansteigen wird.“

    Vijay Ayyar, Leiter der Geschäftsentwicklung bei der Kryptobörse Luno, geht indes von einer Überbewertung der Währung aus und rechnet mit einem baldigen Kursrückgang. Er erwartet einen Anstieg auf 18.000 bis 19.000 Dollar. „Es sollte viele Leute geben, die auf diesen Niveaus verkaufen, besonders diejenigen, die 2017 und 2018 zu Spitzenpreisen gekauft haben“ sagt er. Bei Rallys in der Vergangenheit habe es immer Korrekturen von 30 bis 40 Prozent gegeben. „Es gibt keinen Grund zu glauben, dass diesmal anders sein sollte.“

    Auch Marktanalyst Emden gibt sich vorsichtig. Wie Ayyar geht auch er davon aus, dass Anleger verstärkt Gewinne mitnehmen werden, sollte sich der Kurs noch weiter dem Allzeithoch annähern. Er mahnt Anleger indirekt zur Vorsicht: „Investoren verschwenden derzeit keinen Gedanken an irgendwelche Risiken.“ Äußerungen von Notenbanken oder Gewinnmitnahmen könnten den steigenden Kurs ausbremsen: Noch am Mittwochabend sank der Kurs auf 17.876 Dollar.

    Doch egal ob Allzeithoch oder nicht, für Emden steht fest: „Für Bitcoin und Co. scheint ein neues Zeitalter zu beginnen.“

    Mehr: Die EZB sollte sich nicht allzu viel Zeit mit der Digitalwährung lassen

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