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Kryptowährung „Einfache globale Währung“ – Facebook will mit Libra den Zahlungsmarkt aufmischen

Facebook hat ehrgeizige Pläne für seine Kryptowährung. Das Digitalgeld soll zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen werden.
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Facebook Kryptowährung: Bitcoin könnte Konkurrenz von Libra bekommen Quelle: AP
Facebook-Aufkleber

Das Digitalgeld mit dem Namen Libra basiert ähnlich wie der Bitcoin auf der sogenannten Blockchain-Technologie.

(Foto: AP)

Zürich Das Dokument ist gerade einmal zwölf Seiten lang, doch die skizzieren eine kleine Revolution: Mit einem sogenannten Whitepaper stellte Facebook diesen Dienstag seine Pläne für eine neue Internetwährung namens Libra vor.

Libra soll nicht nur viel stabiler sein als der für seine Schwankungen berüchtigte Bitcoin, sondern auch viel erfolgreicher. Die Libra-Macher versprechen „eine einfache globale Währung und eine finanzielle Infrastruktur, die Milliarden von Menschen neue Chancen bietet“. Zusammen mit einflussreichen Partnern wie Visa und Ebay plant Facebook damit nicht weniger als eine Internet-Alternative zu Euro, Dollar und Co. Libra könnte damit auch zur Bedrohung für traditionelle Banken und Finanzdienstleister werden.

Wie der Bitcoin soll auch Libra auf der Blockchain-Technik basieren. Die Transaktionen werden dabei in einer dezentralen Datenbank gespeichert, auf die Facebook aber selbst keinen Zugriff haben soll. Eine unabhängige Stiftung in der Schweiz dagegen soll über die Währung wachen.

Anfangs dürfte Libra vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen benutzt werden, sagte Facebook-Manager David Marcus der Nachrichtenagentur dpa. Die Vision sei aber, Libra schließlich zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen zu machen.

Die Internetwährung soll bereits im kommenden Jahr an den Start gehen. Mit der Vorstellung der Pläne kommt Facebook-Chef Zuckerberg seinem Ziel ein Stück näher: „Langfristig werden Zahlungen ein wirklich wichtiger Teil unseres Geschäfts werden“, hatte Zuckerberg bereits im April angekündigt.

Zuletzt nutzen rund 2,4 Milliarden Nutzer das soziale Netzwerk. Für Facebook wäre das die mögliche Ausgangsbasis für ein ansehnliches Zusatzgeschäft. Nicht nur Facebook-Kunden, sondern auch Whatsapp- und Instagram-User sollen die Währung nutzen können.

Umsatz in Milliardenhöhe

Beispielsweise soll es mit Libra möglich sein, Geld per Whatsapp an Freunde zu überweisen. Per Smartphone soll Libra auch direkt per App in andere Währungen getauscht werden können. Die Analysten der Großbank Barclays schätzen, dass der Konzern dadurch rund 19 Milliarden Dollar an zusätzlichem Umsatz generieren könnte.

Facebook lanciert das Projekt nicht allein, sondern setzt auf namhafte Partnerfirmen. Darunter die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard und die Zahlungsdienstleister Paypal und Stripe. Facebook nimmt also potenzielle Rivalen mit ins Boot, die von der großen Kundenbasis des sozialen Netzwerks profitieren könnten. Auch die Fahrdienstleister Uber und Lyft, das Hotel-Buchungsportal Booking.com und der Musikdienst Spotify mischen mit.

Jeder der Partner soll zehn Millionen Dollar investieren, um die Entwicklung der neuen Kryptowährung zu finanzieren. Zum Libra-Start hofft der Konzern auf mehr als 100 Mitglieder. Dabei gibt es allerdings große Hürden: Sie müssen einen Marktwert von mindestens einer Milliarde Dollar oder mehr als 20 Millionen Kunden mitbringen.

Libra soll ein sogenannter „Stablecoin“, also eine stabile Währung, werden. Das bedeutet, dass die Entwicklung an reale Währungen wie den Dollar oder den Euro gekoppelt wird, um Schwankungen zu reduzieren – anders als beim Bitcoin, dessen Kurs massiv schwankt. Anfang 2017 war ein Bitcoin noch für wenige Hundert Dollar zu haben, Ende 2017 erreichte die Währung ein Rekordhoch von fast 20.000 Dollar. Seitdem hat sich der Preis in etwa halbiert. Die hohe Volatilität freut zwar spekulationsfreudige Anleger, gilt aber als ein Grund dafür, dass sich der Bitcoin als Zahlungsmittel bislang kaum durchgesetzt hat.

Bei Libra soll das anders werden. Geplant ist ein Währungskorb, an den das virtuelle Geld gekoppelt wird. Kauft etwa ein Facebook-User Libra für 100 Euro, dann sollen 100 Euro in die Währungsreserve fließen. Anders als beim Bitcoin wird Libra nicht von den Nutzern selbst erstellt: Wer sich die Internetwährung zulegen möchte, muss sie bei Mitgliedern der Allianz oder auf Handelsplattformen erwerben.

Chancen in Entwicklungsländern

Facebook übernimmt bei der Entwicklung des Projekts zwar zunächst eine führende Rolle. Über die Währung und ihre Reserven soll aber eine Stiftung mit Sitz in der Schweiz wachen. Nach dem Start des Projekts soll Facebook nur „eines von vielen Mitgliedern“ sein. Auch zur Aufbewahrung der Währung sollen Nutzern viele Möglichkeiten offenstehen. Facebook bietet mit seiner Tochterfirma namens Calibra zwar selbst ein Wallet – das ist eine Art virtuelle Brieftasche - an. Doch auch andere Anbieter sollen Wallets anbieten können.

Facebook will Libra also vorantreiben, dabei jedoch keine dominante Rolle einnehmen. Kein Wunder – schließlich zog der Konzern wegen seiner Geschäftspraktiken und mangelnden Datenschutzes immer wieder Kritik auf sich.

Experten verfolgen das Vorhaben gespannt: „Die Vision von einer globalen Internetwährung ist natürlich hochinteressant“, sagt Sandro Graf, der an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften zu Zahlungssystemen forscht. Noch sei es aber viel zu früh, um Libra als neue Internet-Leitwährung auszurufen: „Wir befinden uns noch in einem sehr frühen Stadium.“ Facebook und seine Partner müssten erst beweisen, dass die neue Währung tatsächlich funktioniert – und von den Kunden angenommen wird.

Graf rechnet der Internetwährung vor allem dort Chancen aus, wo Facebook eine große Nutzerbasis hat, vorhandene staatliche Währungen aber stark schwanken. Das sei etwa in Entwicklungsländern der Fall. „Dort könnte Libra zu einer einfachen und stabilen Möglichkeit für Zahlungen werden.“

Doch die Ziele der Libra-Macher reichen weiter: Langfristig soll die virtuelle Währung eine globale Alternative zu Euro, Dollar und Co. sein. Das Versprechen: „Unsere Hoffnung ist es, Zugang zu besseren, günstigen und offenen Finanzdiensten zu schaffen – egal, wer du bist, wo du lebst, was du tust oder wie viel du besitzt.“

Mit Agenturmaterial.

Mehr: Der Kurs der größten Kryptowährung Bitcoin hat über das Wochenende deutlich zugelegt. Als Grund nannten Anleger die konkreter werdenden Pläne einer Facebook-Währung.

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