Kryptowährung Vom Radar verschwunden – um Bitcoins ist es ruhig geworden

Fehlende Regulierung, mangelnde Transparenz, regelmäßiger Betrug: Händler sehen kaum noch Nachfrage nach Finanzprodukten rund um Bitcoin.
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Mittlerweile pendelt der Preis für die älteste und wichtigste Kryptowährung Bitcoin um 7000 Dollar. Quelle: Reuters
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Mittlerweile pendelt der Preis für die älteste und wichtigste Kryptowährung Bitcoin um 7000 Dollar.

(Foto: Reuters)

FrankfurtVom Mauerblümchen zum Börsenliebling und wieder zurück: Gut ein halbes Jahr nach dem Bitcoin-Hype ist es ruhig geworden um Kryptowährungen. Der Markt für die in der Branche ehemals heiß begehrten Neuplatzierungen von Cyber-Devisen (Initial Coin Offerings, ICOs) ist weitgehend zum Erliegen gekommen.

Händler sehen kaum noch Nachfrage nach Finanzprodukten rund um Bitcoin. Unzählige Betrugsfälle, Hackerangriffe auf Handelsplattformen für virtuelle Währungen und eine fehlende Regulierung haben Anlegern die Laune verdorben.

„Es ist ruhiger geworden, aber das ist auch gut so“, sagt Christoph Gerlinger, Chef der German Startups Group in Berlin. „Die Goldgräberstimmung 2017 hat bezogen auf ICOs sehr viel Schrott nach oben gespült.“ Als der Preis für Bitcoin damals in wenigen Wochen auf 20.000 Dollar in die Höhe schoss, war das Cyber-Geld plötzlich in aller Munde. Hatten zuvor nur eingefleischte Computerexperten von der Kryptowährung gehört, erklärte Ende 2017 sogar die „Bild“-Zeitung ihren Lesern alles Wissenswerte über Bitcoin.

Mittlerweile pendelt der Preis für die älteste und wichtigste Kryptowährung um 7000 Dollar. Das ist zwar immer noch das Siebenfache dessen, was sie Anfang 2017 gekostet hat. Von Seiten privater Kleinanleger sei das Interesse dennoch gesunken, sagt ein Händler, der auf Bitcoin basierende Finanzprodukte anbietet. „Für viele war der plötzliche Preissturz ziemlich schmerzhaft und sie haben jetzt erstmal die Nase voll.“

Fast völlig vom Radar verschwunden sind ICOs, also Platzierungen neuer Cyber-Devisen mit dem Zweck der Finanzierung von Firmen in der Kryptobranche. Über sie wurden vor einem Jahr Studien zufolge weltweit noch Milliardengelder eingesammelt.

„Mittlerweile investiert aber kaum noch jemand in ICOs“, erklärt Philipp Sandner, Professor am Frankfurt School Blockchain Center. „Es ist schwierig geworden, damit Geld zu verdienen.“ Viele Startups bekämen nur einen Bruchteil dessen, was sie ursprünglich geplant hatten, Projekte würden auf die lange Bank geschoben oder sogar komplett abgeblasen.

Experten zufolge liegt die geringere Nachfrage vor allem an der mangelnden Regulierung, die Investoren vor schwarzen Schafen und Betrugsfällen schützt. „Bei dem Thema ist in den USA, Großbritannien und in der EU in den vergangenen Monaten nicht viel passiert“, sagt Sandner. Nur Länder wie Malta oder Luxemburg hätten Regeln für die Branche aufgestellt. Auch in der Schweiz und in manchen Ländern Asiens ist der ICO-Markt weitgehend geregelt – beziehungsweise wie in China ganz verboten.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat mehrfach vor Anlagen in ICOs gewarnt, ein explizites Regelwerk dafür gibt es aber hierzulande nicht. „Die Branche braucht eine europaweit einheitliche Regulierung, an der aber auch schon gearbeitet wird“, sagt Rechtsanwalt Felix Biedermann von der Kanzlei Simmons & Simmons.

Hauptziel müsse sein, Investoren zu schützen und Vertrauen zu schaffen. Die EU-Kommission sieht allerdings keine Eile, um den Markt zu regulieren. Dafür gibt es in Europa im internationalen Vergleich zu wenige Anleger. Ein Großteil der Investments werden in Asien getätigt.

Trotz der Katerstimmung in der Branche sind Experten zuversichtlich, dass die Kryptobranche nur ein Zwischentief durchlebt. „In ein paar Monaten hat sich das Schiff wieder gedreht, da bin ich mir sicher“, so Sandner. „Derzeit wird im Hintergrund viel Wissen aufgebaut und dass das geräuschloser passiert, ist gar nicht verkehrt.“

  • rtr
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