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Kryptowährung Wie ich 20 Bitcoins à drei Euro kaufte

Unser Autor hat 2012 rund 20 Bitcoins gekauft – zum Preis von umgerechnet drei Euro pro Stück. Heute wäre das Investment mehr als 300.000 Euro wert. Eine kleine Weihnachtsgeschichte.
3 Kommentare
Bitcoin News: Wie ich 20 Bitcoin à drei Euro kaufte Quelle: AFP

Die Währung existiert nur virtuell – Münzen mit dem Logo haben keinen Wert.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Der Bundesbank-Präsident warnt heute vor Spekulationen mit Bitcoin. „Es gibt viele Arten, wie man sein Geld verlieren kann“, sagt Jens Weidmann. Immerhin: Ein Risiko für das gesamte Finanzsystem gehe von der virtuellen Währung noch nicht aus, nachdem der Bitcoin-Kurs zuletzt auf mehr als 20.000 Dollar in die Höhe geschossen war.

Immer, wenn ich Meldungen über neue Rekorde der Kryptowährung lese, geht es mir anders als dem Bundesbank-Präsidenten. Ich werde etwas wehmütig. Denn ich denke dann an das schicke Einfamilienhaus am Stadtrand, in dem ich nun wohnen, oder an den Bentley, den ich nun fahren könnte. Der Grund: Ich war beim Bitcoin-Hype außergewöhnlich früh dabei.

Im Februar 2012 habe ich 20 Bitcoins für umgerechnet 60 Euro gekauft. Beim aktuellen Bitcoin-Kurs entspricht das einem Gegenwert von rund neun Kilogramm purem Gold oder mehr als 300.000 Euro. Doch meine Wasserhähne sind weiterhin aus Edelstahl.

Denn mir geht es wie vielen Menschen, die schon früh in Bitcoin investiert haben. Und die auch früh wieder ausgestiegen sind, nur um sich heute zu sagen: Hätte ich das mal früher gewusst.

So feiert die Bitcoin-Community etwa jedes Jahr am 22. Mai den „Bitcoin Pizza Day“. An diesem Tag im Jahr 2010 bezahlte der Programmierer Laszlo Hanyecz ganze 10.000 Bitcoins für die Lieferung von zwei Pizzen. Die Transaktion gilt als erste, in der jemand eine echte Ware mit Bitcoins bezahlt hat. Die Sensation ist aber: Heute, siebeneinhalb Jahre später, wären Hanyecsz Bitcoins mehr als 188 Millionen US-Dollar wert.

Seit 2015 errechnet ein Twitter-Bot den Wert der beiden Pizzen tagesaktuell neu: ein vielsagender Index, der eine ziemlich passende Vorstellung von der rasanten Wertentwicklung des Bitcoin gibt. Denn zwischen der Erfindung 2010 und dem ersten größeren Boom ab 2013, bevor ich eingestiegen bin, bewegte sich der Kurs zumeist irgendwo im einstelligen Dollarbereich. Für größere Ausschläge sorgten vereinzelt bloß ein paar erste Medienberichte, die sich mit der neuen Währung beschäftigten.

Ich selbst bin wegen einer Recherche für die „Süddeutsche Zeitung“ über den inzwischen geschlossenen Online-Schwarzmarkt Silk Road darauf gestoßen. Dort war der Bitcoin das einzige zugelassene Zahlungsmittel – weil sich die Digitalwährung kostenlos, unkompliziert und vor allem anonym über Ländergrenzen transferieren lässt. Daher lastete dem Bitcoin ein anrüchiges Image an: Kein Unternehmen wollte sich anfangs mit dem vermeintlichen Verbrecher-Geld bezahlen lassen.

Wurden die Wechselkurse zu Beginn noch in Internetforen per digitalem Handschlag besiegelt, gab es bei meinem Einstieg Anfang 2012 schon erste größere Handelsportale, auch in Deutschland. Der Kauf kostete mich drei Tage von der Überweisung von meinem Girokonto bis zur Freigabe durch den Verkäufer aus der Slowakei – SEPA-Überweisungen gab es da noch nicht. Weil der Bitcoin in der realen Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt noch wertlos war, hatte ich die digitalen Münzen, wie vermutlich die meisten, eher aus Interesse an der Technologie gekauft.

Zwei große Pizzen für 0,001416 Bitcoin

Heute hingegen geht der Bitcoin tatsächlich als Zahlungsmittel durch. Ich könnte sogar mein Essen online mit Bitcoin bezahlen: Bei Lieferando etwa kosten zwei große Quattro Stagioni insgesamt 0,001416 BTC, inklusive Lieferung. Hätte Laszlo Hanyecz das früher gewusst, hätte er wohl keine 10.000 Bitcoins bezahlt.

Inzwischen haben den Bitcoin neben Hackern, Spekulanten und Unternehmern auch findige Chinesen entdeckt, die die Währung teilweise nutzen, um die Kapitalverkehrskontrollen ihrer Regierung zu umgehen – zum Leidwesen der Zentralbank in Peking, die den Handel seit vergangenem Oktober verbietet. Doch Anonymität und die zunehmende Verbreitung dürften nur zwei Gründe unter vielen für den jüngsten Gipfelsprint der Digitalwährung sein.

Faktor 6250

Der Bullenmarkt Bitcoin ist im Jahr 2017 zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden: Nachdem sich der Wert zwischen Januar und Dezember im Jahr 2016 „bloß“ verdoppelte, betrug er 2017 zwischenzeitlich das Zwanzigfache vom Jahresanfang. Hätte ich meine 20 Bitcoins für 60 Euro behalten, hätte ich mein Geld auf dem Höchststand ebenfalls vervielfacht – und zwar um den atemberaubenden Faktor 6250.

Doch bis dahin hätte ich viel Durchhaltevermögen benötigt – um nicht schon beispielsweise Ende 2013 zu verkaufen, als der Bitcoin mit rund 875 Euro seinen vorläufigen Höchststand erreichte. Nach einer langen Talfahrt mit einer längeren Sohle bei rund 200 Euro erreichte die Währung diesen Wert erst wieder Anfang 2017.

Erst da, also rund fünf Jahre nach meinem Investment aus Neugier, begann der wirkliche Höhenflug – von rund 1000 US-Dollar im Januar auf mehr als 20.000 Dollar vor wenigen Tagen. Ich hätte es eben nur früher wissen müssen.

Der verstorbene Börsenguru André Kostolany soll einmal gesagt haben: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer kein Geld hat, muss spekulieren.“ Und so rechtfertige ich mich heute vor mir selbst damit, dass ich 2012 als Student wenig Geld hatte – und somit nicht spekulieren durfte.

Nach nur zehn Monaten habe ich meine 20 Bitcoins im Dezember 2012, zugegebenermaßen etwas leichtfertig, wieder verkauft. Die Erlöse in Höhe von rund 200 Euro habe ich daraufhin in Geschenke investiert, das kleine Weihnachtsgeld kam mir also sehr gelegen.

Und so feiere ich nun jedes Jahr Anfang Dezember meinen persönlichen „Bitcoin Pizza Day“. Im Rückblick mag ich zwar die Chance auf eine Viertelmillion Euro verpasst haben. Doch am Ende lag meine Rendite bei durchaus ansehnlichen 200 Prozent – und meine Weihnachtsgeschenke kaufe ich seither immer pünktlich.

Hier geht es zur Seite mit dem Bitcoin-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

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3 Kommentare zu "Kryptowährung: Wie ich 20 Bitcoins à drei Euro kaufte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum schreiben Sie "WÄRE das Investment mehr als 300.000 Euro wert" ? Realisieren Sie ihr Investment und kaufen sich von dem "Richtigen Geld" eine Eigentumswohnung, ein Häuschen oder eine Segelyacht. Bevor Sie einen Käufer gefunden haben hat die Ziffernfolge in Ihrem Depotauszug hinter BITCOIN exakt einen Wert von 0,00000000 €.

  • Hätte er mal Aktien gekauft mit einem schönen KGV und Dividendenrendite, hätte er zwar kein Einfamilienhaus, doch für die Weihnachtsgeschenke würde es immer wieder reichen.

  • „Wie ich 20 Bitcoins à drei Euro kaufte“

    Davon (oder ähnlichem) träumen wahrscheinlich viele.

    Ich nicht. Auch wenn ich bestimmt kein Großverdiener bin: An Materiellem habe ich alles, was ich brauche, vielen Dank. Und was fehlt, ist mit Geld ohnehin nicht zu kaufen.