Kryptowährungen Die Gründe für den schlimmsten Bitcoin-Monat seit 2013

Das war kein guter Start ins Jahr: Die wichtigsten Kryptowährungen notieren deutlich im Minus. Der Bitcoin verbucht im Januar sogar den größten Kursverfall seit 2013. Das globale Eingreifen der Aufseher wirkt.
Update: 31.01.2018 - 17:08 Uhr 27 Kommentare
Bitcoin: Die wichtigste Kryptowährung Quelle: Photographer's Choice/Getty Images
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Bitcoin ist die wichtigste Kryptowährung. Ihr Wert hat sich seit Auflegung vervielfacht, regelmäßig geht es aber auch abwärts.

(Foto: Photographer's Choice/Getty Images)

DüsseldorfDer Bitcoin-Kurs ist in der Nacht zu Mittwoch auf den zweitschlechtesten Wert seit Anfang 2018 eingebrochen. Zwischenzeitlich notierte die wichtigste Krypto-Währung nur noch bei 9777 Dollar, nicht weit entfernt von den 9644 Dollar am 17. Januar. Mit einem Kursverlust von 30 Prozent seit Jahresbeginn erlebt der Bitcoin damit seinen schlechtesten Monat seit Dezember 2013, als es rund 26 Prozent nach unten gegangen war – bis auf einen Wert von 754 Dollar. Das zeigen Zahlen des Analysehauses Coinmarketcap, das die Kurse zahlreicher Krypto-Börsen auswertet.

Auch die anderen wichtigen Krypto-Währungen notierten am Mittwoch im Minus: Für Ethereum ging es um mehr als sechs Prozent bergab, Ripple liegt mehr als neun Prozent im Minus, auch Hoffnungsträger wie NEM, IOTA und Tether mussten Federn lassen. Auf Monatssicht stechen aber vor allem Bitcoin und Ripple mit einer negativen Entwicklung heraus, letztere liegen rund 50 Prozent im Minus, während Ethereum auf Monatssicht immer noch 32 Prozent im Plus liegt.

Die Gründe für die derzeitige Kursschwäche im Krypto-Reich sind vielschichtig. Bestätigt wird, was viele Kritiker schon lange glauben: Die virtuellen Münzen sind abhängiger von staatlicher Regulierung als gedacht. Zahlreiche Eingriffe der vergangenen Tage haben die Märkte erschüttert und werden von Analysten für den Abwärtstrend verantwortlich gemacht:

  • In Südkorea sind seit Dienstag neue Vorschriften in Kraft, die die Anonymität des Bitcoin-Netzwerks aushebeln. So muss künftig jedem Krypto-Konto ein Klarname zugeordnet werden, um Geldwäsche und Steuerflucht einzudämmen.
  • Die US-Börsenaufsicht SEC geht verstärkt gegen Krypto-Börsengänge, sogenannte ICOs vor. Statt Aktien erhalten Anleger hier Tokens, eine Art virtuelle Gutscheine. Diese werden wie andere Krypto-Währungen gehandelt, sind oft aber völlig wertlos. Zuletzt sperrte die SEC die Konten des Unternehmens Arisebank und damit ein Vermögen von 600 Millionen Dollar in Krypto-Währungen. Die SEC hat die Gelder der Arisebank einfrieren und einen Zwangsverwalter einsetzen lassen. Es ist das erste Mal, dass die SEC einen Zwangsverwalter im Zusammenhang mit einem ICO-Betrug eingesetzt hat.
  • Wie am Dienstag bekanntwurde, hat eine andere Behörde, die US-Optionsmarktaufsicht CFTC, bereits Anfang Dezember Vorladungen an die Verantwortlichen der Handelsplattform Bitfinex und von Tether verschickt, einer virtuellen Münze, die offiziell mit US-Dollar unterlegt ist. Das berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg. Bitfinex und die hinter Tether stehende Firma verschweigen bis heute ihren Standort, haben aber bekanntgegeben, vom selben Geschäftsführer geleitet zu werden. Analysten bezweifeln, dass Tether wirklich über die behaupteten Dollar-Reserven verfügt; eine Bestätigung durch unabhängige Wirtschaftsprüfer steht aus.
  • Und auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin, die sich bisher – mit Ausnahme ihrer Verbraucherwarnung im Herbst – öffentlich relativ bedeckt gegeben hat, schreitet erstmals ein. Die Bafin ordnete am Montag die umgehende Einstellung des Finanzkommissionsgeschäfts der Crypto.exchange GmbH in Berlin an, die im Internet mit dem direkten und schnellen Umtausch von Bitcoin in Euro geworben hatte. Das Geschäft sei entgegen der Eigenwerbung ohne Erlaubnis der Bafin betrieben worden. Zur Frage eines möglichen Schadens für Anleger hielt sich die Bafin bedeckt.

Die Schritte der Aufsicht ziehen aber auch im erweiterten „Krypto-Universum“ ihre Kreise: So hat das soziale Netzwerk Facebook diese Woche entschieden, keine Werbung mehr für binäre Optionen, Krypto-Währungen und ICOs zuzulassen. Diese seien „häufig verbunden mit irreführenden oder betrügerischen Werbepraktiken“, erklärte Facebook in einem Statement.

Experten wie der Frankfurter Rechtsanwalt Robert Michels von der Kanzlei Dentons gehen noch weiter: Er sieht ICOs als „Russisch Roulette mit fast vollem Magazin“. Neun von zehn Emissionen seien unprofessionell organisiert oder betrügerisch, sagte er dem Handelsblatt. „Die Auswirkungen für die Anleger sind die gleichen: Entweder, die angepriesenen Ideen floppen, oder das Geld verschwindet in dunklen Kanälen. Weg ist das Investment in jedem Fall. Daher bedürfen die wenigen guten und professionell beratenen ICOs dringend des Schutzes der Regulierungsbehörden und Gesetzgeber.“

Erst am vergangenen Freitag hatte der Diebstahl virtueller Münzen im Marktwert von 500 Millionen Dollar von der japanischen Börse Coincheck Schockwellen durch die Märkte geschickt. Diese wirken nach, eine schnelle Erholung wie in der Vergangenheit wird angesichts des global konzertierten Eingreifens der Aufseher immer unwahrscheinlicher.

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. So ist ein mögliches Verbot des Handels mit Bitcoin und Co. in Südkorea offenbar vom Tisch. „Wir haben nicht die Absicht, den Markt für Krypto-Währungen zu verbieten oder zu unterdrücken“, sagte der südkoreanische Finanzminister Kim Dong-yeon am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Regulierung der Börsen ist die vordringliche Aufgabe der Regierung.“ In den vergangenen Wochen hatten Spekulationen um eine Schließung sämtlicher südkoreanischer Krypto-Börsen für Aufregung gesorgt und die Kurse auf Talfahrt geschickt. Südkorea ist neben Japan und China eine der Hochburgen für diese Geschäfte.Damit scheint sich die Hoffnung der Krypto-Szene zu erfüllen, dass die südkoreanische Regierung mit der Ankündigung ihres Justizminister Park Sang-ki, man bereite ein entsprechendes Verbot vor, lediglich Verhandlungsdruck auf die heimischen Börsenbetreiber habe aufbauen wollen.

Der Gründer des Zahlungsdienstes TenX, „Krypto-Guru“ Julian Hosp, gibt sich schon wieder zuversichtlich: Zwar könne der Bitcoin-Kurs dieses Jahr bis auf 5000 Dollar fallen, dennoch bleibe er „super optimistisch“ hinsichtlich der langfristigen Krypto-Entwicklung. „2018 könnte das beste Krypto-Jahr aller Zeiten werden“, gibt sich Hosp überzeugt. Am Mittwochnachmittag lag der Bitcoin immerhin wieder knapp über der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 Dollar.

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27 Kommentare zu "Kryptowährungen: Die Gründe für den schlimmsten Bitcoin-Monat seit 2013"

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  • @Ralf Jansen: Lesen Sie es einfach nochmal. Ich habe speziell vom Bitcoin geschrieben, und die unendliche Anzahl bezog sich auf den Euro.

  • @Herbert Maier
    Tut mir leid, aber fast alle Ihre Aussagen sind einfach falsch und typische Vorurteile!

    Auch bei Kryptowährungen kann man Dividende erhalten, es kommt auf die Währung an.
    Stimmrechte gibt es auch, sogar höchst demokratisch!
    Hinter vielen Währungen sind Unternehmen, also hat man somit auch Anteile am gesamten Markkapital des Unternehmens.
    Nicht jede Währung ist eine Bitcoin Kopie, jeder hat die Wahl!
    "Unendliche Anzahl" ist somit Unsinn!, Oder gibt es auch nur eine begrenzte Anzahl von Aktienunternehmen?
    Scheinbar doch etwas komplizierter als sie dachten?!

  • @Ralf Jansen: Danke! Für Aktien gibt es ja wenigstens Dividende, Stimmrecht und einen Teil an einem echten Unternehmen. Wenn, würde ich es eher mit dem Euro gleichstellen wollen, zumal dort die immer wertloseren Zettelchen in unendlicher Anzahl weiter auf den Markt geworfen werden.

  • @Herbert Maier
    Tolle Beschreibung, genauso könnte man auch den Aktienmarkt beschreiben!
    Also nix neues, aber komisch, dass sich bei Kryptowährungen so viele Aufregen, ne!? :D (ironie)

  • Ich finde das mit dem Bitcoin jetzt nicht so kompliziert: Jemand sagt, ich hab hier ganz schöne (virtuelle) Zettelchen gebastelt, und die könnt Ihr jetzt kaufen und dann später an andere wieder teurer verkaufen. Und die Idee finden alle so gut, dass sie bis zu 20.000 USD für so ein Zettelchen zahlen, und andere kaufen denen das dann wieder ab, weil die auch gerne so Zettelchen haben möchten, um die dann wieder teurer zu verkaufen. Und so entspinnt ein schöner lustiger Zettelchen-Markt, wo viele Leute ganze Vermögen für die Zettelchen ausgeben. Bis sich irgendwann mal die ersten verstehen, dass die Zettelchen ja eigentlich gar keinen Wert haben, und dann versuchen die dann, die Zettelchen noch zu verkaufen. Und das merken dann immer mehr und sind dann froh, wenn ihnen jemand die Zettelchen wenigstens noch für den halben Wert abkauft. Und das ist heute.

  • @Annette Bollmohr
    Kryptowährung zu kompliziert? lol
    Die Kommentare bzw. Ausreden hier sind schon phänomenal!
    Schon mal mit unserem FIAT Schuldgeldsystem bis ins Detail beschäftigt?

    Alle finanztechnischen Dinge sind kompliziert und ja, man MUSS sich damit beschäftigen!
    Wer das nicht macht hat seine Finanzen nicht unter Kontrolle bzw überlässt es jemand anderen oder dem Staat...
    Die Menschen beschäftigen sich mit jedem Unsinn aber wenn es um ihr Geld geht, wird es plötzlich zu kompliziert.
    Fragen Sie sich mal lieber wieso diese Dinge nicht in der Schule gelehrt werden!

  • Frau Annette Bollmohr,

    sehr richtig. Zumal noch nicht einmal klar ist, ob derjenige, der 1 Woche zum Verstehen gebraucht hat, letztlich auch tatsächlich verstanden hat. Da verlasse ich mich auf keinen Fall auf jemanden mit einem 1-Wochen-Studium.

    Nebenbei bemerkt ist das nicht das einzige Thema, bei dem ich Ihre Meinung teile. Nur gehe ich in Einigem nicht so idealistisch vor.

  • @Herr Ralf Jansen, 31.01.2018, 16:31 Uhr

    Grundsätzlich haben Sie Recht, wenn Sie dazu raten, sich mit einem aktuellen Thema (nicht nur diesem!!) ordentlich zu beschäftigen.

    Allerdings, zu:
    „(…) ich habe zum Bespiel mehr als eine intensive Woche gebraucht um einen ersten Einblick zu gewinnen!“:

    Wenn die Funktionsweise einer Währung derart kompliziert ist, dass sie sich nur denjenigen, die von ihren Interessen sowie von ihren kognitiven Fähigkeiten her dazu in der Lage sind erschließt (von der benötigten verfügbaren Zeit mal ganz zu schweigen), taugt sie nicht zum allgemeinen Zahlungsmittel.

    Schon deshalb nicht, weil demokratische Prinzipien gebieten, dass ein im öffentlichen Wirtschaftsleben akzeptiertes Zahlungsmittel für jedermann - also nicht nur für „Eingeweihte“ - ohne weiteres zugänglich ist.

  • Weiß nicht ob die Begriffe "Investment" und "Anleger" in diesem Zusammenhang korrekt sind. Da passen doch eher Begriffe wie Wetteinsatz und Zocker. Und wenn man das in Presse und Politik konsequenter auch so bezeichnen würde, wäre den Leuten auch eher klar, worauf sie sich mit ihrem Geld da einlassen.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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