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Kurssturz beim Peso Wegen des Währungsverfalls gerät Argentinien immer mehr in Not

Der argentinische Peso beschleunigt seine Talfahrt. Investoren verlieren den Glauben. Die Reaktion der Zentralbank fällt immer drastischer aus.
Update: 31.08.2018 - 05:04 Uhr Kommentieren

Peso auf Rekordtief – Zinserhöhung soll Argentiniens Krise beenden

Salvador Die Währungskrise in Argentinien nimmt immer größere Ausmaße an. Die Notenbank versucht den Verfall des Peso mit einer kräftigen Zinserhöhung aufzuhalten. Sie erhöhte am Donnerstag ihren Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld auf 60 Prozent von zuvor 45 Prozent, wie sie in Buenos Aires mitteilte.

Der erhoffte Effekt blieb jedoch aus: Der Peso setzte seine Talfahrt fort und fiel am Donnerstag vorübergehend um mehr als 20 Prozent zum US-Dollar bis auf einen historischen Tiefstand von 42 Peso zum Dollar – der größte Kurssprung seit mindestens einem Vierteljahrhundert. Nach Bankenschluss erholte er sich aber auf 38,73 Peso, nachdem die Zentralbank 500 Millionen Dollar zum Verkauf anbot. Nun richtet sich der Blick verstärkt auf den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Mit einem Hilfskredit von insgesamt 50 Milliarden Dollar über drei Jahre will der IWF Argentinien unterstützen, im Gegenzug sollen Reformen erfolgen. 15 Milliarden Euro hat Washington bereits überwiesen – das genügte aber nicht, wie sich nun zeigt. Macri bat IWF-Chefin Lagarde nun um eine vorzeitige Auszahlung der anderen Tranchen. Nach nicht einmal drei Monaten muss das Abkommen zwischen Argentinien und dem Internationalen Währungsfonds also überarbeitet werden.

Neben Argentinien haben immer mehr Schwellenländer nach den massiven Währungsturbulenzen in der Türkei mit Problemen zu kämpfen. Experten befürchten, dass sich die Ereignisse auf dem dortigen Devisenmarkt nachhaltig auf andere Länder auswirken könnten.

Der freie Fall des Peso dürfte zeitnah kein Ende finden. Die Inflation beträgt mittlerweile 32 Prozent. Nur drei Länder erleben derzeit einen höheren Kaufkraftverlust. Investoren flüchten stattdessen in den Dollar, die heimische Währung wertet ab. Durch die Leitzinserhöhung wirkt die Zentralbank zwar der Inflation entgegen, würgt allerdings gleichzeitig die zarte Konjunkturerholung in diesem Jahr ab.

Makro-Daten lassen darauf schließen, dass die argentinische Wirtschaft 2018 um ein Prozent schrumpft. Die Rezession könnte sich jedoch noch verschärfen. Mittelfristig fehlt es an Lichtblicken. Die Regierung will am Montag eine Reihe von neuen wirtschaftlichen Maßnahmen vorstellen, mit denen das Haushaltsdefizit gesenkt werden soll.

Druck auf Macri wird immer größer

Deutlich wird in diesen Tagen: Das Vertrauen der Investoren und der Argentinier ist rasant gesunken. Der Anteil derer sinkt, die Macri zutrauen, die argentinische Wirtschaft aus der Krise zu führen. Schlimmer noch: Zunehmend schleicht sich Misstrauen ein, ob Argentinien nicht erneut zahlungssäumig werden könnte.

2002 war das Land in die Staatspleite geraten. Nachdem Übergangspräsident Adolfo Rodríguez Sáa die Einstellung von Schuldenzahlungen verkündet hatte – mehr als 100 Milliarden Dollar Anleiheschulden waren betroffen – bekam das Land 14 Jahre lang im Ausland nicht mehr einen Dollar geliehen. Erst seit zwei Jahren, unter der Federführung Macris, ist das Land wieder kreditwürdig. Seitdem hat sich Argentinien mit circa 83 Milliarden Dollar im Ausland verschuldet.

Jede Pesoabwertung verschärft die Schuldensituation noch, weil Argentinien mehr Peso an Tilgung und Zinsen für jeden Dollar Schuld zurückzahlen muss. Das verunsichert viele Gläubiger, zumal auch die Erfahrungen der Vergangenheit eher negativer Natur waren. Dennoch droht mittelfristig kein neuer Staatsbankrott: Die argentinische Zentralbank hat 55 Milliarden Dollar in der Kasse und weitere 45 Milliarden Dollar Kreditgarantie des IWF.

Private Investoren agieren vorsichtig

Nur eine rasche Konjunkturerholung könnte helfen, die drängendsten Probleme zu lösen. Das hohe Haushaltsdefizit soll etwa durch Steuereinnahmen statt durch Inflation reduziert werden. Die Wirtschaft würde aber außerdem gebremst, wenn der IWF als Gegenleistung für die vorzeitige Auszahlung der weiteren Gelder noch höhere Haushaltseinsparungen fordert.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich private Investoren seit kurzem bei Investitionen in Argentiniens Infrastruktur und Landwirtschaft zurückhalten. Derzeit werden täglich neue Korruptionsskandale aufgedeckt. Die beteiligten Baukonzerne bekommen jetzt keinen Kredit mehr von ausländischen Kreditgebern oder Entwicklungsbanken. Fast alle öffentlich-privaten Infrastrukturprojekte liegen deshalb auf Eis.

Das einzig Positive derzeit: Trotz der schwierigen Lage steht immer noch etwa ein Drittel der Argentinier hinter Präsident Macri. Die Zustimmung wird er brauchen. Für Mitte September haben die Gewerkschaften zum Generalstreik gegen die Sparmaßnahmen aufgerufen.

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