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Lira-Abwertung Türkische Inflationsrate steigt weiter – Gefahr der Stagflation

Die Türkei leidet unter stark anziehenden Verbraucherpreisen. Während die Inflationsrate steigt, wertet die Landeswährung ab – eine gefährliche Lage.
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Düsseldorf In der Türkei droht immer mehr eine Stagflation. Das türkische Statistikamt veröffentlichte am Freitag die Inflationsrate für den Monat Juli. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Verbraucherpreise demnach um 15,85 Prozent gestiegen.

Das ist die höchste Inflationsrate seit rund 15 Jahren und eine weitere Steigerung gegenüber dem Juni. Im Vormonat hatte die Rate bei 15,39 Prozent gelegen. Die türkische Notenbank sah sich bisher noch nicht zum Eingreifen genötigt. Erst am 24. Juli beließen die Währungshüter den Leitzins unverändert bei 17,75 Prozent.

Die Landeswährung Lira befindet sich derzeit stark unter Druck. Auf Monatssicht hat die Währung gegenüber Euro und Dollar fast neun Prozent verloren, auf Quartalssicht sind es rund 17,5 Prozent. Am Freitag stieg der Wechselkurs zunächst auf fast sechs Lira pro Euro. Im Handelsverlauf stabilisierte sich die Währung wieder.

Notenbank-Chef Murat Cetinkaya erwartet, dass die Inflation in den kommenden drei Jahren über dem eigenen Ziel liegen werde – dieses liegt bei fünf Prozent. „Wir werden alle nötigen Schritte zum nötigen Zeitpunkt auf Grundlage unserer eigenen Analysen vornehmen“, sagte Cetinkaya in dieser Woche vor Journalisten.

Das Wachstum des türkischen Bruttoinlandsprodukts, zuletzt mit einem Wert von 7,4 Prozent so hoch wie in wenigen anderen Ländern, dürfte sich bald verlangsamen. Eine heikle Situation für die bereits angeschlagene türkische Wirtschaft. Es droht die sogenannte Stagflation, das Nachlassen der Wirtschaftskraft, während die Verbraucherpreise steigen.

Der Begriff ist eine ökonomische Mischung aus Stagnation und Inflation. Bleibt die Teuerungsrate der Türkei, wie von der Zentralbank prognostiziert, auch in den nächsten Jahren so hoch, müsste die Wirtschaft des Landes entsprechend wachsen. Denn nur so könnten die Unternehmen die Löhne erhöhen und die Verbraucher die Preissteigerungen abfedern.

Doch der türkische Wirtschaftsboom hat ein Ablaufdatum. Die Konjunkturprogramme der vergangenen Jahre, mit viel geliehenem Geld finanziert, laufen aus. Dementsprechend droht schon bald ein empfindlicher Dämpfer – mit potenziell verheerenden Folgen.

Die Gefahr bei einer Stagflation: Steigen die Preise für Investitionsgüter, verringern die Unternehmen ihre Produktion. Dadurch steigt die Arbeitslosigkeit, was wiederum das Einkommen der Bürger senkt. Deren Nachfrage sinkt, was dann auch die Unternehmen zu spüren bekommen. Am Ende steht eine gefährliche Spirale, der ein Land, wie die Geschichte zeigt, aus eigener Kraft nur schwer entkommt – solange kein internationaler Partner wie etwa die Weltbank einspringt.
Mit Material von dpa

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1 Kommentar zu "Lira-Abwertung: Türkische Inflationsrate steigt weiter – Gefahr der Stagflation"

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  • Sehr geehrte Herren Redakteure,

    versetzen Sie sich doch einmal in die Gedankenwelt einer türkischen Familie, die im Laufe ihres Arbeitslebens eine nennenswerte Summe angespart hat. Wenn die Familie einfach zuwartet, ist die Kaufkraft ihrer angesparten Lira nach einem Monat sagen wir 10 % weniger wert. Also mit bloßem Zuwarten verlieren die Ersparnisse der Familie stark an Kaufkraft.

    Will die Familie dies verhindern, muß sie ihre Lira in EURO oder Dollar umtauschen. Aber der Kauf dieser Fremdwährungen drückt deren Kurse noch weiter in die Höhe. Damit steigen die Preise aller importierten Waren noch höher, was auch den Warenkorb der statistisch gemessenen Verbraucherpreise weiter verteuert.

    Falls Sie dieser Analyse zustimmen, können Sie selbst nach einer Lösung suchen. Ich helfe Ihnen ein wenig. Wie wäre es, wenn der türkische Staat verhindert, dass seine Bürger alle erreichbaren Lira in Fremdwährungen umtauscht? Ich glaube, man nennt das Devisenzwangsbewirtschaftung.

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