Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Lira legt zu Türkische Inflation steigt auf 12 Prozent – Spekulation auf weitere Zinsanhebung

Im Mai sind die Preise in der Türkei stärker als erwartet gestiegen. Eine erneute Zinserhöhung wird immer wahrscheinlicher.
Update: 04.06.2018 - 16:01 Uhr Kommentieren
Lira: Türkische Währung heizt Spekulation auf Zinsanhebung an Quelle: AFP
Türkische Lira

Die türkische Währung kann sich wieder etwas erholen.

(Foto: AFP)

Istanbul/FrankfurtVor den Wahlen in der Türkei hat die Inflation nach starken Kursverlusten der Landeswährung Lira kräftig zugelegt. Im Mai sei die Inflationsrate auf 12,15 Prozent gestiegen, teilte das nationale Statistikbüro am Montag in Ankara mit.

Damit hat die Teuerung in dem Schwellenland den höchsten Stand seit November erreicht. Im April hatte die Inflation noch deutlich tiefer bei 10,85 Prozent gelegen.

Die hohe Inflation schürt Spekulationen auf eine erneute Zinserhöhung der türkischen Notenbank und gibt der Landeswährung Auftrieb. Der Kurs des Dollar verlor im Gegenzug am Montag bis zu 1,4 Prozent auf 4,59 Lira. Der Euro verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 5,38 Lira.

Die Kernrate der Preisentwicklung, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, lag im Mai bei 12,64 Prozent. Experten sehen die Ursache für den starken Anstieg der Inflation in der jüngsten Kursschwäche der türkischen Lira, die importierte Waren spürbar verteuert hat.

Im Mai war der Kurs der Landeswährung zum US-Dollar und zum Euro jeweils auf ein Rekordtief gefallen. Nach einer Krisensitzung Ende Mai hatte die türkische Zentralbank den Leitzins deshalb um drei Prozentpunkte auf 16,5 Prozent angehoben. Sie wollte den Fall des Lira-Kurses von einem Rekordtief zum nächsten stoppen. Börsianer gehen nun davon aus, dass sie den Leitzins im Zuge ihrer Beratungen am Donnerstag erneut anheben wird.

Aufgrund des Lira-Absturzes hatte die türkische Notenbank zudem zuletzt ihre geldpolitischen Messgrößen angepasst. Die Währungshüter sollen sich nur noch auf einen einzigen Zinssatz stützen statt wie zuletzt auf ein kompliziertes System mehrerer Zinsen.

Insgesamt ist die Lira zum Dollar seit Anfang des Jahres um mehr als 20 Prozent abgerutscht. Das Phänomen lässt sich in vielen Schwellenländer beobachten, die der Zinsanstieg in den USA unter Druck setzt. Doch in der Türkei kommen weitere Probleme hinzu. Kreditfinanzierte Konjunkturprogramme, eine hohe Auslandsverschuldung und ein Leistungsbilanzdefizit von mehr als fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts belasten die türkische Lira zusätzlich.

Deutsche Top-Wirtschaftswissenschaftlicher geben Erdogan die Schuld an dieser Misere. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht vor allem die Politik als Ursache für den Lira-Verfall. „Die Ankündigung Erdogans, die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank aufzuheben und selbst deren Entscheidungen treffen zu wollen, ist einer der zentralen Gründe für die Währungskrise der Türkei“, sagte der Ökonom dem Handelsblatt. Die türkische Währung werde ihren Fall fortsetzen, wenn die Regierung die Manipulation der Wirtschaft weiterhin beschneide.

Ifo-Präsident Clemens Fuest äußerte sich ähnlich: Mit extrem expansiver Konjunkturpolitik habe die türkische Regierung das Wirtschaftswachstum in der Türkei angeheizt. Die Inflationsrate habe deshalb bereits im vergangenen Jahr elf Prozent erreicht, das Leistungsbilanzdefizit bei über fünf Prozent des BIP gelegen.

„Nun bekommen die internationalen ebenso wie die heimischen Investoren kalte Füße und verkaufen Lira“, sagte Fuest dem Handelsblatt. „Diese wirtschaftlichen Turbulenzen werden die Popularität Erdogans empfindlich reduzieren“, erwartet er.

Analysten vermuten deshalb, dass der Präsident die kommenden Wahlen extra um mehr als ein Jahr auf Ende Juni vorgezogen hat. Am 24. Juni werden in der Türkei erstmals gleichzeitig das Parlament und der Präsident gewählt. Umfragen zufolge ist die Lage der Wirtschaft das Thema, das die Wähler am meisten umtreibt. Erdogan sieht hinter den Verlusten der Lira und der Inflation eine westliche Verschwörung.

Nach Umfragen ist es derzeit nicht sicher, ob Erdogan im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erzielt. Sollte das nicht der Fall sein, steht am 8. Juli eine Stichwahl an.

Mit Material von dpa und Reuters.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Lira legt zu - Türkische Inflation steigt auf 12 Prozent – Spekulation auf weitere Zinsanhebung

0 Kommentare zu "Lira legt zu: Türkische Inflation steigt auf 12 Prozent – Spekulation auf weitere Zinsanhebung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.