Machtkampf am Ölmarkt Saudi-Arabien testet Amerikas Schmerzgrenze

Die USA überschwemmen die Welt mit billigem Schieferöl. Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien hat Angst um seine Marktmacht und schlägt nun zurück. Verbraucher können vom Preiskrieg der Ölstaaten nur profitieren.
Update: 17.11.2014 - 12:20 Uhr 25 Kommentare
Beim Fracking werden tiefliegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde Schiefergas und -öl mit Hilfe von Chemikalien gelöst. Quelle: Reuters

Beim Fracking werden tiefliegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde Schiefergas und -öl mit Hilfe von Chemikalien gelöst.

(Foto: Reuters)

New YorkDer Schieferöl-Boom hat die Machtverhältnisse in der Energiewelt verschoben: Dank der Fracking-Revolution sind die USA dabei, die Vorherrschaft zu übernehmen. Saudi Arabien versucht durch Öl-Dumping, das die Preise unter die Produktionskosten von US-Firmen treiben soll, den Schiefer-Boom zu stoppen.

Das Ergebnis: Überversorgung, die Ölpreise sind im freien Fall – seit Sommer haben sie um etwa ein Viertel eingebüßt. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Sorte WTI kostete in der vergangenen Woche weniger als 75 Dollar und war damit so billig wie seit über vier Jahren nicht mehr. Während Verbraucher vom Preiskrieg profitieren, spitzt sich die Lage für viele Ölstaaten zu.

„Die USA werden als neues Schlachtfeld betrachtet“, sagt Expertin Amrita Sen vom Analysehaus Energy Aspects. Das Fracking, bei dem tiefliegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde Schiefergas und -öl mit Hilfe von Chemikalien gelöst wird, hat der US-Energieindustrie einen rapiden Aufstieg beschert.

Die Rohölproduktion lag laut der Energiebehörde EIA zuletzt erstmals seit den 70er Jahren wieder bei mehr als neun Millionen Barrel pro Tag. „Wenn es um Rohöl und fossile Brennstoffe geht, platzen die USA aus allen Nähten“, sagt Edward Morse, Leiter der Rohstoffanalyse bei der Citigroup.

Amerika überschwemmt die Welt mit billigem Öl. Das drückt die Profitabilität und lässt die Marktmacht schwinden in Ölstaaten wie Saudi-Arabien, dem größten Produzenten des Opec-Kartells. Bislang hielten die Saudis bei Preisverfall stets dagegen, indem sie das Angebot verknappten.

Diesmal nicht – Anfang November gewährten sie US-Kunden sogar einen überraschenden Sonderrabatt. Dahinter dürfte Kalkül stecken: Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Saudis die Schmerzgrenze der US-Förderindustrie testen wollen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Rezession in Japan drückt auf die Ölpreise
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Machtkampf am Ölmarkt - Saudi-Arabien testet Amerikas Schmerzgrenze

25 Kommentare zu "Machtkampf am Ölmarkt: Saudi-Arabien testet Amerikas Schmerzgrenze"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die großtechnische direkte Umsetzung von Methan in flüssige Kraftstoffe gelingt. Der Fortschritt in der Katalysatorforschung beschleunigt sich von Tag zu Tag.Dann könnte man Kraftstoffe "nach Maß" designen. Urplötzlich könnte Öl nur noch das Heizwertäquivalent von Kohle wert sein.

  • Die Saudis fördern dieses Jahr ca 200000 Barrel am Tag mehr als im Mittel von 2009 bis 2013. Das bei einem Tagesverbrauch von ca. 87 Mio. Barrel am Tag.
    So gewaltig wäre es nicht, wenn der Iran, Venezuela und Russland die Produktion senken würden.
    Immerhin fördert Russland fast soviel wie Saudi Arabien.

  • Hat die Russen ja keiner gezwungen ihren Staat auf einem Ölpreis von 100 Dollar zu bauen.

  • Dieses vernebelnde "Geschreibsel" spricht von einem 'Schlachtfeld USA' - und lenkt bestens ab von dem komischen 'Zufall', dass es sich um eine konzertierte Aktion der USA + Saudis handelt, um dort Schmerz auszulösen, wo es derzeit richtig weh tut - Russland.

    Die Amis meinen es ernst, eskalieren Schritt um Schritt.

    Jeder Profiler, der die Russen oder gar Putin checkt, wird wissen, dass deren vollumfängliche Isolation und Konfrontation auf allen Ebenen letztlich sogar einen ausgewachsenen Krieg - KRIEG, RICHTIG GROSSER KRIEG - entfachen dürfte.

    Das eigentliche Ziel ?!

    Wer stoppt diese egomanische Aggressionen der USA??

  • Warum die Saudis die Fördermenge erhöhen?
    Weil die sonst die Marktanteile in den USA einbüßen.
    Und die wollen ja nicht so enden wie Russland oder der Iran und sich von den Chinesen ausnehmen lassen.

  • @ Hans Maiser

    Die bisherige Produktionsmenge ist in den Haushaltsplänen fest einkalkuliert. Russland könnte den Preis nur durch gewaltige Produktionssenkung stabilisieren. Saudi-Arabien könnte jedoch jede gesenkte Menge durch gesteigerte eigene Produktion kompensieren.

    Warum ein in Geld schwimmendes Saudi-Arabien tatsächlich die Fördermenge erhöhte wird man noch erfahren.

  • Ist es aber nicht.
    Zumal der Dollar ja steigt.

  • Aber klar doch. Die Saudis können den Preis drücken, aber die Russen durch Produktionssenkungen nicht erhöhen.
    Socher doch.
    Die Russen, Iraner und Venezuelaner waren nur dumm und kurzsichtig genug sich auf einen so hohen Ölpreis zu verlassen.
    Die Saudis werden jetzt keine andere Möglichkeit haben, als die Produktion oben zu halten um die Frackingtätigkeit zu mindern.
    Vermutlich wird man sich bei der Opec nicht einigen.

  • @ Hans Maiser

    Dann schauen wir mal wie sich der Dollar entwickelt. Bei 1:1 zum Euro wäre es vorbei mit den Exporten.

  • @ Hans Maiser

    Eine Nation kann durch Produktionssenkung nicht viel bewirken. Deswegen wurde ja die Abstimmung per OPEC eingeführt. Man kann allerdings durch einseitige Produktionserhöhung das Preisgefüge nachhaltig stören.

    China nutzt nun die Not von Russland und dem Iran um sich langfristige Lieferverträge zu sichern. Und hat Brasilien und Venezuela für weitere Lieferungen in der Hinterhand.

    Mal sehen wer langfristig mehr durch Saudi-Arabiens Politik profitiert.
    Wir werden sehen ob China sich über langfristige Verträge

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%