Moskauer Börse US-Sanktionen drücken den Rubel auf Zwei-Jahres-Tief

Russland-Anleger laufen davon: Der Rubel fällt und auch Staatsanleihen geraten unter Druck. Russlands politische Führung reagiert empört.
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Russland-Anleger laufen davon – Rubel auf Zwei-Jahres-Tief Quelle: dpa
Ein-Rubel-Münze

Die russische Währung ist zuletzt unter Druck geraten.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Zeit der diplomatischen Zurückhaltung zwischen Moskau und Washington ist spätestens seit diesem Donnerstag vorbei: „Absolut unfreundlich“, „kategorisch inakzeptabel“ und „komplett illegal“ nach internationalem Recht, mit dieser Tirade reagierte der Sprecher des russischen Präsidialamts, Dmitri Peskow, auf die Androhung neuer Sanktionen durch die USA.

Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte am Mittwoch neue Strafmaßnahmen gegen Russland wegen des Anschlags auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia angekündigt. Sie zeigte sich überzeugt, dass Russland bei dem Anschlag auf Skripal in Großbritannien Nervengift eingesetzt hat. Russland hat diese Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

Der schnell eskalierende Streit sorgte für einen Absturz des Rubel-Kurses und setzte auch russische Staatsanleihen deutlich unter Druck. „Die Politik richtet in einem Ausmaß kurzfristiges Chaos an, dass wir uns fragen, welche Währung wirklich sicher ist“, sagte Anlagestratege Viraj Patel von der niederländischen ING Bank der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Rubel sank im Vergleich zum Dollar auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Die amerikanische Währung und der Euro stiegen jeweils mehr als eineinhalb Prozent auf 66,73 beziehungsweise 77,33 Rubel. Sollte die Lage weiter eskalieren, halten die Analysten der Danske Bank ein Abrutschen der russischen Währung gegenüber dem Dollar in Richtung 72 Rubel für möglich und gegenüber dem Euro in Richtung 83 Rubel.

Verluste auch am Aktienmarkt

Spiegelbildlich zum Absacken der Kurse für russische Staatsanleihen stieg die Rendite der in US-Dollar notierten russischen Bonds mit zehnjähriger Laufzeit auf rund 5,2 Prozent – und damit auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Die Rendite der in Lokalwährung begebenen Staatsanleihe stieg auf über acht Prozent. An der Börse in der russischen Hauptstadt Moskau verlor der Aktienleitindex RTS rund zwei Prozent an Wert.

Präsidentensprecher Peskow versuchte, die Investoren zu beruhigen, und erklärte, das russische Finanzsystem habe sich bereits bei früheren Sanktionen als stabil und gut geführt erwiesen. Finanzminister Anton Siluanow betonte, die Regierung und die Zentralbank verfügten über alle notwendigen Werkzeuge, um die Finanzstabilität zu wahren.

Im Moment spricht allerdings nur wenig für eine Entspannung der Lage. Nach der US-Drohung bereitet Moskau Gegenmaßnahmen vor. ‧Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, die russische Seite beginne damit, an Vergeltungsmaßnahmen zu arbeiten.

Die US-Sanktionen sollen nach Angaben eines Regierungsvertreters Exportgüter aus den Bereichen Elektronik, Laser, Sensoren und Öl- und Gastechnologie betreffen. Ein anderer US-Regierungssprecher sprach von einem Handelsvolumen in dreistelliger Millionenhöhe.

  • HB
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