Nach dem Börsen-Crash China startet weitere Hilfen für Yuan

Die chinesische Zentralbank erschwert Spekulationen mit der eigenen Währung. Zudem sind mehr als 100 Milliarden Euro Investitionen in den Schienenverkehr geplant. Alles soll der Wirtschaft helfen.

China stützt den Yuan - Ölpreise stürzen weiter ab

PekingIm Kampf gegen die Konjunkturabkühlung und Börsenturbulenzen unternimmt China weitere Schritt. Spekulationen mit der heimischen Währung sollen eingedämmt werden. Zudem will die Volksrepublik massiv in die Infrastruktur investieren. Großbanken gehen davon aus, dass die Regierung einen wirtschaftlichen Einbruch vermeiden kann.

Für einige Geldhäuser, die im Auslandsdevisenhandel tätig sind, gilt künftig ein Mindestreservesatz, kündigte die Zentralbank am Montag an. Damit müssen die Banken künftig mehr heimische Yuan halten. So sollen die Bestände im Handel reduziert und Wetten auf eine Abwertung des Wechselkurses erschwert werden, sagten Insider. Chinas Währungspolitik hatte zuletzt für Verunsicherung an den Finanzmärkten gesorgt. Dort nährte die Yuan-Abwertung zu Jahresbeginn Spekulationen, Peking wolle seinen Unternehmen unfaire Vorteile im Exportgeschäft verschaffen.

Die schwärzesten Tage der Börsengeschichte
19. Oktober 1987 – der „Schwarze Montag”
1 von 8

Am „Schwarzen Montag” brach der US-Standardwerte-Index Dow Jones um 22,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Die Panikverkäufe breiteten sich schnell auf alle wichtigen internationalen Handelsplätze aus. Der Tokioter Leitindex Nikkei rauschte nach dem Crash an den US-Börsen um knapp 15 Prozent in die Tiefe. Der Londoner Auswahlindex FTSE verbuchte mit knapp elf Prozent lediglich den zweitgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Tags darauf beschleunigte er jedoch seine Talfahrt und verlor gut zwölf Prozent.

16. Oktober 1989 – der Dax-Absturz
2 von 8

Der deutsche Leitindex Dax, der erst 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fiel um rund 13 Prozent und folgte damit der Wall Street, wo Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten. Für den Dax ist das der erste und der größte Crash seiner Geschichte.

23. Mai 1995 – die Asien-Krise
3 von 8

Nicht nur die Jahre 2015 und 2016 machten China für Aktienabstürze bekannt. Den ersten größeren Crash gab es vor rund 11 Jahren: Die Furcht vor Eingriffen der Regierung in den chinesischen Aktienmarkt ließ den Shanghai-Composite Index um 16,4 Prozent abstürzen.

6. Oktober 2008 – das Lehman-Beben
4 von 8

Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wurde die Unsicherheit an den Aktienmärkten immer größer. Der italienische Leitindex verbuchte mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent seinen größten Tagesverlust, der Leitindex der portugiesischen Börse gab knapp zehn Prozent nach. Der EuroStoxx50 fiel um acht Prozent. An der Wall Street ging es ebenfalls bergab, allerdings nicht ganz so stark: Der Dow-Jones-Index gab 3,6 Prozent nach. Auch für den Dax ging es kräftig bergab. Der Dax schloss mit einem Minus von 7,1 Prozent auf 5387 Punkten.

3. August 2015 – die griechische Tragödie
5 von 8

Die Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern haben im Sommer 2015 für ein Kursbeben an der Börse des Landes gesorgt. Zuvor wurden die Märkte geschlossen, um Kapitalmarkt-Turbulenzen zu verhindern. Allerdings blieb der Erfolg überschaubar: Am ersten Tag nach der fünfwöchigen Zwangspause stürzte die Athener Börse ins Bodenlose. Der Leitindex verbuchte mit einem Minus von 16 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte.

24. August 2015 – ein neuer China-Crash
6 von 8

Bereits im Sommer 2015 sorgte China für Panik unter den Anlegern weltweit. Angesichts der Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in der Volksrepublik rutschten die Börsen rund um den Globus immer weiter ab. Der Shanghai Composite Index brach um 8,5 Prozent ein. Der Dax verlor in der Spitze 7,8 Prozent auf 9338 Punkte. An der Wall Street stürzt der Dow-Jones-Index zeitweise um 6,6 Prozent und der Nasdaq-Composite sogar um bis zu 8,8 Prozent ab.

07. Januar 2016 – und wieder ein Drachen-Kursbeben
7 von 8

Die neuerliche Abwertung der chinesischen Landeswährung lässt die Aktienbörsen in der Volksrepublik wanken. Am 7. Januar wurde der Handel an der chinesischen Börse das zweite Mal binnen weniger Tage per Notbremse gestoppt, nachdem die Leitindizes um sieben Prozent absackten. Die Sitzung dauerte weniger als eine halbe Stunde und war damit der kürzeste Börsentag in Chinas Geschichte. Der Dax rauscht das erste Mal seit Oktober wieder unter die 10.000-Punkte-Marke und gibt zeitweise knapp vier Prozent nach.

Den Schienenverkehr will China in diesem Jahr ausbauen und steckt umgerechnet 112 Milliarden Euro in die Pläne. Die staatliche China Railway Corp rechne für 2016 mit einem Anstieg des Passagieraufkommens von zehn Prozent und einem Plus beim Frachtvolumen von zwei Prozent, wird Geschäftsführer Sheng Guangzu in den „Shanghai Securities News“ zitiert. Deshalb solle die Infrastruktur ausgebaut werden. 800 Milliarden Yuan seien dafür vorgesehen. 2015 seien 824 Milliarden Yuan investiert worden, womit das Schienennetz um 9531 Kilometer erweitert wurde.

An den Börsen geht derzeit die Furcht um, dass die Volksrepublik deutlich an Fahrt verliert und damit die Weltkonjunktur bremst. Die neuen Vorhaben kamen bei den Anlegern gut an: In Shanghai ging es um rund 0,5 Prozent nach oben, der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen stieg um knapp 0,4 Prozent. Der Fokus der Investoren richtet sich auf die für Dienstag erwarteten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt 2015. Ministerpräsident Li Keqiang sagte am Wochenende, dass die Wirtschaft wie angepeilt um rund sieben Prozent gewachsen sein dürfte nach 7,3 Prozent 2014. Das wäre das geringste Plus seit einem Vierteljahrhundert. Analysten haben 6,9 Prozent prognostiziert.

Die Großbank HSBC rechnet nicht mit einem deutlichen Abschwung. Erwartet werde in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 6,7 Prozent, sagte ihr Chef Stuart Gulliver in Hongkong. Auch die französische Bank BNP Paribas ist optimistisch. „Die chinesischen Behörden haben schon vor Jahren klar gemacht, dass sie das Wirtschaftsmodell umstellen“, sagte deren Chef Jean Lemierre auf derselben Veranstaltung. „Mittelfristig schaut das sehr nachhaltig aus, weshalb wir zuversichtlich sind“, sagte Lemierre.

Am Montag teilte Chinas Notenbank mit, sie habe insgesamt 55 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 7,7 Milliarden Euro) ins Bankensystem gepumpt. Sie nutzte dafür die 2013 eingeführten kurzfristigen Liquiditätsgeschäfte – kurz SLOs. Die entsprechenden Geldspritzen sind auf drei Tage angelegt. Die Finanzinstitute müssen dafür einen Zins von 2,1 Prozent zahlen. Die Banken hatten im Dezember weniger neue Kredite vergeben, was weitere Sorgen über den Zustand der Wirtschaft genährt hatte. An den Börsen geht derzeit die Furcht um, dass sich die Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt deutlich abkühlt. Daher gilt den am Dienstag anstehenden Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2015 besonderes Augenmerk.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Nach dem Börsen-Crash - China startet weitere Hilfen für Yuan

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%