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Naher Osten Ölpreis dürfte nach Drohnen-Angriffen in Saudi-Arabien deutlich steigen

Der Ölpreis wird zur Handelseröffnung vermutlich deutlich steigen. Experten erwarten ein Plus von fünf bis zehn Dollar – und möglicherweise Panik am Markt.
Update: 16.09.2019 - 03:01 Uhr Kommentieren
Tendenziell niedrig gehalten werden die Rohölpreise durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China. Quelle: dpa
Öl

Tendenziell niedrig gehalten werden die Rohölpreise durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China.

(Foto: dpa)

London Der Ölpreis dürfte diesen Montag nach den verheerenden Angriffen auf Förderanlagen in Saudi-Arabien deutlich steigen – vermutlich um zwischen fünf und zehn Dollar pro Fass. Teilweise rechnen Experten sogar mit Panik, die Marke von 100 Dollar könnte wieder in Reichweite rücken, sollte das Königreich nicht in der Lage sein, schnell wieder seine normale Kapazität zur Verfügung zu stellen.

Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Wochenende, es werde vermutlich eher Wochen als Tage dauern, bis die Förderung wieder wie gewohnt laufe. Durch Drohnenangriffe auf Standorte des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Abkaik und Churais wurde eine Fördermenge von 5,7 Millionen Barrel pro Tag bis auf Weiteres lahmgelegt. Das ist mehr als die Hälfte der täglichen Ölproduktion des Königreichs.

Zu dem Beschuss haben sich die Huthi-Rebellen im Jemen bekannt, die dem Iran nahestehen – dem Erzfeind Saudi-Arabiens in der Region. Die USA machten den Iran für die Attacken verantwortlich.

Der gegenwärtige Ausfall entspreche in etwa fünf Prozent des weltweiten Angebots, sagte Samuel Ciszuk vom Analysehaus ELS. Andere Experten betonten, dass am Markt Sicherheitsbedenken bislang nur teilweise berücksichtigt worden seien.

Die Angriffe stellten eine neue Dimension dar, sagte etwa Analyst Christyan Malek von der US-Großbank JP Morgan. Der Markt werde dies nun einpreisen und der Preis in den nächsten drei bis sechs Monaten auf 80 bis 90 Dollar pro Fass steigen. Die Nordseesorte Brent kostet momentan gut 60 Dollar, US-Leichtöl WTI knapp 55 Dollar. Der Preis für Brent-Rohöl ist im langfristigen Vergleich eher niedrig und hat schon mal über längere Zeit bei mehr als 100 Dollar gelegen.

Ein Indiz für den Preisanstieg gaben auch die Ölfutures in den USA für das WTI. Diese sind am Sonntagabend (Ortszeit) um rund elf Prozent auf gut 61 Dollar je Barrel angestiegen, der größte Anstieg seit 1988.

Die Auswirkungen auf den deutschen Markt und die Autofahrer hierzulande dürften sich nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) in Grenzen halten. „Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland – 2018 war es ein Prozent“, sagte eine Verbandssprecher am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. „Eine Engpass-Gefahr beim Öl besteht für Deutschland also nicht.“

Ob sich der höhere Ölpreis auf deutsche Tankkunden auswirke, sei aber offen: „Andere Länder sind in der Lage, ihre Fördermengen auszuweiten und den Ausfall so zu kompensieren“, hieß es weiter.

Gary Ross von Black Gold Investors sagte, Attacken wie die von Samstag seien schwer zu verhindern und könnten immer wieder vorkommen. Tilak Doshi von der auf die Energiebranche spezialisierten Beratungsgesellschaft Muse & Stancil ergänzte, Abkaik sei das Herz der Ölförderung in Saudi-Arabien. Zudem gibt es Sicherheitsbedenken in der Straße von Hormus, wo immer wieder Tanker angegriffen wurden.

Noch schlimmer wären direkte Kampfhandlungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, sagte Doshi. „Regierungen in der Region werden nun womöglich die US-Regierung und ihre harten Sanktionen gegen das Regime im Iran stärker unterstützen.“

Die USA stehen im Fall von Engpässen zur Freigabe von Ölreserven bereit. Damit könne etwaigen Störungen der Ölmärkte entgegengewirkt werden, teilte die Sprecherin des US-Energieministeriums, Shaylyn Hynes, an diesem Sonntag mit.

Energieminister Rick Perry habe die Führung seines Ministeriums angewiesen, in dieser Hinsicht mit der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris zusammenzuarbeiten. Die strategischen Ölreserven der USA umfassen nach Ministeriumsangaben 630 Millionen Barrel.

Die IEA sieht zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt, teilte sie mit. „Wir stehen in Kontakt mit den saudischen Behörden sowie mit den wichtigsten Produzenten- und Verbrauchernationen.“

Der Angriff ist der größte auf die Ölinfrastruktur Saudi-Arabiens, seit der Iraker Saddam Hussein während des ersten Golfkriegs Scud-Raketen auf das Königreich abfeuerte. Der Schaden verdeutlicht die Anfälligkeit der saudischen Industrie, die zehn Prozent des weltweiten Rohöls liefert. Der Leitindex des Königreichs fiel am Sonntag in Riad um bis zu 3,1 Prozent.

Mehr: Die Attacken auf saudische Ölanlagen dürften auch den geplanten milliardenschweren Börsengang von Saudi Aramco verkomplizieren. Zudem droht ein neues Wettrüsten am Golf.

  • Bloomberg
  • rtr
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