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Negativer Rohölpreis Was der historische Öl-Crash für Verbraucher und Anleger bedeutet

Das hat es bisher noch nicht gegeben: Erstmals kostete US-Rohöl weniger als null Dollar. Wie es dazu kommen konnte, ob es dabei bleibt – und was das für den Spritpreis bedeutet.
21.04.2020 - 14:07 Uhr Kommentieren
Geld vom Tankwart sollten Autofahrer auch bei negativen Öl-Future-Preisen nicht erwarten. Quelle: AFP
An der Zapfsäule

Geld vom Tankwart sollten Autofahrer auch bei negativen Öl-Future-Preisen nicht erwarten.

(Foto: AFP)

Frankfurt, Düsseldorf Erstmals sind die Ölpreise in den USA unter null Dollar für ein 159-Liter-Fass gefallen. Der historische Preissturz löste Schockwellen an den Märkten aus, Aktien und Gold gerieten ebenfalls unter Druck. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie kann es sein, dass Ölpreise in den negativen Bereich rutschen?
Experten sind uneins, was der Auslöser für den Preissturz auf bis zu minus 40 Dollar pro Fass war. Fest steht, dass der negative Preis nur einen bestimmten Terminkontrakt betrifft, der Inhaber des Wertpapiers zur Annahme von Rohöl der Sorte WTI im Mai verpflichtet.

Doch in den USA sind Lagerkapazitäten extrem knapp, insbesondere am zentralen Ölknotenpunkt in Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma. Daher gab es kaum Käufer für den Mai-Future an der Rohstoffbörse. Die Verkäufer waren so verzweifelt, dass sie sogar dafür bezahlten, wenn sie jemandem die Wertpapiere und die damit einhergehende Verpflichtung zur Abnahme einer Öllieferung überlassen konnten.

Wer steckt hinter den panikartigen Verkäufen?
Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen. Zum einen könnten es spekulative Finanzinvestoren gewesen sein, die gar nicht an einer physischen Auslieferung des Öls interessiert sind und auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Im Fokus steht der US Oil Fund, einer der großen Öl-Indexfonds. In diesen hatten US-Anleger in den vergangenen vier Wochen Bloomberg zufolge 1,6 Milliarden Dollar investiert, auf steigende Ölpreise hoffend.

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    Der US Oil Fund basierte auf dem Mai-Kontrakt, allerdings hat ein Ölindexfonds-Anbieter keine Möglichkeiten, physisches Öl abzunehmen. Beim Versuch, den Mai-Kontrakt zu verkaufen und durch den Juni-Future zu ersetzen, könnte der US Oil Fund eine massive automatische Verkaufswelle ausgelöst haben.

    Eine andere Möglichkeit ist, dass US-Ölproduzenten, die sich am Terminmarkt gegen fallende Ölpreise absichern, massiv Kontrakte verkauft haben. Sie könnten am Terminmarkt Abnehmer für ihr Öl gesucht, aber keine gefunden haben.

    Um zu verhindern, dass sie ihre Produktion stilllegen müssen, könnten sie Ölkäufer dafür bezahlt haben, ihnen das Öl abzunehmen. Möglicherweise haben auch beide Effekte zu dem massiven Absturz beigetragen.

    Werden die Ölpreise negativ bleiben?
    Zumindest könnten sich ähnliche Abstürze am Terminmarkt wiederholen. Am Dienstag geriet auch der Juni-Future für US-Öl stark unter Druck.

    Dem Finanzdienst Bloomberg zufolge wird der Juni-Kontrakt noch stärker gehandelt als der Mai-Kontrakt. Zum Monatsende könnte es daher wieder zu der Situation kommen, dass Marktteilnehmer panisch ihre Positionen auflösen, besonders dann, wenn die Lagerkapazitäten in den USA knapp bleiben.

    „Schlachtfest am Ölmarkt“: Was der Preissturz für Privatanleger bedeutet

    Welchen Einfluss haben die Verwerfungen am US-Markt auf Ölpreise in Deutschland?
    Der Ölmarkt ist global verbunden, niedrige Ölpreise in den USA ziehen daher auch die Preise in anderen Erdteilen nach unten. Die Nordseesorte Brent, der wichtigste Referenzpreis für Europa, kostet derzeit so wenig wie zuletzt 2002.

    Hinzu kommt: Saudi-Arabien räumt europäischen Ölkäufern derzeit massive Rabatte ein. Der Ölpreis, den eine deutsche Raffinerie zahlt, dürfte daher zwischen zwölf und 15 Doller pro Barrel (rund 159 Liter) liegen. Autofahrer und Nutzer von Ölheizungen können sich also vorerst weiter auf niedrige Preise einstellen.

    Werden Verbraucher bald für das Tanken bezahlt?
    Dazu wird es aller Voraussicht nach nicht kommen. Einen Spritpreis unter null wird es an der Zapfsäule nie geben. Schon allein wegen der Steuern. Die Energiesteuer macht mehr als die Hälfte des Spritpreises aus. 65,4 Cent zahlen die Unternehmen pro verkauften Liter Benzin und 47 Cent pro Liter Diesel — unabhängig davon, wie viel das Öl gerade kostet.

    Hinzu kommen die Mehrwertsteuer, die Transportkosten und der Rohölpreis, den die Tankstellenbetreiber zahlen müssen.

    Dennoch profitieren Autofahrer in der aktuellen Situation: Schon seit zwei Monaten werden die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen aufgrund der Coronakrise Woche für Woche billiger. Die Spritpreise reagieren damit also auch auf die geringere Nachfrage im Zuge des Shutdowns.

    Sollen Besitzer von Ölheizungen jetzt ihre Tanks füllen?
    Daten des Vergleichsportals Easyoil zufolge sind die Heizölpreise auf dem bislang tiefsten Stand seit 2016. Klaus Bergmann, Chef von Easyoil, empfiehlt daher: „Die Heizölpreise sind klare Kaufpreise.“ Er schränkt jedoch ein: „Allerdings kann der Preisverfall weiter Fahrt aufnehmen. Es bleibt eine Marktlage für Spekulanten.“

    Auf negative Preise können Verbraucher nicht hoffen. Zwar hängt der Heizölpreis wesentlich stärker als der Benzinpreis am Rohöl. Doch der Transport macht hier einen erheblichen Kostenblock aus, und zuletzt waren Heizöltransporte in Deutschland teuer und schwer zu bekommen. Zudem können Raffinerien auf die geringere Nachfrage nach Ölprodukten reagieren, indem sie ihre Produktion drosseln und Lagerbestände erhöhen.

    Lohnt es sich jetzt, an den Märkten auf steigende Ölpreise zu spekulieren?
    Auf dem Papier ist die Sache klar: Der Ölpreis wird nicht ewig bei 20 Dollar pro Fass bleiben. Die Produzenten werden auf diesem Preisniveau keine andere Wahl haben, als ihr Angebot zu verknappen.

    Doch es ist für Privatanleger komplex, auf steigende Ölpreise zu setzen. Beliebt sind sogenannte „Exchange Traded Commodities“, kurz ETCs. Doch die sind extrem riskant, weil sie auf Future-Kontrakten basieren – und das Chaos auf den Terminmärkten auch sie in Mitleidenschaft zieht. Sie müssen das Anlegergeld mitunter monatlich in neue Terminkontrakte investieren, das führt zu sogenannten Rollverlusten, die in der aktuellen Marktlage zu großen Einbußen führen können.

    Bei Zertifikaten und Optionsscheinen besteht ein Totalverlustrisiko. Und Ölaktien dürften kurzfristig ebenfalls unter Druck geraten, auch wenn große Konzerne wie BP, Shell oder Total die Krise überstehen dürften.

    Mehr: Der Ausverkauf am Ölmarkt geht ungebremst weiter.

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