Neuer Krügerrand Warum Südafrika mit einer Silbermünze bei deutschen Anlegern punkten will

Erstmals gibt es den berühmten Krügerrand auch als Silbermünze. Sie soll die kriselnde Goldindustrie Südafrikas stützen – indirekt.
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Münzen als Geldanlage – „Der Silberpreis wird im kommenden Jahr enorm steigen“

Frankfurt/KapstadtDie Nervosität ist Richard Collocott anzumerken. Doch als der Marketingchef des südafrikanischen Edelmetallanbieters Rand Refinery eine Silbermünze aus der Metallbox holt, löst sich die Nervosität in Erleichterung auf. „Sie sieht verdammt gut aus, oder?“, sagt er bei der Vorstellung des ersten unlimitierten Krügerrands in Silber am Dienstag in Frankfurt.

Mit knapp vier Zentimeter Durchmesser, rund 31 Gramm Gewicht und dem eingeprägten Springbock gleicht die Silbermünze dem berühmten Gold-Krügerrand. Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Chef des Edelmetallhändlers Degussa, knüpft große Erwartungen an die neue Münze. Rund 60 Prozent der von Degussa verkauften Goldmünzen seien Krügerrands. „Wir erwarten, dass der Krügerrand in Silber ebenfalls einen Marktanteil von 40 oder 50 Prozent erreichen kann“, sagt er.

Die Südafrikaner hoffen, mit der derzeit rund 16 Euro teuren Silbermünze insbesondere junge Anleger an ein Edelmetallinvestment heranzuführen – in der Hoffnung, dass die Käufer sich auch mit den über 1000 Euro teuren Goldmünzen eindecken, sobald sie sich diese leisten können.

Noch ist allerdings unklar, ob der silberne Krügerrand sein goldenes Pendant stützt und damit auch der schwer angeschlagenen südafrikanischen Goldindustrie auf die Sprünge hilft. Die Branche mit den weltweit tiefsten Minen leidet seit Jahren unter stark angestiegenen Lohn- und Produktionskosten. Allein der Strompreis in Südafrika hat sich in den letzten zehn Jahren um rund 350 Prozent erhöht. Die Margen der Förderer erodieren.

Die Folge sind Entlassungen im großen Stil: Zu Jahresbeginn waren in Südafrikas Goldbranche erstmals seit über 100 Jahren weniger als 100.000 Arbeiter beschäftigt. 1990 lag die Zahl noch bei fast 500.000 Jobs. Entsprechend stark ist auch die Förderung des für den Krügerrand verwendeten Goldes gesunken: War Südafrika noch vor 50 Jahren mit fast 1000 Tonnen der mit Abstand größte Produzent der Welt, ist das Land heute mit 140 Tonnen auf Platz sieben zurückgefallen.

Silber wird in Südafrika nur wenig gefördert; das Edelmetall für die neue Ausgabe des Krügerrands bezieht Rand Refinery daher aus den USA. Für die südafrikanischen Prägestätten ist die Silbermünze daher vor allem eines: ein Marketinginstrument.

Deutschland mit seinen zahlungskräftigen Edelmetallfans ist ein wichtiger Markt. Degussa-Chef Wrzesniok-Roßbach setzt auch darauf, dass der silberne Krügerrand bei risikoscheuen Anlegern Zuspruch findet – und bei jenen, die sich für einen Zusammenbruch des Euros wappnen wollen.

Angesichts einer Fülle von börsengehandelten Edelmetallanlagen gibt selbst der Degussa-Experte zu: „Für Anleger, die auf einen steigenden Silberkurs wetten wollen und auch nicht mit dem Untergang des Bankensystems innerhalb von acht Wochen rechnen, ist physisches Silber keine Alternative.“

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