Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Öl, Gold, Palladium An den Rohstoffmärkten droht das Ende der Preisrally – und zwar schon bald

Öl und Metalle haben im ersten Quartal so viel gewonnen wie für ganz 2019 erwartet. Analysten erwarten keine großen Schwankungen – mit einer Ausnahme.
1 Kommentar
Konjunktursorgen könnten die Preisrally bei Industriemetallen beenden. Quelle: dpa
Kupferproduktion bei Aurubis

Konjunktursorgen könnten die Preisrally bei Industriemetallen beenden.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Rohstoffpreise sind seit Jahresbeginn so stark gestiegen wie seit 2016 nicht. Der Bloomberg Commodity Index, der die Preisentwicklung der 23 wichtigsten Rohstoffe zusammenfasst, kletterte in den ersten drei Monaten des Jahres um rund sechs Prozent. Getrieben wurde der Preisanstieg des globalen Rohstoffbarometers vor allem von Öl, Benzin und einigen Industriemetallen.

Doch die wachsenden Sorgen um die Konjunktur und insbesondere die zuletzt schwachen Daten aus dem produzierenden Gewerbe in Europa lassen Experten bezweifeln, dass es mit der Hausse im Jahresverlauf weitergeht.

So sagt etwa Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg: „Das war die Performance, die ich zu Jahresbeginn für das Gesamtjahr erwartet hätte.“ Weiteres Aufwärtspotenzial sehe er weder bei Öl noch bei Industriemetallen. „Ich erwarte allenfalls, dass sich die Märkte seitwärts bewegen“, sagt Schallenberger.

Auch Rob Haworth, Rohstoffstratege bei U.S. Bank Wealth Management, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Es ist schwer vorstellbar, dass sich der Aufwärtstrend bei allen Rohstoffen fortsetzt.“

Die stärksten Preissteigrungen gab es im ersten Jahresviertel beim Öl: Die Nordseesorte Brent hat sich um rund 28 Prozent verteuert, bei der US-Sorte WTI sind es 33 Prozent, verursacht durch ein überraschend knappes Ölangebot.

Im Dezember hatte das Ölförderkartell Opec mit verbündeten Staaten beschlossen, die Produktion um 1,2 Millionen Barrel zu drosseln. Die Opec-Staaten selbst wollten 800.000 Barrel täglich kürzen, weitere 400.000 sollten von Russland und anderen Nicht-Opec-Staaten kommen. Doch wegen der US-Sanktionen gegen den Iran sowie der Krise in Venezuela sank die Opec-Produktion sogar um zwei Millionen Barrel täglich, was den Preis in die Höhe schießen ließ.

Unsichere Ölnachfrage

Doch um die Ölpreis-Rally am Laufen zu halten, brauche es mittelfristig auch Impulse von der Nachfrageseite, sagt LBBW-Experte Schallenberger. Und die sind nicht absehbar. Die Wachstumserwartungen der für die Ölnachfrage wichtigen Weltwirtschaft werden gerade auch breiter Front nach unten korrigiert – von der Opec selbst, über den Internationalen Währungsfonds bis hin zu den Notenbanken.

Ähnlich sieht es bei den Industrierohstoffen wie Kupfer, Zink und Nickel aus, die sich im ersten Quartal zwischen elf und 21 Prozent verteuerten. Aus Sicht von Schallenberger war das vor allem eine Gegenbewegung zum extrem schlechten Vorjahr. Die großen Minenkonzerne hätten seit Jahren ihre Investitionen zurückgefahren. Als Reaktion darauf sei das Angebot Anfang 2019 extrem knapp gewesen, was sich auch an stark sinkenden Lagerbeständen etwa bei Zink gezeigt habe, so Schallenberger.

Dämpfer für Palladium

„Doch die große Frage ist: Was passiert mit Chinas Wachstum?“, sagt Haworth. China ist für rund 50 Prozent der globalen Nachfrage nach Industrierohstoffen verantwortlich – und wies kürzlich das schwächste Wachstum seit zwei Dekaden aus. Auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China könnte den Aufschwung der Industrierohstoffe weiter bremsen.

Einen ersten Dämpfer gab es auch zuletzt bei Palladium: Das Edelmetall, das vor allem in Katalysatoren für Benzinmotoren verwendet wird, hatte in den vergangenen Monaten immer neue Rekordstände markiert. Doch von seinem Hoch von 1600 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm) ist Palladium wieder ein Stück entfernt.

Ende vergangener Woche brach der Preis innerhalb weniger Stunden um bis zu 100 Dollar ein. „Der Palladium-Preis war ziemlich verrückt“, sagt Schallenberger. „Ich kann mir gut vorstellen, dass da noch mehr Luft rausgeht.“

Günstiges Gold

Aufwärtspotenzial sieht er höchstens bei Gold, das zuletzt wieder unter die Marke von 1300 Dollar pro Feinunze gefallen war. „Die Konkurrenz zu Gold ist kleiner geworden“, sagt Schallenberger. Aktien und Anleihen sind im ersten Quartal gut gelaufen – und daher vergleichsweise teuer. In Europa sind die Anleiherenditen für sichere Papiere wie die Bundesanleihe sogar bei Laufzeiten von bis zu zehn Jahren negativ.

Und auch der zuletzt schwächere Dollar, der in wichtigen Goldkäuferländern, etwa Indien, China oder Iran, die Importe verbilligt, könnte dem Preis Auftrieb verleihen. Bislang habe sich Gold schwergetan, die Marke von 1300 Dollar pro Feinunze zu überspringen, sagt Schallenberger. Er ist überzeugt: „Wird die Marke geknackt, werden wir noch deutlich höhere Preise sehen.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Öl, Gold, Palladium - An den Rohstoffmärkten droht das Ende der Preisrally – und zwar schon bald

1 Kommentar zu "Öl, Gold, Palladium: An den Rohstoffmärkten droht das Ende der Preisrally – und zwar schon bald"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum droht? Und nicht normalisiert sich. Ein überhitzter Rohstoffmarkt hilft den wenigsten.

Serviceangebote