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Öl, Kupfer, Industriemetalle Was der Einbruch der Rohstoffpreise über den Zustand der Weltwirtschaft verrät

Zyklische Rohstoffe wie Öl oder Kupfer erlebten den bislang stärksten Ausverkauf des Jahres. Weltweit stehen die Zeichen auf Abschwung.
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Der Einbruch der Rohstoffpreise zeigt, dass die Märkte einen globalen Abschwung für möglich halten. Quelle: Reuters
Öltanker in China

Der Einbruch der Rohstoffpreise zeigt, dass die Märkte einen globalen Abschwung für möglich halten.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie jüngste Gegenbewegung beim Ölpreis konnte nicht darüber hinwegtäuschen: An den Ölmärkten herrscht derzeit Ausverkaufsstimmung. Auf Wochensicht ist der wichtigste Referenzpreis, die Nordseesorte Brent, um knapp sieben Prozent gefallen. Auch die US-Sorte WTI hat sich in ähnlichem Umfang verbilligt.

Bei anderen sogenannten zyklischen Rohstoffen, deren Preis steigt, wenn die Weltwirtschaft brummt, ist die Situation ähnlich: Der Kupferpreis notiert in dieser Woche erstmals seit Januar unter der Marke von 5900 Dollar pro Tonne. Die Industriemetalle Aluminium, Zink und Zinn notieren ebenfalls auf Wochensicht deutlich im Minus.

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten wurde zuletzt besonders durch schwache Wirtschaftsdaten aus den USA beschleunigt. Der US-Einkaufsmanagerindex, ein vielbeachtetes Konjunkturbarometer, fiel überraschend schlecht aus. „Diese zeigen sichtbare Bremsspuren des Handelskonflikts und signalisieren, dass auch die US-Wirtschaft gegen die höheren Strafzölle nicht immun ist“, schreiben die Rohstoffexperten der Commerzbank in einer Studie.

An den Ölmärkten kamen zudem technische Faktoren dazu, wie die Rohstoffanalysten der ING-Bank bemerken. Der Brent-Preis war zwischenzeitlich unter die Marke von 68 Dollar und damit unterhalb eines langfristigen Durchschnitts gefallen. „Das Durchbrechen von wichtigen technischen Marken hat die Verkäufe verstärkt“, schreibt ING-Analyst Warren Patterson.

Der Ölpreisverfall kommt umso überraschender, da die Situation am Ölmarkt weiter angespannt bleibt. Die US-Sanktionen gegen den Iran zeigen zunehmend Wirkung: Einem Bericht der Nachrichteagentur Reuters zufolge sind die Exporte des Landes auf 500.000 Barrel täglich gefallen.

Damit exportiert der Iran nur noch ein Fünftel der Menge, die das Land im April 2018 vor Beginn der Sanktionen ausgeführt hat. Berichten zufolge lagert der Staat Millionen Tonnen von Öl auf Tankern vor der Küste. Auch die Krisen in Libyen und Venezuela sorgen weiter dafür, dass Öl am Weltmarkt knapp bleibt.

Investoren scheuen das Risiko

Zudem wirbt der weltgrößte Öl-Exporteur Saudi-Arabien weiter aktiv dafür, dass die in der Förderallianz Opec+ organisierten Staaten ihre Politik der Produktionskürzungen weiter fortsetzen. Die Allianz um die beiden wichtigsten Mitglieder Saudi-Arabien und Russland hatte sich im vergangenen Dezember dazu entschlossen, die Ölproduktion um rund 1,2 Millionen Barrel täglich zu kürzen. Dieser Deal läuft Ende Juni aus. Ob Russland die Förderkürzungen weiter unterstützt, ist noch unklar.

Der knappe Ölmarkt wirkt üblicherweise unterstützend für die Ölpreise. Vor diesem Hintergrund sehen die Commerzbank-Analysten in dem Preisverfall ein Zeichen für eine lahmende Weltwirtschaft: „Der Preisrutsch hatte nichts mit ölmarktspezifischen Faktoren zu tun.“ Vielmehr sei ein „spürbarer Anstieg der Risikoaversion an den Finanzmärkten“ Auslöser des Ausverkaufs gewesen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf dem Markt für Kupfer. Auch hier sind die Commerzbank-Analysten der Meinung: „Ein Kupferpreis unter 6.000 Dollar je Tonne ist unseres Erachtens aus fundamentaler Sicht nicht gerechtfertigt. Denn der globale Kupfermarkt ist auf absehbare Zeit unterversorgt.“

Die Experten erwarten, dass die Produktion in großen Kupferminen in Indonesien und Chile in naher Zukunft zurückgeht und das Angebot auf dem Weltmarkt weiter verknappt wird. Die niedrigen Preise würden zudem neue Minenprojekte verhindern. Auch bei Nickel und Zinn waren die Lagerbestände zuletzt rückläufig, ergänzt ING-Analyst Patterson. Das spricht dafür, dass die Nachfrage stärker ist als das Angebot.

Kaufgelegenheit für Optimisten

Es ist eine paradoxe Situation: Obwohl das Angebot von Öl über Kupfer bis hin zu Nickel und Zinn knapp ist, fallen die Preise weiter. Aus Sicht vieler Experten ist das ein Indiz dafür, dass die Rohstoffmärkte einen globalen Abschwung einpreisen. „Es sieht so aus, als werden die Preise derzeit von makroökonomischen Sorgen diktiert“, sagt Patterson.

Für Anleger, die nicht einen einen dauerhaften Abschwung glauben, ergibt sich derzeit eine günstige Einstiegsmöglichkeit. Das sehen zumindest die Anlagestrategen von Goldman Sachs so. Wegen des knappen Angebots hätten Öl- und Industriemetallpreise trotz der gestiegenen Volatilität an den Finanzmärkten weiteres Aufwärtspotenzial, schrieben sie in einer aktuellen Studie.

Mehr: Öl und Metalle haben im ersten Quartal so viel gewonnen wie für ganz 2019 erwartet. Analysten erwarten keine großen Schwankungen – mit einer Ausnahme.

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1 Kommentar zu "Öl, Kupfer, Industriemetalle: Was der Einbruch der Rohstoffpreise über den Zustand der Weltwirtschaft verrät"

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  • Der "Öltanker in China" ist kein Tanker und wahrscheinlich auch nicht in China.
    Nur der guten Ordnung halber.

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