Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Öl Saudi-Arabien fährt Ölproduktion wieder hoch – Ölpreise sinken

Nach der Drohnen-Attacke kommt der Staatskonzern Saudi-Aramco laut Medienberichten mit der Reparatur der Anlagen voran. Doch Beobachter haben Zweifel.
Kommentieren
Der saudische Staatskonzern kommt Berichten zufolge schneller mit der Reparatur vorn. Quelle: Reuters
Zerstörte Öl-Anlage von Saudi Aramco

Der saudische Staatskonzern kommt Berichten zufolge schneller mit der Reparatur vorn.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der saudische Staatskonzern Saudi Aramco kommt Medienberichten zufolge schneller als gedacht mit der Reparatur seiner beschädigten Ölanlagen voran. Wie die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters unter Berufung auf Insider berichten, läuft die Ölproduktion in Saudi-Arabien wieder normal.

Damit sei eine Ölproduktion von täglich elf Millionen Barrel (rund 159 Liter) verfügbar. Der saudische Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman und der Chef der staatlichen Ölfirma Saudi Aramco, Amin Nasser, hatten zuvor davon gesprochen, dass die beiden getroffenen Anlagen Churais und Abkaik bis Ende September wieder normal arbeiteten. Dieses Ziel hat das Königreich nach eigenen Angaben bereits eine Woche früher erreicht.

Vor anderthalb Wochen waren die wichtigste Ölproduktionsanlage des Königreichs, Abqaiq, sowie das Ölfeld Churais mit Drohnen und vermutlich auch Raketen angegriffen worden. Die Attacken hatten die Ölproduktion des Landes auf einen Schlag mehr als halbiert. Der Ölpreis war daraufhin um bis zu 20 Prozent auf über 70 Dollar pro Fass gestiegen.

Die Angriffe hatten zudem die Furcht vor einem neuen Krieg in der Golf-Region geschürt und die Ölpreise nach oben getrieben. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen hatten die Angriffe für sich reklamiert.

Saudi-Arabien macht wie die US-Regierung den Iran verantwortlich. Dieser Einschätzung schlossen sich auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien an. Der Iran bestreitet eine Verwicklung.

Saudi-Arabien hatte betont, sämtliche Öllieferungen einzuhalten und die Produktionsausfälle über einen Abbau von Lagerbeständen zu kompensieren. So gelang es den Saudis, die Sorgen vor einer Angebotsknappheit zu zerstreuen.

Der Ölpreis sank daher am Mittwoch um mehr als zwei Prozent und setzte damit die Tendenz der vergangenen beiden Handelstage fort. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet derzeit weniger als 62 US-Dollar.

Damit notiert der Preis nur noch rund drei Prozent über dem Niveau vor der Drohnen-Attacke. „Die Angebotsrisiken sind aus dem Fokus der Marktteilnehmer geraten, seit Saudi-Arabien eine schnelle Wiederherstellung seiner Ölproduktion in Aussicht gestellt hat“, schreibt Carsten Fritsch, Rohstoffexperte der Commerzbank in einer Analyse.

Zudem hatten sinkende Rohöl-Lagerbestände in den USA die Preise unter Druck gesetzt. Zahlen der US-Energiebehörde EIA zufolge stiegen die US-Lager in der vergangenen Woche um rund 2,4 Millionen Barrel Öl. Steigende Lagerbestände gelten am Ölmarkt als Signal für eine schwächere Ölnachfrage.

Zudem hätten schwache Verbraucherdaten aus den USA die Konjunktursorgen verstärkt, so die Analysten der ING Bank. Marktbeobachter verwiesen außerdem auf die jüngste Kritik des US-Präsidenten Donald Trump an China. Die USA und China bereiten derzeit neue Handelsgespräche vor, um den Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu entschärfen. Allerdings hatte Trump China vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen erneut unfaires Wirtschaften vorgeworfen.

Rätselraten um Börsengang von Saudi Aramco

Doch viele Branchenexperten trauen der Ruhe am Ölmarkt nicht: Sie halten die Meldungen, wonach die Saudis ihre Ölproduktion innerhalb weniger Tage reparieren konnten, für unglaubwürdig. „Zweifel sind angebracht, dass Saudi Aramco die Ausfälle in den betroffenen Anlagen bereits nahezu vollständig behoben hat“, bestätigt Coba-Experte Fritsch.

Er verweist beispielsweise auf die Meldung, wonach das Königreich den Teilbörsengang von Saudi Aramco ins Jahr 2020 verschieben will. Wenn die Anlagen tatsächlich wieder unter Volllast laufen, gäbe es dafür eigentlich keinen Grund.

Zudem importiere Saudi-Arabien weiterhin ungewöhnlich viel Rohöl und Ölprodukte, so Fritsch. Das Königreich führt derzeit achtmal so viel ein wie im Durchschnitt der ersten fünf Monate des Jahres. Darüber hinaus haben die Saudis bislang nicht schlüssig erklärt, wie sie ähnliche Angriffe auf die strategische Ölinfrastruktur in Zukunft verhindern wollen.

Fritsch kommt daher zu dem Schluss: „Wir erachten die derzeitige Risikoprämie auf den Ölpreis von weniger drei US-Dollar deshalb als unzureichend.“ Auch die US-Bank Goldman Sachs oder der Branchendienst S&P Global Platts hatten als Reaktion auf die Angriffe ihre Ölpreisprognosen ebenfalls auf über 70 Dollar angehoben.

Davon ist der Ölpreis deutlich entfernt. Doch das Potenzial für Überraschungen ist hoch. Schätzungen der ING zufolge dürften die Saudis bis Mitte oder Ende Oktober in der Lage sein, ihren Lieferverpflichtungen durch den Abbau von Lagerbeständen nachzukommen.

Doch sollten sie einräumen müssen, dass die Reparaturen doch nicht so schnell vorangegangen sind, könnte es mit dem Ölpreis nochmal aufwärts gehen.

Mehr: Börsengang von Saudi Aramco wohl nicht mehr dieses Jahr

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Öl - Saudi-Arabien fährt Ölproduktion wieder hoch – Ölpreise sinken

0 Kommentare zu "Öl: Saudi-Arabien fährt Ölproduktion wieder hoch – Ölpreise sinken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.