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Öl Saudis drohen mit höheren Ölpreisen

Im Streit um den offenbar ermordeten saudischen Regimekritiker Jamal Khashoggi verschärfen die USA und Saudi Arabien den Ton. Riad bricht ein jahrzehntealtes Tabu.
Update: 15.10.2018 - 16:47 Uhr 1 Kommentar
Brent und WTI notieren kaum verändert. Quelle: dpa
Erdölförderung

Brent und WTI notieren kaum verändert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Saudi-Arabien wehrt sich gegen Sanktions-Drohungen von US-Präsident Donald Trump – und schreckt dabei offenbar auch nicht davor zurück, seinen Öl-Reichtum als geopolitische Waffe einzusetzen.

So interpretierten zumindest Beobachter die jüngsten Äußerungen aus dem Königreich: Die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte offizielle Quellen, dass jede Handlung gegen das Land „mit einer größeren Handlung“ beantwortet werde.

Saudi-Arabien spiele eine „einflussreiche und lebensnotwendige Rolle in der Weltwirtschaft“, hieß es weiter – ein unmissverständlicher Hinweis auf die Ölreserven des Landes. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Saudi-Arabien mit einer „schweren Bestrafung“ gedroht, wenn der Journalist Jamal Khashoggi – der im Exil in den USA lebte – von einem saudischen Kommando in Istanbul getötet worden sein sollte.
Die Ölpreise legten angesichts des verschärften Tons zwischen den USA und Saudi Arabien am Montag deutlich zu. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich bis zum Nachmittag um knapp ein Prozent auf über 81 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Die US-Sorte WTI stieg um 0,7 Prozent auf über 74 Dollar pro Fass.

Aus Sicht von Roger Diwan, Öl-Experte beim Analysehaus IHS Markit ist besonders der Verweis auf Saudi-Arabiens Rolle in der Weltwirtschaft eine kaum verhohlene Drohung, das Öl als Waffe einzusetzen. Damit breche das Königreich ein „grundlegendes Tabu auf dem Ölmarkt“, sagte er gegenüber Bloomberg.
Die härtere Gangart Saudi-Arabiens weckt Erinnerungen an das Öl-Embargo von 1973. Damals drosselten die arabischen Ölexporteure ihre Fördermengen und lösten die erste Ölkrise in den USA und Europa aus.

Seither hat sich Saudi-Arabien jedoch den Ruf als verlässlicher Öllieferant des Westens erarbeitet, der geschäftliche und politische Interessen trennt. Doch dieser Ruf steht nun auf dem Spiel. Turki Al Dakhil, Chef des königstreuen Nachrichtenportals „Arabiya Network“ brachte ganz offen einen neuen Ölpreisschock ins Spiel: „Wenn sich Donald Trump schon über einen Ölpreis von 80 Dollar ärgert, sollte niemand einen Preissprung auf 100 oder 200 Dollar ausschließen“, schrieb er in einem Leitartikel.

Die Khashoggi-Affäre wirft auch einen Schatten auf die als „Davos in der Wüste“ bezeichnete Investorenkonferenz. Am Montag sagten Blackrock-Chef Larry Fink sowie Blackstone-CEO Steve Schwarzman ihre Teilnahme ab. Zuvor hatten bereits JP-Morgan-Chef Jamie Dimon und Uber-CEO Dara Khosrowshahi angekündigt, der Konferenz in Riad fernbleiben zu wollen.

Aus Sicht von Jeffrey Currie, Chefanalyst für Rohstoffe bei Goldman Sachs, ist ein neuer Konfliktherd in der Golfregion ausgebrochen. „Die Spannungen zwischen den USA und dem Mittleren Osten haben sich ausgeweitet und schließen nun Saudi-Arabien mit ein“, schreibt er in einer Studie.

Kurzfristig würden die Produktionsausfälle im Iran und der Streit mit Saudi-Arabien die Öl-Preise stützen. Öl-Investments seien eine geeignete „Absicherung gegen steigende geopolitische Risiken“, so Currie.

Bröckelnde Nachfrage

Mittelfristig dürfte der jüngste Höhenflug des Ölpreises jedoch zum Ende kommen. Zuletzt hatten sowohl das Ölförderkartell Opec, als auch die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognosen für die globale Ölnachfrage nach unten korrigiert.

Der hohe Ölpreis, die schwachen Währungen der Schwellenländer und die Sorgen vor eine Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und China drücken auf die Nachfrage. Gleichzeitig dürften die USA ihre Pipeline-Engpässe beheben und für ein steigendes Angebot sorgen.

So schreiben auch die Rohstoffexperten der Commerzbank: „Die Rufe nach einem Anstieg des Ölpreises auf 100 Dollar sollten verstummen, solange der Konflikt zwischen den USA und Saudi-Arabien nicht eskaliert.“ Dass es soweit kommt, ist jedoch unwahrscheinlich. Weder Saudi-Arabien noch die USA können sich einen neuen Konflikt am Golf leisten.

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.

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1 Kommentar zu "Öl: Saudis drohen mit höheren Ölpreisen"

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  • Das Jahrzehnte alte Tabu wurde vor Jahrzehnten gebrochen. Erinnert sich noch jemand an
    die Drohung an Daenemark kein Oel mehr zu liefern, weil das Fernsehen ueber die Hin-
    richtung einer saudischen Prinzessin berichtet hatte? Jedes Land ist heute abhaengig, aber
    je mehr Partner (oder schlicht Lieferanten und Kunden) man hat, umso weniger ist man
    abhaengig. Und natuerlich sind grosse Gebiete wie die USA und die EG weniger abhaengig,
    weil der grosse Binnenmarkt Abhaengigkeiten reduziert. In jedem Fall muss gegen die
    Erpressungen, wie Trump sie praktiziert, Vorsorge getroffen werden.

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