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Öl und Kupfer Nervöse Exportstaaten: Handelskonflikte treiben die Rohstoffpreise in den Keller

An den Märkten steigt das Unbehagen: Der Ölpreis ist seit Juli um 13 Prozent gesunken – auch andere Rohstoffe erreichen neue Tiefpunkte.
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Seit Anfang Juli geht es für die Rohstoffpreise nach unten. Quelle: dpa
Rohölverarbeitung in Brandenburg

Seit Anfang Juli geht es für die Rohstoffpreise nach unten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Seit Anfang August ist die Skepsis an den Rohstoffmärkten in Krisenstimmung umgeschlagen. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, neue Zölle auf chinesische Waren zu erheben, hat die Preise für Öl, Kupfer und andere konjunktursensible Rohstoffe einbrechen lassen.

Der Bloomberg Commodity Index, der die 22 wichtigsten Rohstoffe in einem Korb zusammenfasst, ist innerhalb eines Monats um fünf Prozent gesunken. Dass der Index nicht stärker eingebrochen ist, lag vor allem an dem Gewicht, das Gold in dem Marktbarometer hat. Der Goldpreis legte im gleichen Zeitraum um knapp acht Prozent zu.

Am härtesten hat es den Ölmarkt getroffen. Seit Anfang Juli sank der Preis für die Nordseesorte Brent um rund 13 Prozent, auf weniger als 57 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Seit dem Jahreshoch im April ging es für den wichtigsten Referenzpreis des Ölmarkts um 20 Prozent abwärts.

Der Einbruch schürt zunehmend Nervosität in den großen Öl-Exportstaaten, wie ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg nahelegt. Demnach hat der saudische Ölminister Khalid Al-Falih andere Produzenten angerufen, um über mögliche Gegenmaßnahmen zu diskutieren. Das Königreich werde ein weiteres Abrutschen der Ölpreise nicht dulden, zitiert Bloomberg ein Mitglied der saudischen Regierung.

Frank Klumpp, Analyst der LBBW, hat Zweifel, dass es Saudi-Arabien gelingt, den Ölpreisverfall zu stoppen. Aktuell produziert das Königreich jeden Tag etwa 9,8 Millionen Barrel Öl. Zu Hochzeiten waren es über elf Millionen Barrel.

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Doch zusammen mit den dreizehn übrigen Mitgliedern des Ölförderkartells Opec sowie zehn weiteren Staaten hat sich das Land dazu verpflichtet, seine Produktion bis zum Frühjahr 2020 zu kürzen. „Die Frage ist, ob Saudi-Arabien seine Förderung noch stärker kürzen möchte“, sagt Klumpp. „Das Land ist aktuell schon weit weg von seiner Förderkapazität.

Bei den derzeitigen Ölpreisen verliert das Land jeden Tag einen zweistelligen Millionenbetrag. „Das sind wichtige Einnahmen, die in der Staatskasse fehlen“, sagt Klumpp. „Möglicherweise kommt Saudi-Arabien an einen Punkt, an dem das Land nicht mehr bereit ist, den Löwenanteil der Produktionskürzungen zu tragen.“

Zolldrohungen verstärken Druck auf Industriemetalle

Auch vom wichtigsten Partner Russland können die Saudis kein weiteres Entgegenkommen erwarten. „Was die Russen aktuell zu den Produktionskürzungen beisteuern, ist das Höchste der Gefühle“, ist Klumpp überzeugt.

Trumps Zolldrohungen haben auch den Druck auf Industriemetalle verstärkt. Kupfer und Aluminium haben seit Anfang Juli rund drei Prozent an Wert verloren. Der Kupferpreis rutschte als Reaktion auf die Trump-Tweets kurzzeitig unter die Marke von 5700 Dollar pro Tonne – den niedrigsten Wert seit zwei Jahren. „Der Ausblick für die Nachfrage bleibt angesichts der Eskalation im Handelskonflikt unsicher“, fassen die Analysten der niederländischen ING Bank die Situation zusammen.

Auch die wochenlang währende Eisenerz-Rally fand ein jähes Ende: Seit Anfang Juli ist der Preis um 13 Prozent eingebrochen. Selbst das Edelmetall Palladium, das vor allem für Katalysatoren in der Automobilindustrie verwendet wird, war vor den Konjunktursorgen nicht gefeit: Palladium verbilligte sich innerhalb von vier Wochen rund neun Prozent.

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Immerhin: Die jüngste Importstatistik Chinas gibt Investoren Anlass zur Hoffnung. Sie gilt anders als die notorisch unter Manipulationsverdacht stehenden Wachstumszahlen als Indikator für die chinesische Konjunktur. Und die läuft besser als gedacht: Die Asiaten verzeichneten einen deutlichen Anstieg der Einfuhren von Kupfer und Eisenerz.

„Wegen der zyklischen Natur der Nachfrage dieses Metalls kann das als Zeichen für Wirtschaftswachstum gewertet werden“, schreiben die Analysten der Commerzbank. „Der jüngste Schwächeanfall bei den Industriemetallpreisen dürfte daher nicht von Dauer sein.“

Mehr: Auch die Aktienmärkte reagieren auf den anhaltenden Handelsstreit. Investoren fürchten eine Rezession – und stoßen massiv Anteile ab.

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