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Ölexpertin Karin Kneissl im Interview „Die Situation lässt sich politisch wieder einfangen“

Ölexpertin und Österreichs Ex-Außenministerin Kneissl hält den Ausfall der saudischen Ölproduktion für verkraftbar. An ein militärisches Eingreifen der USA glaubt sie nicht.
Update: 17.09.2019 - 09:37 Uhr Kommentieren
Die Ölanalystin war bis Juni 2019 noch österreichische Außenministerin. Quelle: AFP/Getty Images
Karin Kneissl

Die Ölanalystin war bis Juni 2019 noch österreichische Außenministerin.

(Foto: AFP/Getty Images)

Wien Die frühere österreichische Außenministerin und Energiemarktanalystin Karin Kneissl sieht nach dem Drohnenangriff auf saudische Ölanlagen keinen Grund für Panik auf dem Ölmarkt. Den jüngsten Preissprung vom Montag will sie nicht überbewertet wissen: „Kurzfristig springen die Preise nach oben“, sagte Kneissl dem Handelsblatt. „Aber das ist keine neue geopolitische Risikoprämie.“

Die 14 Opec-Staaten mit ihrem Schwergewicht Saudi-Arabien hätten Erfahrung mit solchen Situationen, sie seien schon in der Vergangenheit extremer Preisvolatilität im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen ausgesetzt gewesen, sagte die 54-jährige Expertin für den Mittleren Osten. „Die Opec reagiert nicht panisch. Das zeigt auch die Entscheidung des Opec-Generalsekretärs, keine Sondersitzung einzuberufen“, sagte Kneissl zur Haltung des in Wien ansässigen Ölkartells.

Mit dem derzeitigen Szenario – einer Verknappung der Ölproduktion durch eine militärische Aktion – habe man immer wieder in- und außerhalb der Opec gerechnet. Eine Versorgungsknappheit fürchtet Kneissl nicht: „Die Öllager sind übervoll, die Reserven brauchen nur abgerufen werden.“ Die parteilose Ölanalystin Kneissl war von Dezember 2017 bis Juni 2019 österreichische Außenministerin.

Die Gefahr einer militärischen Eskalation durch das Eingreifen Amerikas im Mittleren Ost erwartet Kneissl nicht. Sie ist von einer politischen Lösung überzeugt. „Die mögliche Verlagerung von Einsatzkräften ist Teil einer militärstrategischen Drohkulisse. Doch ich glaube nicht an ein militärisches Eingreifen. Die jetzige Situation lässt sich politisch wieder einfangen. Das liegt im Interesse aller Beteiligten.“

US-Präsident Donald Trump vermutet den Iran als Drahtzieher des Anschlags auf die weltgrößte Ölförderanlage in Saudi-Arabien. Die mit dem Iran verbündeten Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen reklamierten den Drohnenangriff für sich.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Handelsblatt: Frau Kneissl, wird es durch die Angriffe auf die saudi-arabischen Ölanlagen zu einem Versorgungsengpass kommen? Wie sieht Ihr Marktszenario aus?
Kneissl: Kurzfristig springen die Preise nach oben, wie die asiatischen Börsen zur Eröffnung gezeigt haben. Das ist keine neue geopolitische Risikoprämie.

Weil die Weltregionen unterschiedlich betroffen sind, oder?
Die Asiaten sind – allen voran China - stark auf das saudische Öl angewiesen. Bei den USA sieht es genau gegenteilig aus. Die USA bezogen bis vor einigen Jahren noch zwölf Prozent ihrer Importe aus Saudia-Arabien. Nun sind es dank eigener Fracking-Industrie nur mehr rund sechs Prozent.

Wie sieht es mittel- und langfristig aus?
Mit dem derzeitigen Szenario – eine Verknappung der Ölproduktion durch eine militärische Aktion – hat man immer wieder in- und außerhalb der Opec gerechnet. Der Ausfall von fünf Millionen Barrel pro Tag durch Saudi-Arabien kann teilweise durch Reserven ausgeglichen werden. Doch die langfristigen Auswirkungen lassen sich noch nicht abschätzen. Eine schnelle Reparatur der saudischen Anlagen könnte die Urheber des Angriffs verleiten, einen erneuten Drohnenangriff zu versuchen.

Wie wird die Opec, deren Schwergewicht Saudi-Arabien ist, reagieren?
Die Opec reagiert nicht panisch. Das zeigt auch die Entscheidung des Opec-Generalsekretärs, keine Sondersitzung einzuberufen.

Können strategische US-Reserven die Versorgungsknappheit abfedern?
Die Öllager sind übervoll und müssen nur abgerufen werden.

Wie wird der Ölpreis dann reagieren?
Der Ölpreis ist stets volatil. Ich kann mich an Zeiten erinnern, als der Ölpreis an einen Nachmittag um zehn Dollar pro Fass stieg, nur weil es unbestätigte Gerüchte über einen Anschlag auf die Ölförderung gab.

Wie wichtig ist billiges Öl immer noch für die Weltwirtschaft?
Öl ist noch die strategische Reserve. Doch der Verbrennungsmotor als Schlüssel unsere Mobilität wird einen Bedeutungsverlust erleben. Der Innovationsschub wird unmittelbare Auswirkungen auf die Ölnachfrage haben. Die Steinzeit endete schließlich nicht damit, dass es nicht mehr genügend Steine gab, wie es der frühere saudische Ölminister Zaki Yamani einst trefflich formulierte. Das Ölzeitalter wird enden, auch wenn es noch genügend Erdölreserven auf der Welt geben sollte.

Die Amerikaner sehen den Iran als Drahtzieher des Anschlags auf die saudische Ölproduktion und drohen. Welche Folgen hätte ein militärisches Eingreifen der USA für den Ölmarkt?
Die mögliche Verlagerung von Einsatzkräften ist Teil einer militärstrategischen Drohkulisse. Doch ich glaube nicht an ein militärisches Eingreifen. Die jetzige Situation lässt sich politisch wieder einfangen. Das liegt im Interesse aller Beteiligten.

Welche Reaktion erwarten Sie von der Opec?
Zum ersten Mal wurde auch ein Gründungsmitglied der Opec ein Anschlag auf das Herzstück der Ölproduktionen verübt. Das ist ein historisches Novum – auch wenn es in Achtziger Jahren schon Krieg zwischen den beiden Opec-Ländern Irak und Iran gab. Die Opec musste seit ihrer Gründung 1960, die eben erst in Bagdad gefeiert wurde, ständig interne Spannungen ausgleichen. Ich erwarte, dass die Opec dennoch handlungsfähig bleiben wird.

Wie groß ist der Schaden für Saudi-Arabien?
Erst in der vergangenen Woche wurde überraschend der Ölminister in Saudi-Arabien ausgetauscht. Auch Saudi Aramco hat einen neuen Chairman. Die jetzige Ausnahmesituation ist eine gewaltige Herausforderung für die Entscheider bei Saudi Aramco, die noch immer einen Börsengang anstreben.

Frau Kneissl, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Die Angriffe auf Aramco-Raffinerien haben den globalen Ölmarkt erschüttert. Nun drohen die Huthi-Rebellen mit weiteren Attacken.

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